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Ein Heimspiel für den Schweizer Film

Genf. Wir sind im richtigen Film. «L’enfant d’en haut» von Ursula Meier hat am Samstag den Preis für den besten Schweizer Film gewonnen.

In Genf hat sie das Kino entdeckt, der grosse Alain Tanner war ihr Wegbereiter. Nun hat die Regisseurin Ursula Meier in Genf für «L’enfant d’en haut» den Preis für den besten Schweizer Spielfilm erhalten, und dar­über freute sie sich sehr. «Ich bin sehr gerührt», sagte Ursula Meier am Samstag auf der Bühne im Bâtiment des Forces Mo­trices, das Ort der Gala war.

Eine Premiere: Die 16. Verleihung der Schweizer Filmpreise war die erste, die in Genf stattfand – im nächsten Jahr ist Zürich dran. Auch sonst hatte «L’enfant d’en haut», der von einer prekären Beziehung eines Geschwisterpaars in den Walliser Bergen erzählt, ein Heimspiel. Weitere Preise gingen an Kacey Mottet Klein für seine Rolle eines kleinen Skidiebs und an Antoine Jaccoud für das Drehbuch.

Durchgesetzt hat sich also der Favorit. An einem Silbernen Bären in Berlin und einer Fast-Oscarnominierung kommt auch keine Schweizer Akademie vorbei, die zuständig für das Wahlverfahren ist. Ausserdem hat Ursula Meier schon 2009 den Schweizer Filmpreis für «Home» erhalten. Leer in Genf ging «Verliebte Feinde» von Werner Swiss Schweizer aus – und auch von den sechs Nominationen für Marcel Gislers «Rosie» blieb am Ende nur ein Bester-Darstellerin-Preis für Sibylle Brunner, sie spielte die Rolle einer alten Frau, die nicht ins Heim will.

Grosse Erwartungen

Klar sind die Verhältnisse auch anderenorts. «More than Honey» von Markus Imhoof ist der Gewinner in der Kategorie des Dokumentarfilms. Dazu wurde die Filmmusik von Peter Scherer ausgezeichnet. Schon mehr als zweihunderttausend Menschen haben dieses Werk, das vom Sterben und Überleben der Bienen erzählt, in Schweizer Kinos gesehen – und auch im Ausland hat «More than Honey» einen grossen Erfolg. «Wenn man gar nichts mehr erwartet. kommt es am besten», sagte Markus Imhoof.

Gegen seine Dok-Bienen schlugen sich die Dok-Schafe in «Hiver Nomade» recht wacker. Der Film erhielt die Preise für die beste Kamera (Camille Cottagnoud) und die Montage (Karine Sudan) – in der Schweiz tut sich also aktuell kein Quartz-Graben auf, so schwer die Auszeichnung auch wiegt.

Im letzten Jahr hat Rolando Colla den Preis für den besten Spielfilm («Gioc­chi d’estate) bekommen, jetzt gewinnt sein Kurzfilm «Einspruch VI» einen Quartz. Unglücklich war ein bisschen die Konstellation bei der Preisverleihung. Auf der einen Seite kniet der Süper-Immigrant-Komiker Müslüm, der eine jämmerliche Hundenummer abzieht, auf der anderen steht Colla, der vom Elend von abgewiesenen Asylbewerbern sprechen will. Der Regisseur nimmt sich dann den ihm gebührenden Raum, alles ist eine Frage der Haltung. «Man muss Filme machen, auch wenn sie nur wenig bewegen können.»

Von den Rändern der Gesellschaft berichten auch die Brüder Frédéric und Samuel Guillaume in «La nuit des ours», sie gewinnen den Preis für den besten Animationsfilm. Und da ist man mit dem Reigen des Best-of-Programms schon durch.

Der Traum von mehr

Die Gala ist aber immer ein bisschen mehr, sie zeigt auch das Selbstbild des Schweizer Films. Schön gemacht à la Oscarverleihung in Hollywood war die Erinnerung an die Künstler, die nicht mehr unter uns sind: Im letzten Jahr starben Maria Becker, Walo Lüond, Walter Roderer. Anrührend auch die Hommage an Jacqueline Veuve, die den Ehrenpreis bekam. In solchen Momenten zeigte der Abend wirkliche Grösse. Und auch der Akademie-Präsident Christian Frei spricht davon, dass die nächste Verleihung der Schweizer Filmpreise noch ein bisschen länger werden könnte: Zu den bisherigen zehn Kategorien soll noch eine dazukommen.

Genf rückte am Samstag ins Zen­trum des Schweizer Films. Aber auch die Zürcher konnten zuschauen, wenn sie die Fahrt ans andere Ende der Schweiz scheuten. Erstmals wurde ein Live-Videostream eingerichtet.

Man sah, wie die Schauspielerin Fabienne Hadorn zusammen mit dem Journalisten Alain Croubalian durch den Abend führte: manchmal anzüglich, dann wieder eleganter, einmal mit Distanz zur Sache, was als Ironie ausgelegt werden könnte, zum anderen manchmal recht privat, als sei der Abend eine Familienaffäre. Man sah auch einen Hund, den alle Jamie Lee nannten, er brachte die Couverts mehr oder weniger auf die Bühne. Mit diesem Running Gag machte sich der Schweizer Film ganz klein. Und einmal wollte Fabienne Hadorn das Couvert – hopsala – gleich selber öffnen.

Natürlich waren die Stars der Szene auch dabei, unter anderem Anatole Taubman, der einmal eine kleine Rolle in einem Bond-Film hatte. Besser setzte sich Bundesrat und Kulturminister Alain Berset in Szene. Und weil alles so schön war, machte er für die anderen auf Twitter gleich ein Bild.

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