Zum Hauptinhalt springen

Ein Haus mit bewegter Geschichte

Vor 75 Jahren stand das Haus an der «Landi 39» am Zürichsee, dann auf einem Fabrikareal. Später verschlug es das Landihaus ins Weinland.

Steht man vor dem Landihaus, fragt man sich, ob es in Berg am Irchel angekommen oder nur auf der Durchreise ist. Denn das Riegelhaus hat eine buchstäblich bewegte Geschichte hinter sich. Das Holzgerippe des Hauses wurde dreimal aufgebaut, zweimal abgebaut und wechselte dreimal den Standort. Für die Landesausstellung 1939 wurde das Haus am Zürichsee das erste Mal aufgebaut. Nach der Ausstellung reiste es in die Stadt Zürich auf ein Fabrikareal. Weil es dort 1956 im Weg stand, wurde es auf Schienen um ein paar Meter verschoben. Nach der winzigen Reise war um 1970 endgültig kein Platz mehr für das Haus – das Gerippe strandete 1972 in Berg am Irchel. Idyllisches Dörfchen im Krieg Als «Gemeindehaus» stand das Riegelhaus im «Landidörfli» am Zürichhorn während der Landesausstellung, die vom 6. Mai bis 29.?Oktober 1939 in Zürich stattfand. Charakteristische Bauten aller Landesteile bildeten das ­eigens für die Ausstellung ge­baute «Dörfli», das ans heutige Freilichtmuseum Ballenberg erinnert. Die Miniatur-Schweiz war eine der Attraktionen der Landi vor 75 Jahren, die ganz im Zeichen der geistigen Landesverteidigung stand. «Es isch erschaffe, lueg au die Pracht, do dass me meint, der Herrgott hets gmacht», heisst es im damals äusserst populären Lied «s’Landi-Dörfli». Als am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, fand in der Schweiz die Generalmobilmachung der Armee statt, und die Ausstellung blieb offen. Später die Betriebskantine Im Herbst 1939 wurde das Ge­lände der «Landi 39» geräumt. «Langsam, als täte ein brüskes Niederreissen weh», stand in einem damaligen Zeitungsartikel. Auf dem Foto ist das «Gemeindehaus» zu sehen, die gemauerten Zwischenräume herausgebrochen. Nur das Riegelskelett stand noch, durch das «nun der rauhe Herbstwind pfeift». Das Landihaus wurde vom See in die Stadt transportiert, wo es auf dem Fa­brikareal von Escher Wyss wiederaufgebaut wurde. Im grossen Saal im ersten Stock, wo heute in Berg am Irchel die Gemeindeversammlungen stattfinden, befand sich die Betriebskantine der Fa­brik. Das schmucke Türmchen samt Uhr sowie den gedeckten Balkon «verlor» das Landihaus ­allerdings auf seiner Reise vom Seefeld in die Stadt Zürich.Als für das Haus bei Escher Wyss kein Platz mehr war, machte sich das kantonale Amt für Raumplanung im Sommer 1971 auf die Suche nach einer neuen Bleibe. Das Landihaus haben wollten die Gemeinden Berg am Irchel, Dägerlen und Bülach. Ab 1959 plante Berg mehrmals einen Mehrzweckbau, was aber am fehlenden Geld scheiterte. Da kam der Gemeinde das kostenlose Angebot des Kantons sehr gelegen. Auch die stockende Planung kam ins Rollen. Nur rund drei Monate nach der Anfrage des Kantons wurde das Landihaus an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung einstimmig willkommen geheissen. «Schon ein spezielles Haus» Einer, der im Februar 1972 am dreiwöchigen Abbau des Landi-hauses in Zürich beteiligt war, ist der heute 67-jährige Elektriker Willi Fehr aus Berg am Irchel. «Wir hängten die Lampen und Schaltkästen ab», erzählt er. Unter der Leitung zweier Zimmereien aus Berg und Buch am Irchel hätten danach Bauern aus Berg das Riegelhaus zerlegt. Die Balken wurden nummeriert, um das Haus wieder richtig zusammenzusetzen. Ein Bauer fuhr mit seinem starken Traktor und grossen Anhänger mehrmals nach Zürich, um das Landihaus nach Berg zu bringen. «Es ist schon ein spezielles Haus», findet Fehr. Denn in den 1970er-Jahren hätte man «nicht so rustikal gebaut», mit so viel Holz. Weil das Haus für Schutzräume und militärische Unterkünfte unterkellert werden musste, kostete der Bau doch 1,1?Millionen Franken. Da der Bundesrat 1973 wegen der Wirtschaftskrise einen landesweiten Baustopp verfügte, verzögerte sich der Wiederaufbau des Landi-hauses. Bern gab dann doch relativ rasch grünes Licht – weil die in einer Scheune eingelagerten Balken Schaden zu nehmen drohten. Im Juli 1975 wurde das «Gemeindehaus» eingeweiht, das seither ein echtes Gemeindehaus ist.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch