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Ein Happy End für die Turmwache

Der Artikel über die Freiwilligen, die in den Weihnachtsnächten vor dem Eschenberg- und dem Brühlbergturm Suizidwache halten, hat eine Welle der Solidarität ausgelöst. Nicht nur wurde ein neuer Sponsor für die Lagerfeuer gefunden, auch Helfer meldeten sich in Scharen.

Erzählt wird hier eine waschechte Winterthurer Weihnachtsgeschichte. Und die beginnt schon im Sommer: Im Juli meldete sich EDU-Gemeinderat Zeno Dähler beim «Landboten». Er organisiert die Turmwache, die es seit bald 20 Jahren gibt. Die freiwilligen Mitglieder dieser losen Organisation setzen sich jeweils in den beiden Weihnachtsnächten am Fusse des Brühlberg- und Eschenbergturms hin und halten Ausschau nach einsamen Spaziergängern. Wer ihnen begegnet, den sprechen sie an. «Wir fragen nach dem Woher und dem Wohin oder begleiten die Leute, die nicht reden möchten, stillschweigend», sagte Dähler. Es gehe um Nächstenliebe – und darum zu verhindern, dass sich jemand in den Tod stürze. Doch Dähler hatte im Sommer ein Problem: Der Gärtner, der über viele Jahre das Holz für die Lagerfeuer der Wache zur Verfügung stellte, war abgesprungen. «Seine Holzvorräte waren versiegt.» Der Turmwache drohten eisige Nächte. Also suchte Dähler via «Landbote» einen neuen Holzsponsor. Sein Ruf nach Solidarität verhallte alles andere ungehört. «Die Reaktionen waren überwältigend», sagt Dähler. «Wir wurden mit Geldangeboten überhäuft.» Geld im Briefkasten Da die Turmwache keine formelle Organisation sei und also auch über kein Konto verfüge, habe er das Geld jedoch ausschlagen müssen, sagt Dähler. «Jemand hat sich allerdings darüber hinweg gesetzt – die 300 Franken sind dann einfach in meinem Briefkasten gelandet.» 300 Franken, etwa soviel Kosten die zwei Ster Holz, die nötig sind, um die Freiwilligen zwei Nächte lang warm zu halten. Dähler hat das Geldgeschenk nun aber nicht fürs Lagerfeuer eingesetzt. «Ich habe damit Kaffee, Tee, Schokolade und Guezli gekauft – alles, was so eine Nacht etwas gemütlicher macht.» Fürs Holz hat er bereits einen anderen Sponsor gefunden. Die Johann Jacob Rieter Stiftung bot an, die Kosten für das Holz in den nächsten fünf Jahren zu übernehmen. Die Pressestelle von Rieter meldete sich direkt bei Dähler. Er müsse nun nachträglich noch ein Gesuch stellen, damit alles seine Ordnung habe. Taxi-Dienst für die Helfer Heute Morgen war der EDU-Gemeinderat mit den Vorbereitungen beschäftigt. «Ich habe gerade einen Hänger voll Holz beladen», sagte er durchs Telefon. Gekauft hat er die Scheite bei der Organisation «Läbesruum», die verschiedene Arbeitsintegrationsprojekte unterhält. Dähler selbst wird nicht am Turm Wache halten. Er übernimmt den Taxi-Dienst. Bis am Weihnachtsmorgen fährt er die Freiwilligen vom «Basislager» in der Stadt zum Einsatzort auf dem Turm und nach ihrer Schicht wieder zurück. In diesem Jahr sind es über 50, die sich an der Wache beteiligen – darunter auch einige, die nicht wie Dähler einer Freikirche angehören. Noch nie sei es so leicht gewesen, die Schichten zu vergeben, sagt er. «Ich bin sehr dankbar, dass sich alles so entwickelt hat.» Für Dähler ist klar: Diese Winterthurer Weihnachtsgeschichte hat ein Happy End.

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