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Ein Kolumbianer sieht rosa

Val Martello. Nairo Quintana gewann die Königsetappe des Giro d’Italia und entthronte Leader Rigoberto Uran.

Im letzten Jahr hatte Nairo Quintana seine Qualitäten am Berg in der Tour de France eindrücklich offenbart. Der 24-jährige Südamerikaner holte sich 2013 überlegen die Bergpreis-Wertung und im Gesamtklassement belegte er schliesslich – geschlagen nur von Chris Froome – Platz 2. Der Brite kon­zen­triert sich erneut auf die grosse Rundfahrt in Frankreich, doch Quintana schob sich nun in Italien in eine ideale Position, um bei seiner ersten Giro-Teilnahme gleich auch Gesamtsieger zu werden.

Nach der Vorstellung vom Dienstag und angesichts des restlichen Programms scheint es wenig wahrscheinlich, dass Quintana noch abgefangen wird. Als Fünfter, mit 2:40 Minuten Rückstand auf Leader Uran, war Quintana zur 16. Etappe in Ponte di Legno gestartet, doch nun liegt er als Träger der Maglia rosa 1:41 Minuten vor seinem Landsmann. Der Australier Cadel Evans befindet sich als neuer Dritter gar 3:21 Minuten hinter ihm.

Lediglich 139 km war der Abschnitt lang, der die Fahrer ins Val Martello oder ins Martelltal führte. Doch zwischen Start und Ziel lagen der gefürchtete Gavia-Pass und das Stilfserjoch, bevor es in die 22,4 km lange Schlusssteigung ging. Nicht weniger als 4387 Höhenmeter galt es zu erklimmen. Hinzu kamen erschwerend die extremen äusseren Bedingungen. Kälte, Regen und teils gar Schneefall begleiteten die Fahrer über die einzigen drei Berge an diesem Giro, die über 2000 m über Meer lagen. Im letzten Jahr war die genau gleich angesetzte Etappe bei noch widrigerem Wetter abgesagt worden, diesmal aber gab es kein Pardon.

Quintana lancierte seinen Angriff auf ungewohntem Terrain. Der Kolumbianer attackierte in der Abfahrt vom Stelvio, mehr als 50 km vor dem Ziel. Die Rennleitung hatte zunächst eine Neu-tralisation kommuniziert, korrigierte später den Entscheid und beliess es dann aber bei der Aufforderung, die Abfahrt mit der nötigen Vorsicht anzugehen. Quintana schien diese Warnung nicht zu beeindrucken, womit er einige polemische Kommentare auslöste. Im Ziel verteidigte er sich gegen den Vorwurf, die Si­tua­tion ausgenutzt zu haben: «Ich wollte eigentlich gar nicht attackieren. Ich bin einfach dem Vordermann gefolgt. So tat sich eine Lücke auf.»

Gelände für den Leader

In einer zunächst grösseren Gruppe setzte er sich von Uran und den übrigen Anwärtern auf den Gesamtsieg ab. Mit 1:45 Minuten Vorsprung auf die Gruppe mit der Maglia rosa ging Quintana zusammen mit dem Kanadier Ryder Hesjedal und dem Franzosen Pierre Rolland in die 22,4 km lange Schlusssteigung. In der baute das Führungs-Trio seinen Vorsprung stetig aus. 5 km vor dem Ziel musste Rolland abreissen lassen, Hesjedal, der Giro-Gesamtsieger von 2012, verlor beim letzten Kilometer den Kontakt zu Quintana, der schliesslich mit acht Sekunden Vorsprung seinen ersten Etappensieg am Giro einfuhr und sich auch erstmals die Maglia rosa überstreifen lassen durfte. Seine unmittelbaren Gegner distanzierte er um dreieinhalb Minuten und mehr. Rigoberto Uran büsste gar über vier Minuten ein, Cadel Evans fast fünf.

Selbstverständlich war das nicht. Quintana war in der ersten Woche eines der vielen Sturzopfer gewesen, danach kämpfte er sich erkältet über die Runden. Doch nun hat der lediglich 1,67 m grosse Berg-Floh aus dem spanischen Movistar-Team mit einem Schlag das Kommando übernommen.

Wer soll ihm noch gefährlich werden? Die Etappe vom Mittwoch führt über einen welligen und nicht allzu schweren Parcours, dann aber findet Quintana gleich drei weitere Mal ein Gelände vor, auf dem er sich nicht zu fürchten braucht. Zwei schwere Schlusssteigungen stehen am Donnerstag und am Samstag auf dem Programm, dazwischen gibt es am Freitag ein 26,85 km langes Berg-Zeitfahren. Am Sonntag geht der 97. Giro mit einer flachen Etappe nach Triest zu Ende – mit dem mutmasslich ersten Gesamtsieger aus Kolumbien. (si)

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