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Ein knapper Sieg als Mahnung

kommentar

von David Herter

Die Wiederwahl von Felix Müller ist eine Überraschung und doch keine. Die Kritik aus den Reihen von Eltern und Lehrpersonen, die ihm aus Leserbriefen und an Podien entgegenbrandete, war massiv. Bemängelt wurden Müllers Führungs- und Kommunikationsstil sowie Entscheide zur künftigen Organisation der Brühlbergschule. Auch wer nicht Mutter oder Vater einer Schülerin oder eines Schülers ist, konnte den Eindruck gewinnen, ­Müller habe so ziemlich alles falsch gemacht, was er habe falsch machen können. Als sich dann zuerst die bis­herige Präsidentin der Schulpflege Töss als Gegenkandidatin aufstellen liess und überraschend noch ein dritter Anwärter auftauchte, glaubte man die Tage Müllers als Präsident gezählt.

Es ist anders gekommen. Müller hat die Wiederwahl direkt geschafft und einen – für ihn viel riskanteren – zweiten Wahlgang vermeiden können. Er darf das als Zeichen nehmen, auch gute Arbeit geleistet zu haben. Mehr allerdings als über die Stimmung pro oder kontra Müller sagt das Resultat aus über den Vorteil, auf der vorgedruckten Liste aufgeführt zu sein. Bea Schläpfer und Dominik Scherrer waren das nicht, weil sie sich zu spät für eine Kandidatur entschieden. Wie gross Schläpfers Nachteil war, zeigt sich in Töss, wo sie zwölf Jahre lang Präsidentin war. Selbst «zu Hause» erhielt Schläpfer 300 Stimmen weniger als Müller. Und dies, obwohl in Töss keine Kritik an der Präsidentin bekannt oder zumindest laut wurde.

Müller liegt dar­um richtig, seinen Sieg nicht zu feiern. Der knappe Vorsprung auf das absolute Mehr und der grosse Rückstand auf die anderen Schulpfleger sollten ihm eine Mahnung sein. Er muss offensiver kommunizieren und umstrittene Geschäfte frühzeitig zur Diskussion stellen. Auch im eigenen Interesse, damit die Stimmberechtigten entscheiden können, ob Kritik an seinen Entscheiden aus sachlichen Gründen oder aus einer persönlichen Unzufriedenheit erfolgt. Eine Lehre sein muss die Wahl aber auch für Gegen- und Sprengkandidaten. Wer seine Ambitionen zu spät bekannt gibt, hat auch gegen einen angeschlagenen Präsidenten keine Chance.

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