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Ein Kristall und eine unkonventionelle Idee

Die Pläne für das neue Busdepot Grüzefeld versprechen einen Bau mit kristalliner Wirkung. Das alte Depot am Deutweg soll weg – doch ein Hochhaus auf Stelzen könnte das Denkmal noch retten.

Das Baugesuch für die Erweiterung des Busdepots Grüzefeldstrasse liegt jetzt auf. Die Pläne der BDE-Architekten aus Winterthur zeigen einen Bau, der das Volumen des bestehenden Depots verdoppeln wird. Er bietet Platz für 64 Busse unterschiedlicher Länge, für Spenglerei und Lackiererei sowie für Büros, die ein «Haus im Haus» bilden. Die Architekten planen, die Fassade und das Sheddach mit polierten Chromstahlblechen in Dreiecksform zu gestalten. Das soll dem grossen Gebäude eine «leichte und kristalline Wirkung» geben. Diese könnte sich noch verstärken durch Warmwasser- und Fotovoltaikkollektoren auf dem fabrikartigen Sheddach. Es ist so ausgelegt, dass die Kollektoren in optimalem Winkel zur Sonne stehen, aber nicht vom nächsten Spitz beschattet werden. Aus dem Baugesuch geht hervor, dass die Grenzwerte der Lärmschutzverordnung nicht überschritten werden und dass die Zahl der Mitarbeiter-Parkplätze von heute 250 auf 150 reduziert wird. Die neue Zahl ist gleichwohl das Maximum dessen, was gemäss geltender Wegleitung dort möglich ist. Die städtische Rechnung wird durch den Neubau und die Sanierung des bestehenden Depots Grüzefeldstrasse nicht belastet. Der ZVV hat sich verpflichtet, die Kosten bis 35,9 Millionen Franken zu begleichen. Die Stadt muss ihrerseits 7,5 Millionen beisteuern. Diesen Betrag will sie erzielen, indem sie das Depot Deutweg abreisst, das Areal zur Wohnzone macht und an Genossenschaften verkauft. Diese sollen dann dort neue Wohnungen im tiefen und mittleren Preissegment bauen. Schön, aber nicht schutzwürdig Schon als diese Pläne bekannt wurden, formierte sich eine Oppositionsgruppe, die das alte Depot Deutweg erhalten will. Nun, da die Pläne immer konkreter werden und der Abbruch immer unabwendbarer scheint, hat die Gruppe ihre Bemühungen nochmals intensiviert. Sie hat sich, nachdem der Stadtrat eine Unterschutzstellung nicht in Betracht gezogen hatte, das Gutachten der kantonalen Denkmalschutz-Kommission besorgt. Diese findet zwar fast nur lobende Worte für alle Bauetappen des einstigen Tramdepots. Für den Eisenbetonskelettbau von 1914, für die Erweiterung von 1930 im Stil des neuen Bauens und den Verwaltungstrakt von 1960. Doch trotz all dieser «wichtigen kultur- und architekturhistorischen» Schönheiten könne dem Depot «keine überkommunale Zeugenschaft zugesprochen werden». Was bedeutet: Wenn die Stadt die Gebäude nicht schützt, werden sie geschleift. Dass dies womöglich 2014 passiert, wenn das Tramdepot exakt hundertjährig würde, ist die bittere Ironie der Geschichte. Wohnhochhaus statt Vorplatz Die «IG Busdepot Deutweg» kämpfte bisher im Gegenwind mit nur wenig Echo. Denn bezahlbare Wohnungen an guter Lage sind ein gutes Argument. Das sehen auch die IG-Leute so und verbinden nun deshalb ihre Ideen mit jenen der Stadt. Das Depot soll wenigstens teilweise stehen bleiben und neu genutzt werden. Als Ateliers für Kreative, als öffentlicher Raum für das Quartier, als Mittelpunkt des Stadtkreises Mattenbach, der kein Zen­trum hat. Um gleichwohl Wohnraum zu schaffen, hat der Architekt Hannes Moos, der zur Gruppe gehört, eine ungewöhnliche Idee skizziert: Auf dem grossen Vorplatz des Depots sieht Moos ein 12-geschossiges Wohnhaus auf Stelzen. Auch anstelle des Hallenflügels an der Talgutstrasse liesse sich ein höheres Wohngebäude realisieren. So verwegen die Idee tönt, so bestechend ist sie in vielen Belangen. Die Wohnungen wären quartierseitig gut besonnt und würden strassenseitig als Riegel wirken. Und exakt im Kreis Mattenbach wagte Winterthur einst die ersten Versuche mit Wohnhochhäusern. Die IG hat diese Ideen allen Mitgliedern des Gemeinderats zugestellt und um einen Marschhalt in der Zonenzuteilung gebeten, «um die Zukunft des Areals zu überdenken». Das Quartier erhalte so «einen urbanen Akzent», und «Winterthur könnte sich profilieren als Stadt mit intelligenten Lösungen».

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