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Ein fast neues Schwimmbad

Der Gemeinderat will das Schwimmbad Seuzach nach 30 Betriebsjahren einer Gesamtsanierung unterziehen. Diese soll 7,6 Millionen Franken kosten. Die Finanzaufsicht hat Vorbehalte.

Für Rico Kesselring ist klar: «Wenn nicht jetzt, wann dann?» Der Vorsteher der Gemeindewerke von Seuzach, der im Sommer bei schönem Wetter regelmässig baden geht, ist überzeugt, dass nun der richtige Zeitpunkt für eine Gesamtsanierung des Schwimmbades gekommen sei. «Vor 30 Jahren hat die Bevölkerung Ja zu einer Badi gesagt, jetzt gilt es, diese zu erhalten.» Würde man heute ein neues Schwimmbad auf die grüne Wiese stellen, wäre nach seinem Dafürhalten mit Kosten von über 11 Millionen Franken zu rechnen. Stolzer Preis Doch auch die nun vom Gemeinderat vorgeschlagene Gesamtsanierung hat ihren stolzen Preis: 7,6 Millionen soll sie kosten. Darin eingeschlossen mit einer Kostengenauigkeit von plus/minus 15 Prozent sind die Erneuerung der Garderoben (420 000 Franken) und der Gastronomie (320 000), drei neue Edelstahlbecken (1,6 Millionen), Umgebungsarbeiten samt Stabilisierung des Rutschbahnhügels (400 000), der Ersatz der Badewassertechnik (970 000) und der Elektroanlagen (440 000) sowie der Heizungs-, Lüftungs-, Klima- und Kälteanlagen (80 000) und Sanitäranlagen (170 000). Dazu gehören auch ein neuer Parkplatz (110 000) und schliesslich die Baumeisterarbeiten (680 000). Der Gemeinderat ist sich der Höhe des Kredits bewusst. Dieser wird dem Seuzacher Stimmvolk am 22. September an der Urne vorgelegt und an der Gemeindeversammlung vom 27. Mai vorberaten. «Wir haben verschiedene Varianten durchgerechnet und Etappierungen genau geprüft», sagt Kesselring. Im Endeffekt habe sich aber die Lösung mit den Edelstahlbecken und der neuen Wasseraufbereitungsanlage punkto Unterhalt, Energiekosten und Verbrauch an Reinigungsmaterialien als die nachhaltigste Variante erwiesen. Die gegenwärtige Finanzlage sowie weitere anstehenden Investitionen – die Sanierung des Primarschulhauses und des Alterszentrums – lassen den Zeitpunkt aus Sicht des Gesamtgemeinderates nun als vernünftig erscheinen. «Eine Salamitaktik und Etappierungen, die jede Saison eine neue Baustelle eröffnet hätten, wollten wir vermeiden», sagt Kesselring. Am meisten Kopfweh bereitet ihm die alte Filteranlage. «Diese weist Korrosionsschäden auf.» Würde sie ausfallen, wäre der Badebetrieb für rund zwei Monate lahmgelegt. Der Ersatz der Filteranlage bedinge aber auch die Sanierung der drei Becken. Die Fugen seien ausgeschwemmt und rau, wodurch sich am Beckenboden stets Material absetze. Für dieses Jahr seien bereits wieder Platten- und Fugenarbeiten für 50 000 Franken angefallen. Zurzeit betrage der Wasserverlust 25 bis 45 Kubikmeter pro Tag. «Die Fassade bröckelt.» Verschiedene Vorbehalte Die Vorlage des Gemeinderates wird von den beiden grossen Parteien, der FDP und der SVP, mitgetragen. Eine kleine Parteienumfrage ergab zudem, dass die CVP mitzieht, sich aber daran stösst, dass in der Vorlage der zwingend notwendige Sanierungsbedarf nicht erkennbar sei. Die EVP anerkennt laut Präsident Peter Müller den Renovationsbedarf zwar grundsätzlich, setzt jedoch ein grosses Fragezeichen hinter die «extrem hohen Gesamtkosten». GLP und SP waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Deutliche Vorbehalte formuliert die Rechnungsprüfungskommission (RPK): Das Projekt sei weder notwendig noch dringlich – auch fehle leider ein Alternativkonzept, sagt Präsident Martin Schmid. Ein Vergleich mit umliegenden Bädern zeige, dass eine Gesamtsanierung im Durchschnitt oft erst nach 55 Jahren erfolge. Die RPK erachtet das Seuzacher Sanierungsprojekt als weder wirtschaftlich noch zweckmässig. Es weise aus Nutzersicht keine offensichtlichen Vorteile auf. Dessen Finanzierbarkeit sei zum heutigen Zeitpunkt aber grundsätzlich möglich. Eine Empfehlung gibt die RPK an der Gemeindeversammlung angesichts der Urnenabstimmung nicht ab. Kesselring hat mit der Opposition gegen die Vorlage keine Mühe. «Das ist das Recht des Volkes.» Er hofft aber gleichwohl, dass die Stimmbürger den «vernünftigen Zeitpunkt» erkennen. «Wenn die Sanierung nun durchgezogen wird, können wir viel Geld für Umbauten, Reparaturen und Notlösungen von Anlageteilen sparen, die dann schliesslich doch ersetzt werden müssten.»

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