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Ein Fingerabdruck führte zur zündenden Idee

Töpfer waren zur Römerzeit als Wanderarbeiter tätig. Das zeigt eine Untersuchung im Dorfkern von Oberi. Aufschluss gab die Analyse einer Archäologin und eines Forensikers.

Seit nunmehr 23 Jahren finden in Oberwinterthur archäologische Grabungsarbeiten statt. Im Vicus («Siedlung») Vitudurum waren zur Römerzeit auch viele Handwerker angesiedelt. Dass diese nicht immer am selben Ort blieben, wurde zwar vermutet, konnte jedoch nun erstmals nach­gewiesen werden. Forscherin Verena Jauch gelang der Nachweis im Rahmen ihrer Dissertation. Jauch ist als Projektleiterin bei der Kantonsarchäologie tätig. In ihrer Arbeit gibt sie einen Überblick über die ortstypischen Keramiken im ersten Jahrhundert und über die wirtschaftlichen Umstände des Töpferhandwerks. Dabei stiess sie auf den umtriebigen Töpfer Ianuarius. Dieser fertigte im Vicus Vitudurum unter anderem Reibschüsseln. Das für die Töpferarbeit benötigte Rohmaterial, Ton und Holz, wurde übrigens in unmittelbarer Umgebung am Lindberg gewonnen. «Seine Reibschüsseln markierte Ianuarius, wie es damals üblich war, mit ­Namensstempeln», sagt Verena Jauch. Der Stempel wurde dabei mit dem Finger abgerollt, wodurch stets ein Fingerabdruck ­zurückblieb. Die Technik brachte Jauch auf die zündende Idee. «Ich schaute mir die Fingerabdrücke zusammen mit einem Forensiker der Stadtpolizei an», erzählt Jauch. «Und wir verglichen Reibschüsseln von verschiedenen Standorten.» Die archäologisch-forensische Zusammenarbeit brachte schliesslich den Durchbruch. Jauch konnte beweisen, dass Ianuarius nicht nur in Oberwinterthur, sondern auch im 30?Kilometer entfernten Eschenz im Thurgau tätig gewesen sein musste. Da das Material der Reibschüsseln unterschiedlich war, konnte sie zudem ausschliessen, dass die Töpfe auf dem Handelsweg in den Thurgau gelangten. «Das ist der erste Nachweis eines Wanderhandwerkers in dieser Zeit», sagt Jauch. Die Forscherin vermutet, dass auch andere Töpfer zwischen den römischen Siedlungen pendelten. Ein «Pizzaofen» aus antiker Zeit Jauch ist seit August an der neuesten Ausgrabung in Oberwinterthur beteiligt. An der Bäumli­strasse kamen dabei auch verschiedene römische Brennöfen zum Vorschein. Darunter auch spezielle Exemplare, eine Anlage erinnere an einen Pizzaofen, erzählt Jauch. Die Grabung dauert noch bis im November. Die Archäologen führen ihre Ausgrabungen jeweils durch, wenn irgendwo in Oberwinterthur neu gebaut wird. Bereits ab Dezember werde wieder ein anderes Team an einem neuen Standort im ehemaligen Vicus graben, sagt Jauch. «Auch die neuesten Funde verstärken den Eindruck, dass Oberwinterthur in der damaligen Zeit als römische Siedlung von sehr grosser Bedeutung war für die Region.» Mirko Plüss

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