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Ein friedliches Bier-Picknick statt Krawall

Eine grössere Gruppe folgte dem Aufruf zum Botellón am Archplatz. Es folgte ein friedliches Treffen mit Dosenbier und Gummitwist. Auch weil die Stadtpolizei sich diesmal dezent im Hintergrund hielt.

Gut 70 Erwachsene und Jugendliche hatten sich am Samstagnachmittag um vier Uhr vor dem Einkaufszentrum Archhöfe versammelt. Sie tranken Dosenbier und hörten Musik aus mitgebrachten Radios. Auch Kinderwagen und Hunde waren in der Versammlung zu sehen, welche erstaunte Blicke der shoppenden Bevölkerung auf sich zog.Versammelt hatte sich die Gruppe aufgrund eines Aufrufs, der letzte Woche per SMS verbreitet wurde. Mit einem Trinkgelage sollte gegen die Polizeiaktion vom vergangenen Samstag gegen die Tanzdemo «Standortfucktor» demonstriert werden, die viele als unnötig hart empfanden. Von Absperrgittern oder gar Wasserwerfern fehlte diesen Samstag allerdings jede Spur. Die Polizei war nur sporadisch zu sehen, wenn eine Dreiergruppe von Velopolizisten vorbeiradelte, um einen Augenschein zu nehmen. Das Ausbleiben einer direkten Konfrontation mit Uniformierten wirkte beruhigend: Die Demonstrierenden beschäftigten sich miteinander, plauderten und spielten Fussball.Ein paar Halbwüchsige sind schon am späteren Nachmittag angeheitert. «Ich glaube, es geht erst gegen 21 Uhr so richtig los», gibt ein Blondschopf mit Zahnspange zu Protokoll. Er hat eine Riesenwut auf die Polizei, die ihn und seine Freunde letzten Samstag festgehalten habe. Grundlos hätten die Beamten mit Gummischrot in die eingesperrte Menge geschossen und aus nächster Nähe Pfefferspray eingesetzt – das habe ihn schockiert. Doch wie sieht es aus mit seiner eigenen Einstellung zu Gewalt? «Solange wir von der Polizei nicht provoziert oder angegriffen werden, bleiben wir ruhig», sagt er.

Fussball und Strassenkreide

Auch als der Abend anbricht, bleibt die Stimmung am Archplatz friedlich. Dies zum Leidwesen einiger Journalisten von Print und Fernsehen. Sie warten vergeblich auf spektakuläre Bilder und packen gegen sieben Uhr ihre Kameras wieder ein. Es flogen Fussbälle, keine Steine. Auch Sachschäden sind keine zu verzeichnen: Ihre Forderungen malten die Demonstranten mit Strassenkreide auf den Boden. Ein Banner und ein Flugblatt nahmen Polizeistadträtin Barbara Günthard-Maier (FDP) aufs Korn, die den Polizeieinsatz als zurückhaltend bezeichnet hatte. Noch immer steht eine Gruppe von rund 30 Personen vor den Archhöfen. Doch nach und nach löst sich die Versammlung auf. Eine junge Frau mit Blumenkranz im Haar klemmt sich ein Schild unter den Arm, auf dem steht «Polizei – dein Freund und Helfer», und zieht mit ihren Freundinnen weiter. Mehrere Teilnehmer äussern sich und bekunden, dass es ihnen bei der Veranstaltung dar­um gegangen sei, zu zeigen, dass ihre Absichten friedlich seien – auch letzten Samstag schon. «Wir haben mit dem heutigen Abend bewiesen, dass dies möglich ist», sagt einer. Dank dem Start am frühen Abend hätten viele Winterthurer dies sehen können und unerwünschte Krawallmacher seien dem Anlass ferngeblieben. Kurz vor neun sitzt nur noch eine Handvoll Leute da. Die Abfalleimer auf dem Platz sind bis oben mit Bierdosen gefüllt. Eine junge Frau läuft um die Betonsitzbänke und sammelt die restlichen Flaschen und Büchsen ein. Der Platz sieht nun aus wie an jedem anderen Samstagabend.

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