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Ein Garten, der wahrlich alle Sinne anregt

Die Feuerwerksinfonie am 1. August mit all den Feuergarben, den vom Himmel regnenden Sternen und den farbigen Leucht­rädern leitet den Hochsommer ein. Denn dieses Feuerwerk setzt sich fort, auch wenn längst alle Raketen verschossen sind. Im Garten.

Zwar knallt es im Garten nicht, aber die Fülle an Farben, Formen, Gerüchen, Aromen und Tönen sind doch auch ein Feuerwerk, eines für alle Sinne. So, wie die Raketen Feuergarben in den Himmel schossen, so streben jetzt Rittersporn, Fackellilie und Gladiolen empor und die Königskerze wächst so schnell, dass man fast zuschauen kann. Sie erscheint im Frühling meist als ungebetener, bescheidener Gast: Ein kleiner Horst von graugrünen Blättern siedelt sich gerne zwischen den Trittplatten an. Und ehe man sichs versieht, steht da eine übermannshohe Pflanze, deren kleine, wollige Blüten so eifrig von Bienen und Hummeln umschwärmt werden, dass man es nicht über sich bringt, sie auszureissen. Und halt einen Umweg durch den Garten macht.

Der Duft des Sommers

Hochsommer kann man nicht nur sehen, sondern auch riechen: Der Duft des frisch gemähten Rasens, der warme Boden in den Gartenbeeten, das erste Apfelmus aus den meist wurmstichigen Falläpfeln, der Geruch an den Händen nach der Ernte von sonnenwarmen Tomaten. Die Rosen, deren Blütenköpfe sich zu weiten Biedermeierröcken auffalten, riechen etwas wie gepflegte ältere Damen und wer jetzt Sträusschen von Rosmarin, Salbei, Bohnenkraut, Lavendel und Thymian schneidet und sie am Küchenfenster aufhängt, konserviert den Duft des Sommers bis weit in den Herbst hinein.

Auch das Fühlen kommt nicht zu kurz: Die warmen Knollen, die bei der Kartoffelernte von der Grabgabel kollern, die blauen Finger beim Ablesen der Brombeeren, das Schneiden der grossen Sommersträusse frühmorgens, wenn der Tau noch von den Blättern perlt, das sind taktile Sommerhöhepunkte. Denen sofort die Geschmackserlebnisse folgen. Wer jetzt kein Pesto aus Basilikum, Petersilie, Knoblauch, Pinienkernen, Parmesan und einem duftenden Olivenöl anrührt, keinen Gurkensalat mit frischem Dill mischt und keine Himbeeren direkt vom Strauch isst, der weiss nicht, wie Sommer schmeckt.

Sommerkonzerte

Wenn beim Essen die Wespen summen und am Abend die Mücken sirren, wird die Sommer­seligkeit zwar etwas gestört. Gegen die Wespen kann ein glänzendes Fünfrappenstück auf den Tisch an die Sonne gelegt werden. Keine Ahnung weshalb, aber die Wespen bleiben so weitgehend weg. Gegen die Mücken sollen Duftgeranien helfen, die möglichst nahe beim Gartenplatz aufgestellt werden sollten. Und wer einen Raucher beziehungsweise eine Raucherin am Tisch hat, muss sich wegen der Mücken auch keine Sorgen mehr machen.

Am Abend, bei einem Glas Wein oder einem aus Zitronenmelisse, Bohnenkraut, Minze und Borretsch aufgebrühten Eistee, ist der Sommer aber auch ohne Plagegeister zu hören.

Bis es dunkel wird und dar­über hinaus zirpen die Grillen wie für eine grosse Sommersinfonie. Dabei sind es nur die Männchen, die zu hören sind. Sie schrammeln mit ihren Schrillleisten an den Flügeln über eine Schrillkante. Die Weibchen hören diese «Flötentöne» und spreizen dabei wohl freudig ihre schlanken Beinchen. Denn damit hören sie. Auch eine Art Romantik.

Bernadette Reichlin

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