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Ein Experiment mit ungesicherten Stühlen

Unauffällig stehen sie am Rande des neu gestalteten Sechseläutenplatzes: sechs Stahlstühle, Modell Luxembourg, je acht Kilo schwer, angekettet an einen Laternenpfahl. Sie sind die Vorboten der neuen Platzbestuhlung, die für rege Diskussionen sorgt. Denn 10 der insgesamt 100 Stühle, die ab nächster Woche auf dem Platz stehen sollen, werden frei verschiebbar sein. Die restlichen 90 sind jeweils paarweise mit Stahlseilen verbunden.

Die Stadt will so testen, wie anständig die Leute in Zürich sind: Falls nicht zu viele Stühle geklaut, im See versenkt oder zerstört werden, kommen in einem Jahr weitere 100 hinzu.

Noch steht aber nicht einmal fest, wann genau die ersten 100 Stühle eintreffen. Eigentlich sollten sie schon da sein – wie die langen Holzbänke, auf denen man sich seit Wochenbeginn niederlassen kann. «Ursprünglich wollten wir die Stühle und Bänke gleichzeitig aufstellen», sagt Tiefbauamt-Sprecher Stefan Hackh auf Anfrage. «Dann hatte der Lieferant Terminprobleme.» Nun sollen die Stühle im Verlauf der nächsten Woche kommen. Die ersten sechs sind gestern für Fotoaufnahmen aufgestellt worden.

«Einen Versuch ist es wert»

Ungeachtet der Diskussionen und Lieferschwierigkeiten: Bei der Bevölkerung kommt das Sitzkonzept gut an. Auch wenn mit Vandalismus und Diebstählen zu rechnen sei: einen Versuch sei es wert – so das einhellige Echo bei einer freilich nicht repräsentativen Umfrage auf dem Platz. «Gut, dass man das probiert», sagt beispielsweise Eveline Lopez, die ihre Mittagsbratwurst auf einem der Stuhlvorboten verzehrt. Bequem seien die Stühle, findet Lilo Meier, die ebenfalls zu den Pionieren beim Probesitzen gehört.

Ein junger Mann, der dazukommt, schlägt vor: «Man könnte die Stühle für einen Franken vermieten und abends wieder einsammeln.» Einen Tipp hat auch der 17-jährige Nikolai Kohler, während er auf der Treppe vor dem Opernhaus Pasta isst: «Am Wochenende würde ich die Stühle anketten. Dann sind abends zu viele Besoffene unterwegs.»

Auf einer der massiven Holzbänke am anderen Ende des Platzes sitzt Martin Baggenstoss. «Der Platz ist als Begegnungsort gelungen», urteilt der ältere Herr. Positiv fällt ihm auf, dass die neuen Bänke breit genug sind, sodass man auf beiden Seiten sitzen kann. Auf das Stuhlkonzept angesprochen, findet auch er: «Natürlich werden auch Stühle geklaut werden. Aber das heisst nicht, dass man das Konzept nicht ausprobieren soll.»

Kostenpunkt: 190 000 Franken

190 000 Franken lässt sich die Stadt die Stühle und Bänke mit Lieferung und Montage kosten. Angaben zum Stückpreis für einen einzelnen Stuhl will Tiefbauamt-Sprecher Hackh aber nicht machen, da es sich um einen Spezialpreis handle. Im Handel kostet das Modell Luxembourg rund 250 Franken. (mts)

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