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Ein Franzose für jeden Geschmack

Florenz. Er ist richtig flott geworden: Der neue Clio sieht jugendlich frisch aus, orientiert sich technisch an der Smartphone-Generation und kommt dank moderner Motoren kultiviert, zügig und sparsam voran.

Nicht die französische Küste, sondern die Toscana gibt die Kulisse ab: Für die Präsentation des neuen Clio hat Renault die Autojournaille in eine Landvilla im Norden von Florenz geladen. In einem mit Stuckdecken gezierten Saal schlagen die Marketingleute des ins Trudeln geratenen Autobauers den Bogen zwischen den zwei Ländern: Im Design des Clio gebe es italienische Einflüsse. Es ist eine Aussage, die sich weder bestätigen noch widerlegen lässt. Im B-Segment, wo um die 40 Fahrzeuge um Kunden buhlen, sieht einer dem anderen ähnlich. Französisch, italienisch, deutsch, japanisch – wer wollte das auseinanderhalten!

Erkennen lässt sich der Einfluss der Sportwagenstudie DeZir aus dem eigenen Haus. Er stand beim Design Pate, die LED-Tagfahrleuchten im Frontkühler sowie die dortigen Chromquerspangen zeugen davon. Ansonsten ist der Clio ein Zitatenschatz: Die abfallende Dachlinie und die versteckten hinteren Türgriffe erinnern an ein Coupé. Die ausgeprägten Radhäuser und der Heckstossfänger markieren Sportlichkeit. Die weit in die Flanken gezogenen Frontscheinwerfer bedienen das Kindchenschema. Gestatten: ein Auto, das allen gefallen soll.

In den Abmessungen hat der nur als Fünftürer angebotene Franzose zugelegt, um 3,1 auf 406 Zentimeter in der Länge und um 1,3 auf 173 Zentimeter in der Breite. Auch der Radstand wurde gestreckt und die Spur verbreitert. Einzig in der Höhe ist der Clio, der vierte mittlerweile, geschrumpft und wirkt daher etwas sportlicher.

An den Start geht er Ende Monat mit zwei betont sparsamen Motoren – zum Preis von mindestens 19 900 Franken mit einem neu entwickelten Dreizylinderbenziner mit 90 PS. Dieser ist laufruhig und elastisch wie ein Vierzylinder und bringt den Clio, der um 100 Kilogramm abgespeckt hat, recht flott in Fahrt. Die Leistungsdaten: 12,2 Sekunden in der Sprintwertung, 182 Stunden­kilometer Spitze, 5,5 Liter Normverbrauch. Nur in der höherwertigen von zwei Ausstattungslinien und dar­um erst ab 23 400 Franken angeboten wird der Clio mit dem bewährten 1,5-Liter-Turbodiesel. Er soll einen Durchschnittsverbrauch von 3,2 Litern möglich machen, allerdings nicht in der Schweiz. Denn hier rollt der Clio serienmässig auf schmucken 16-Zoll-Rädern, was die Ökobilanz auf immer noch gute 3,4 Liter verschlechtert. Der Diesel spurtet etwas munterer als der Benziner auf die toskanischen Hügel, bleibt dabei aber ebenso manierlich. Seine Daten: 11,7 Sekunden in der Sprintwertung und 178 Stundenkilometer Spitze.

Als günstige Alternative gibts einen 1,2-Liter-Benziner älteren Datums mit 75 PS. So drückt man werbewirksam den Einstiegspreis, eine echte Option ist das Aggregat aber nicht. Später will Renault einen Vierzylinderbenziner mit 120 PS nachreichen, diesen dann mit Doppelkuppelungsgetriebe. Die getesteten Sparmotoren sind hingegen mit einem knackigen manuellen Fünfganggetriebe gekoppelt, das auf den ersten Testkilometern ebenso gefällt wie die mitteilsame Lenkung. Beim Fahrwerk hat sich Renault am Fiesta orientiert. Wie die Fachpresse sind die Franzosen der Meinung, dass der kleine Ford in Sachen Fahrwerk im B-Segment das Mass der Dinge ist. Ganz so agil wirkt der Clio dann zwar nicht. Dafür bietet er einen besseren Federungskomfort, was gerade bei italienischen Strassenverhältnissen positiv vermerkt wird.

Das Interieur ist betont hübsch, mit Klavierlack, Chrom und je nach Individualisierung bunten Zierleisten, die sich vom Armaturenträger bis in die Türen ziehen. Gleichzeitig inszeniert sich der Clio als Smartphone mit Sitzgelegenheit. Das ab Serie eingebaute Multimedia- und Navigationssystem wartet mit ansprechender Grafik und allen wichtigen Anschlüssen auf. Auf einen CD-Player hat Renault verzichtet. Möglichst bald soll eine internetfähige Version des Systems nachgereicht werden, mit massgeschneiderten Apps. Dann lässt sich etwa der Sound des Dreizylinders über die Soundanlage einspielen. Oder auf Wunsch auch der kernige Klang eines hubraumstärkeren Antriebs – der Motorensound wird quasi zum Klingelton.

Wer praktisch orientiert ist, freut sich über die übersichtliche Anordnung der Bedienelemente. Nur der Tempomat-Hauptschalter und die Eco-Taste, die den Clio träger abstimmt und bis zu 10 Prozent Treibstoff sparen hilft, sind etwas eigentümlich neben der Handbremse platziert. Was die Platzverhältnisse angeht, muss sich der Franzose nicht verstecken. Vorne sitzt man bequem, in den Fond passt ein 1,80 Meter grosser Erwachsener wie ein «Guetsli» ins «Förmli». Auch der Kofferraum ist mit 300 Litern keine Enttäuschung.

Schade ist, dass der von Euro NCAP mit fünf Sternen prämierte neue Clio keine Seitenairbags für Fondpassagiere anbietet, auch nicht optional, wie australische Kollegen bei der Präsentation mit Recht monieren. Und die Dachaufkleber, mit denen sich das Auto individualisieren lässt, passen höchstens auf Kindergeburtstage, so das einhellige Verdikt, wobei der Clio ansonsten ausnehmend gut aufgenommen wurde.

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