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Ein für alle lukratives Geschäft

Zahlreiche Hilfswerke setzen auf die Dienste von Fundraising-Agenturen wie die Corris AG. In der Winterthurer Marktgasse klingelt die Kasse.

Die Winterthurer Marktgasse ist für Fundraising-Firmen wie die Zürcher Corris AG sowie für Non-Profit-Organisationen lukrativ. Die Gründe sind banal: Einerseits ist die Lage zentral und andererseits die Passanten-Frequenz hoch. Zudem sind die Menschen in der Fussgängerzone sehr spendabel, wie Bernhard Bircher-Suits, Leiter Kommunikation und PR der Corris AG, sagt. Über den Umsatz beziehungsweise die Zahl der gesammelten Spenden schweigen sich beide Seiten aus. Fest steht, dass sich die gemeinnützigen Organisationen die Dienstleistung einiges kosten lassen: 850 Franken verlangt die Corris AG für eine sogenannte Infostandkampagne pro Mitarbeiter und Tag. Darin enthalten sind etwa auch die Kosten für eine Standplatzgenehmigung.Je nach Standort sind zwei bis maximal fünf Mitarbeiter im Einsatz. Dabei handelt es sich um temporäre Angestellte, sogenannte Dialoger, die in der Regel drei bis vier Wochen für die Fundraising-Firma arbeiten. Es sind Menschen zwischen 18 und 35 Jahren. Oft handelt es sich dabei um Studenten, die so ihr Studium finanzieren.

Treue Spender gesucht

Die Corris AG legt Wert auf Qualität, wie Bircher-Suits sagt. Ihre Angestellten würden keine Spenden eintreiben, sondern freundliche und qualifizierte Verkaufs- sowie Info-Gespräche führen. Passanten sollen dazu gebracht werden, sich mit einer Mitgliedschaft langfristig zu engagieren. Dies geschieht am Ende des Gesprächs mit der Unterzeichnung eines Lastschriftverfahrens. Im Durchschnitt kommt ein Dialoger gemäss eigenen Angaben auf einen Lohn von 4200 Franken im Monat. Darin sind ein Fixum von 165 Franken plus 15 Franken Spesen im Tag enthalten. Der Bonus (20 Prozent des Gesamtlohns) hängt von der Zahl und Qualität der gewonnen Spendern oder «Förderern» ab. Storniert ein Förderer seine Mitgliedschaft kurze Zeit später, wird der Bonus nicht ausbezahlt. Die Corris-Mitarbeiter dürften Passanten also nicht einfach überreden, sagt Bircher-Suits.Für die Non-Profit-Organisationen scheint die Rechnung aufzugehen. «Direktdialog-Kampagnen sind ein wichtiges Standbein für die erfolgreiche Gewinnung von Spendern, die sich langfristig engagieren möchten», sagt Stefan Gribi, Leiter Abteilung Information der Caritas Schweiz. Die Krebsliga Zürich sieht das auch so: «Die Zusammenarbeit mit der Corris AG lohnt sich definitiv», sagt Geschäftsführer Rolf Huck. «Mit Freiwilligen kämen wir nie auf das gleiche Resultat.» Der Aufwand für Rekrutierung, Organisation von Standplätzen und Freiwilligenbetreuung sei ungleich höher. Greenpeace gehört zu den wenigen, die Standaktionen mit eigenen Mitarbeitern durchführen. Die Organisation hat die Zusammenarbeit mit der Corris AG 2008 aufgegeben. «Eigene Dialoger identifizieren sich stärker mit uns, sie sind glaubwürdiger und motivierter», sagt Sprecherin Lilla Lukacs. Diese Art von Fundraising sei für sie der bessere Weg und habe sich bewährt.

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