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Ein kleines Haus weckt grosse Träume

Gestern war die erste Besichtigung des kleinsten Hauses der Altstadt. Die Pläne und Ideen der Interessenten sind vielfältig. Einzelne behalten das Bijou schon seit mehreren Jahrzehnten im Auge.

Um es gleich vorwegzunehmen: Das kleinste Einfamilienhaus Winterthurs ist es nicht, das zweistöckige 33-Quadratmeter-Haus mit Minigärtchen an der Neustadtgasse. Im Inneren Lind steht ein 1-Zimmer-Pendant, das Waschhäuschen des ehemaligen Herrschaftshauses Jakobsbrunnen. Dort richtet man sich auf 21 Quadratmetern ein. Die Winterthurer Immobilienunternehmerin Catherine Rudolf hat es umbauen lassen. Sie sammelt solche «Liebhaberobjekte» in der Stadt. «Es ist wichtig, dass diese kleinen Perlen erhalten bleiben», sagt sie. Deshalb wird sie für das Haus mitbieten, für das die Stadt als Besitzerin den Mindestpreis von 220 000 Franken festgelegt hat. Erhält sie den Zuschlag, vermietet sie es für rund 1000 Franken pro Monat an Studenten. Die Glut ist nie erloschen «Vom Kleinen fasziniert» ist auch eine Interessentin, die über beide Backen strahlt, als sie eintritt. «Vor über 40 Jahren habe ich mich in dieses Haus verliebt», sagt die ehemalige Handweberin, die in Winterthur aufgewachsen ist. Immer wieder habe sie beim Vorbeigehen geguckt, ob es wohl frei würde. «Und nun ist es von innen noch schöner, als ich es mir vorgestellt hatte», sagt sie. Viel Platz zum Leben brauche sie nicht. Sie wohnt in einem Zirkuswagen auf dem Land, im Garten vor dem Haus ihres Mannes. Ungleich mehr umstellen müsste sich Karin Fumagalli. Noch teilt sie sich mit ihrem Mann eine 6½-Zimmer-Maisonettewohnung. «Ich übe mich derzeit im Loslassen», sagt sie und lacht. Schon länger strecke sie die Fühler nach einem neuen «Nest in der Altstadt» aus. Der Charme und die «positive Ener­gie­» des Hauses haben die Naturheilerin restlos überzeugt. Den Entscheid zumindest überschlafen will ein Pendler aus Schaffhausen, der mit seiner Frau gekommen ist. «Ein bisschen grösser habe ich es mir schon vorgestellt», sagt er. Seine Befürchtung, das Haus könnte knarren und hellhörig sein, bestätigt sein Messgerät aber nicht. Ganz mit dem Geiste der Zeit ginge Roberto Tani. Er würde das Haus auf dem Online-Übernachtungsportal Airbnb ausschreiben und an Touristen vermieten. Wie eine Künstlerin, die hier ihr Atelier einrichten würde, befürchtet er aber, dass der Preis seine Schmerzgrenze knacken wird: «Sind die 300 000 überschritten, bin ich nicht sicher, ob es sich noch lohnt.» Gar die Zürcher horchen auf Auch eine deutsche Architektin dämpft angesichts der Konkurrenz ihre Euphorie. Sie sucht schon länger nach solch «interessanten Objekten» und wäre bereit, nach zwölf Jahren in Zürich nach Winterthur zu ziehen. Die meisten Interessenten haben sich das Haus grösser vorgestellt. «Mir ist es hier definitiv zu eng», sagt eine Mittfünfzigerin und schwingt sich wieder aufs Velo. Sie ist eine von zwei, die dem Traum von Minihaus abgeschworen haben. Nach den 20 Interessenten von gestern erwartet der Makler Matthias Aeppli diese Woche rund 30 weitere. Wer bis zum Schluss mitbieten will, kann bis Ende August sein Angebot nochmals anpassen. «Danach wird rein wirtschaftlich entschieden», sagt er. Den Zuschlag vom Stadtrat erhält der oder die Höchstbietende.

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