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Ein Gastmahl zum Jubiläum

Seit zehn Jahren wird das Zürcher Theater Rigiblick professionell geleitet. Zum Jubiläum bringt Theaterdirektor Daniel Rohr ein Gastmahl auf die Bühne.

Es ist das gleiche Stück wie jenes, das Anfang Saison 2004/05 den Auftakt zur neuen Theater-Ära machte: «Babettes Fest». Und das ist kein Zufall, wie Rohr sagt: «Babettes Fest» dreht sich um ein Gastmahl. An der Tafel dürfen – ganz real – auch Zuschauerinnen und Zuschauer Platz nehmen. «Gastfreundschaft ist mir ganz wichtig», sagt Rohr. Sie ist denn auch unverzichtbarer Bestandteil der Rigiblick-Hauskultur. Nach der Vorstellung sitzen die Besucher im Foyer zusammen, die Künstler gesellen sich dazu, ganz unkompliziert und ohne Allüren. Bekannte Gesichter, grosse Namen sind regelmässig zu Gast: Bruno Ganz, Eva Mattes, Henning Mankell, Corinna Harfouch, um nur einige zu nennen. Rohr ist «Schauspieler, Regisseur, Theaterleiter und Gastgeber in einem», sagt auch der Stadtzürcher Kulturchef Peter Haerle. Unter seiner Leitung sei das Rigiblick zu einem «lebendigen und erfolgreichen Kulturzentrum geworden, in dem sich die Menschen willkommen fühlen und das ihr Zuhause ist». Rohrs Energie strahle aus, «ins Theater, in die Stadt und weit über die Stadt hinaus». Essenziell für den Erfolg des Hauses ist aber die Qualität des Gebotenen. Rohrs Kombination von Erzähltheater und Musik bewährt sich. Im Programm sind zahlreiche Gastspiele freier Theater- und Musikgruppen. Dazu kommt ein wachsendes Repertoire an Eigenproduktionen. Darunter die erfolgreiche Reihe der «Tributes to» – Leonard Cohen, Bruce Springsteen, Tom Waits, Peter Gabriel – bald Eric Clapton. Manche Stücke sind seit vielen Jahren Kult: «Zappa», «Faust», «Azzurro», die Pink-Floyd-Produktion «To the Dark Side of the Moon». Und das irische Märchen «Der Lachs der Weisheit» ist auf dem besten Weg, ein Evergreen zu werden. Aus dem Erfolg erwachsen neue Herausforderungen: Das Foyer platzt aus allen Nähten, der Run auf die stets unnummerierten Plätze ist enorm. Vor allem die Verhältnisse in der Künstlergarderobe und in den beiden Büros sind prekär. Kommt dazu, dass es keinerlei Stauraum für Requisiten und Bühnenbilder gibt. Hier soll ein kleiner Anbau Abhilfe schaffen, der im Sommer erstellt werden soll. Und, ganz wichtig, um Schwierigkeiten zu meistern und damit zu verhindern, dass das Theater vom eigenen Erfolg überrollt wird: «Die Stimmung im Team ist sehr gut. Das spiegelt sich im ganzen Haus», sagt Rohr. Wie soll es weitergehen? Es gebe «noch so viele Themen, die in mir brennen, die ich realisieren möchte», sagt Daniel Rohr. Bisher sei «ein guter Boden bestellt» – da wolle er weitermachen. Eines sei klar: Das Rigiblick soll ein Ort der Auseinandersetzung und des Zusammenseins bleiben. Sinnbild dieser Lebendigkeit ist das Stück «Babettes Fest» mit Graziella Rossi, Hansjörg Betschart und Carlo Lienhard unter der Regie von Daniel Rohr nach einer Novelle von Tania Blixen. Die poetisch-besinnliche Geschichte dreht sich um ein opulentes Festmahl im puritanischen Norwegen des 19. Jahrhunderts. Das Stück zeigt, dass Kunst – in diesem Fall Kochkunst – etwas bewirken kann, und sei es nur für einen Tag. Sodass geschieht, was der alte General Löwendjahl im Stück sich ganz bescheiden wünscht: Ein kleiner Nachtfalter möge sich zu ihm verirren, bevor es dunkel werde. Babettes Fest: Nächste Vor- stellung im Theater Rigiblick Donnerstag, 22. Januar, bis 4. April.

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