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Ein ganz kleiner Fortschritt

Die Grasshoppers verloren im vierten Pflichtspiel der Saison zwar erstmals nicht. Aber das 0:0 gegen den FC Sion war alles andere als eine Offenbarung.

Vier Tage nach der herben Enttäuschung beim 0:2 gegen Lille verloren die Grasshoppers wenigstens nicht. Also sagte ihr Trainer Michael Skibbe über das Unentschieden gegen Sion, es sei «ein Schritt in die richtige Richtung». Er bedauerte zwar, dass nicht noch der erste Sieg herausschaute und er verwies darauf, dass man nach einem Foul an Shani Tarashaj auch einen Elfmeter hätte pfeifen können. Aber insgesamt stellte ihn die Steigerung in der zweiten Halbzeit doch zufrieden: «Wenigstens haben wir mal einen Punkt.» Das zeigt allerdings auch, wie sich die Sicht der Grasshoppers auf ihre Lage innert Kürze verändert hat. Wie schon nach der Niederlage gegen Lille sprach Skibbe von der «Realität, der wir uns stellen müssen». Er wiederholte, dass seine Mannschaft offensiv doch über weniger Qualität verfüge als in der vergangenen Saison. Vor dem Spiel gegen die Franzosen hatte der deutsche Trainer sein Urteil über sein Team noch so formuliert: «Wir haben von der Qualität her wieder eine vergleichbare Mannschaft wie im vergangenen Jahr. Sie kann national vorne mitspielen und international für eine Überraschung sorgen.» Wenig von den Neuen Nun muss er schon ein torloses Unentschieden in einem an Unterhaltungswert armen Spiel als Fortschritt sehen. Auch diesmal kam wenig von den Neuen, denen aufgetragen wäre, die Abgänge wie zuletzt jenen des Top­sko­rers Shkelzen Gashi wettzumachen. Diesmal war der Ägypter Mahmoud Kahraba gesperrt, begannen – im Feld – nur der Franzose Yoric Ravet und erstmals der Deutsche Alexander Merkel. Beide spielten mittelprächtig, also wies Skibbe auf einen der Bisherigen hin, wenn es um bessere Perspektiven in der Offensive geht – auf Caio. «Aber leider fehlt uns der noch drei, vier Wochen.» Pech hatte ein anderer Neuer, der Torhüter Daniel Davari. Der Deutsch-Iraner, der bisher wenig überzeugt hatte, zeigte diesmal in der Anfangsphase zwei gute Paraden. Aber kurz vor Schluss fiel er, vom Knie Vilmos Vanczaks hart getroffen, mit einer Hirnerschütterung, einer Schulterprellung und einer Fraktur in der Augenhöhle aus. Wie lange er aussetzen muss, ist noch offen. Auf jeden Fall findet die Reise zum Rückspiel nach Lille ohne ihn statt. Für Vaso Vasic, den ehemaligen FCW-Goalie, waren die Minuten am Samstag die ersten in der Super League; morgen wird er erstmals gar im Europacup spielen. Obwohl die Grasshoppers also erstmals nicht verloren, war ihre Quote an Passgenauigkeit und Ballsicherheit kaum besser als gegen Lille. Einem wie Anatole Ngamukol unterliefen so viele kleinere oder grössere Stockfehler, dass gar kein richtiger Rhythmus aufkommen konnte. Aber selbst eine sonst so bewährte Kraft wie Captain Vero Salatic spielt zurzeit deutlich unter üblichem Niveau. Und im Falle des altgedienten Verteidigers Stéphane Grichting stellt sich die Frage, ob er für Spitzenleistungen noch genügt. Am Mittwoch war das nicht der Fall in einer Dreierabwehr, am Samstag war er in einer Viererkette kaum besser. Auf die Bank musste übrigens Michael Dingsdag. Auch Sion ein Fragezeichen Der Match gegen Sion lieferte also keinesfalls schlüssige Hinweise, ob GC in dieser Saison tatsächlich wieder fähig ist, national vorne mitzuspielen, wie Skibbe ja formuliert hat. Es ist auch nicht annähernd schlüssig zu sagen, was aus diesem FC Sion wird, dessen Interimstrainer Frédéric Chassot sich «sehr enttäuscht» zeigte, dass seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit die Führung nicht gelungen sei. In der Tat hatten die Walliser da zwei – eben von Davari zunichte gemachte – Möglichkeiten. Aber später machten sie offensiv nur noch so wenig – ja nichts mehr –, dass ihre Gesamtleistung mehr als ein 0:0 keinesfalls gerechtfertigt hätte. Es spricht nicht für den FC Sion, dass er gegen diese Grasshoppers nicht mehr wagte. Und es spricht nicht für die Zürcher, dass sie gegen diese Walliser nicht über ein 0:0 hinauskamen – ja, damit gar zufrieden waren. mis

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