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Ein Haus mit Nischen

Der Erweiterungsbau der Pension Bugatti an der Tösstalstrasse 66 wird heute offiziell eröffnet. Ein Rundgang zeigt: Was als schwierige Aufgabe eingestuft wurde, ist gelungen. Der Bau fügt sich perfekt in den Garten ein.

Die Ausgangslage war nicht einfach: Der Garten der Pension Bugatti, eines sozialtherapeutischen Wohnheims an der Tösstalstrasse 66, war etwas Besonderes. In langer Arbeit gewachsen, war er für die Bewohnerinnen und Bewohner ein Rückzugsort, in dem sie sich verweilen konnten. Ein richtiger Zaubergarten also. «Hier ein gewöhnliches, viereckiges Gebäude hineinzustellen, kam für uns nicht in Frage», erinnert sich Dario Bugatti, der Co-Leiter der Pension. Die Idee, einen Architekturwettbewerb durchzuführen, lag auf der Hand. Gewonnen hat den Wettbewerb das Architekturbüro Hopf & Wirth aus Winterthur. Die Fassade aufgebrochen Heute, drei Jahre später, ist das Projekt realisiert und überzeugt: Der Erweiterungsbau fügt sich perfekt in den Garten ein, obwohl er im Grundriss grösser ist als das Haupthaus. Das Volumen des Erweiterungsbaus sei bei der Projektierung eine der grössten Herausforderungen gewesen, erklärt Toni Wirth. Um den Bau kleiner erscheinen zu lassen, stellten Hopf & Wirth keinen Kubus in den Garten. Dafür brachen sie die Gebäudefassade durch verschiedene Aus- und Einsprünge auf. Indem Teile der Fassade rot gestrichen sind, wird die Vertikale betont. Der Rest der Holzfassade ist in Hellgrau gehalten. Die helle Farbe verschafft der Fassade eine gewisse Leichtigkeit. Durch die Umkehrung der Perspektive – oben breite Verschalungsbretter, unten schmale – wirkt der Baukörper ebenfalls weniger dominant. Für eine Verschiebung der Massstäbe sorgt auch die Gestaltung der Fenster. Im Verhältnis zu den feingliedrigen Teilflächen der Fassade wirken die Fenster relativ gross, was wiederum das Gebäude kleiner erscheinen lässt. Und: Die Fenster geben dem Haus etwas Kindliches. Den Gartenraum so weit wie möglich zu erhalten, war die zweite grosse Herausforderung. Der Erweiterungsbau wurde aus diesem Grund in den Süden des Grundstücks gesetzt. Dabei wurde auf eine Verbindung zwischen Haupthaus und Erweiterungsbau bewusst verzichtet. Das führt zwar dazu, dass die Wege für das Personal lang sind. Dafür ist zwischen Haupthaus, Ateliergebäude und Erweiterungsbau ein neuer Gartenraum entstanden. «Vorher war es ein Garten mit einem kleinen und einem grossen Haus, jetzt sind es drei Häuser mit einem Garten in der Mitte», sagt Silke Hopf. Dessen Zen­trum bilden die Eibengruppe und der Terrassenplatz mit Brunnen. Mit dem neu gestalteten Sitzplatz unter den Eiben, für den die alten Pflastersteine eingesetzt werden konnten, erhält der Garten den lauschigen Schattenplatz wieder zurück. Überhaupt wurde dar­auf geachtet, dass möglichst viel vom alten Garten erhalten werden konnte. So haben die Bewohner der Pension unter Anleitung des Winterthurer Landschaftsarchitekten Thomas Steinmann die Pflanzen ausgegraben und in Kübel platziert. Bis auf einen Busch haben alle Pflanzen überlebt und werden wieder gesetzt. Steinmann zeichnet für die Neugestaltung des gesamten Gartens verantwortlich. Nischen für die Geborgenheit Geborgenheit vermitteln und die Möglichkeit geben, sich seinen Lieblingsplatz zu suchen, war den Verantwortlichen der Pension Bugatti und dem Architektenteam bei der Gestaltung des Speisesaals wichtig. Obwohl der Raum – wie in der Projektbeschreibung gefordert – für 60 Personen Platz bietet, wirkt er wohnlich. Erreicht wird dies durch die Gliederung in verschiedenartige Nischen. Eine davon kann man nach Bedarf mit einer eine Schiebetüre schliessen. «Der Satz in der Ausschreibung, dass es keinesfalls eine Mensa geben dürfe, liess uns nach Möglichkeiten suchen, die zwar modern wirken, aber ohne riesige Glasfronten auskommen», erklärt Silke Hopf. Der Raum ist vom Innen auf das Aussen ausgerichtet. Die grossen Fenster mit der Türe in den Garten öffnen sich auf die Eibengruppe oder auf die Terrasse hin. Die kleinen Fenster sind tief platziert und öffnen den Blick in den Garten, wenn man am runden Tisch davor sitzt. «Wir wollten die kleinen Rückzugsorte des Gartens im Haus weiterführen», sagt Toni Wirth. Mitarbeit wird gefördert Auch das «Taupe», wie Valérie Bugatti, Co-Leiterin der Pension, die Wandfarbe im Speisesaal nennt, erzeugt Wärme und Wohnlichkeit. Die neue Küche ist praktisch und modern gestaltet, sodass bequem vier Leute darin arbeiten können. Die Mitarbeit der Bewohner bei den täglichen Arbeiten wird gefördert. Wie Valérie Bugatti weiter erklärt, arbeiten in der Küche und im Service immer jeweils zwei Bewohner mit einem Betreuer oder dem Koch zusammen. Im Obergeschoss gibt es vier Zimmer, ein grosses Gemeinschaftsbad und eine Terrasse, die gemeinsam genutzt werden kann. Die Zimmer sind rollstuhlgängig und von der Struktur her alle gleich. Sie unterscheiden sich nur durch die Platzierung der Fenster, die sich wie bei einem Windrad auf eine jeweils andere Seite öffnen. Das Zen­trum des Obergeschosses bildet ein kleiner gemeinsamer Aufenthaltsraum mit Sofa, der durch die Tapete den Charakter eines kleinen Wohnzimmers erhält.

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