The Take

Ein Land auf der Suche nach seiner Identität

In «Black Panther» muss sich die fiktionale Nation Wakanda schwierige Fragen stellen. Marvels erster Film mit schwarzem Superhelden ist sein politischster.

Black Panther, das Alter Ego von König T'Challa, beschützt seine Heimat Wakanda.

Black Panther, das Alter Ego von König T'Challa, beschützt seine Heimat Wakanda. Bild: Imdb

Zehn Jahre nach dem Start des Marvel Cinematic Universe mit dem ersten Iron Man Film, hat Marvel erstmals einen Superhelden am Start, der nicht ein weisser Mann ist. T’Challa ist der Prinz der fiktiven afrikanischen Nation Wakanda. Nach dem Tod seines Vaters - gesehen im Film «Captain America: Civil War» (2016) - besteigt T’Challa (Chadwick Boseman) den Thron. Gleichzeitig nimmt er auch den Mantel des Black Panthers auf, des Beschützers von Wakanda.

Wie zu Beginn erklärt wird, landete vor Hunderten von Jahren ein Meteorit im Gebiet, dass einst Wakanda werden sollte. Der Meteorit war aus Vibranium, dem stärksten Material im ganzen Universum. Das Metall floss in die Umwelt ein und veränderte sie stark. Der König von Wakanda erhält Kraft, Schnelligkeit und schärfere Instinkte durch eine von Vibranium gespiesene Blume - er wird zum Black Panther. Gleichzeitig hat das Land durch Vibranium einen unglaublichen technologischen Vorsprung auf die gesamte übrige Welt, es ist eine hochtechnologisierte Nation. Allerdings versteckt sie ihre Fähigkeiten vor dem Rest der Welt, welche annimmt, dass Wakanda ein verarmtes, rückständiges Land ist.

Als T’Challa den Mantel des Königs aufnimmt, muss er sich mit den Konsequenzen der Entscheidungen seines Vaters auseinandersetzen. Er macht Jagd auf Ulysses Klaue (Andy Serkis), der vor 30 Jahren Vibranium aus Wakanda gestohlen hat. Dabei erfährt er, dass sein Vater nicht immer der perfekte König war und muss entscheiden, was für eine Art von Herrscher er selbst sein wird. Dabei wird er von Killmonger (Michael B. Jordan) herausgefordert, der klare Vorstellungen davon hat, wie er mit den Waffen Wakandas die Welt umgestalten kann.

Eine lebendige Kultur

Wakanda ist die Fantasie eines von europäischen Kolonialmächten unberührten Landes. Die Landschaft ist nicht von Raubbau zerstört und die Hauptstadt wirkt beinahe futuristisch, ist aber dennoch als afrikanisch erkennbar. Überhaupt vermag der Film visuell zu überzeugen. Die verschiedenen Stämme Wakandas tragen alle ihre spezifischen Kleider, auch sie eine Mischung aus Tradition und Moderne. Die Dora Milaje, die rein weibliche Prätorianergarde des Königs, trägt wunderbare rote Uniformen, alle mit kahlgeschorenem Kopf. Sogar die Gestik ist spezifisch, zum Beispiel das Kreuzen der Arme vor der Brust, als Gruss und Ehrenbezeugung. Die Musik, komponiert von Ludwig Goransson setzt auf afrikanische Rhythmen und Instrumente. Durch all diese Details wird Wakanda als eine eigenständige, lebendige Kultur fassbar. Dazu gehört auch die Bedeutung, welche die Frauen einnehmen: Sie sind Generäle, Wissenschaftler und Anführer. Insbesondere Danai Gurira als General Okoye, Anführerin der Dora Milaje, ist eine Wucht: wie eine wütende Kriegsgöttin rauscht sie über die Leinwand, um König und Land zu beschützen.

General Okoye (Danai Gurira) und ihre Dora Milaje.

Während die Welt von «Black Panther» überzeugend dargestellt wird, ist der Plot schwächer. Erst in der zweiten Hälfte dreht er so richtig auf, als Killmonger die grosse Bühne betritt. Auch in seiner dritten Kollaboration mit Regisseur Ryan Coogler bringt Michael B. Jordan eine wahnsinnige Energie auf die Leinwand. Er vermag den Hass und die Leidenschaft, die Killmonger antreiben mit wenigen Gesten klarzumachen. Doch seine Storyline kommt eben erst in der zweiten Hälfte so richtig zum Tragen und kommt somit zu kurz.

Ryan Coogler hat für den Film ein richtiges Who’s Who an afro-amerikanischen und afrikanischen Schauspielern zusammengesucht. Neben Boseman, Jordan und Gurira sind da etwa Angela Bassett, Forest Whitaker, Lupita Nyong’o, und Daniel Kaluuya. Doch leider bleiben einige der Charaktere ein wenig blass, vor allem weil sie zu wenig vorkommen. Der Film hat insbesondere zu Beginn Mühe einen Rhythmus zu finden, das Timing der flappsigen Sprüche lässt beispielsweise zu wünschen übrig.

Das Stück «Wakanda» aus dem von Ludwig Goransson komponierten Soundtrack.

Dies mag auch etwas mit der unglücklichen Entscheidung zu tun haben, alle Charaktere aus Wakanda Englisch mit einem afrikanischen Akzent sprechen zu lassen. Es ist eine Hollywoodtradition, dass nicht-englischsprachige Personen untereinander Englisch mit Akzent sprechen, um zu zeigen, dass sie sich in ihrer Muttersprache unterhalten. Doch in «Black Panther» sprechen die Wakander teilweise die südafrikanische Sprache isiXhosa untereinander, nur um dann wieder ins Englische - welches dadurch spezifisch als solches gekennzeichnet ist - zu verfallen. Somit kann das Englisch nicht für ihre Muttersprache stehen. Hinzu kommt, dass sie als Land ohne koloniale Vergangenheit wohl kaum die Sprache fremder Herrscher sprechen würden.

Öffnung oder Abschottung

«Black Panther» ist ein politischer Film in zweierlei Hinsicht. Einerseits geht es wie gesagt um die Frage, wie Wakanda sich zum Rest der Welt stellen soll. Bis anhin hat die Nation ganz auf Abschottung gesetzt. Es werden keine Flüchtlinge aufgenommen, und Wakanda mischt sich nicht in die Angelegenheiten der Welt ein. Nur wer gebürtiger Wakander ist - gekennzeichnet durch durch eine Markierung in der Mundhöhle - darf ins Land. T’Challa muss sich nun fragen, ob das der richtige Kurs ist, oder ob eine Öffnung besser wäre. Und wenn sich die Nation künftig in das Weltgeschehen einmischen will, in welcher Form? In diesen Fragen ist unschwer die gegenwärtige amerikanische Politlandschaft zu erkennen, mit dem Twist, dass es diesmal die nicht-weissen Personen sind, die ihre Grenzen schliessen und ein ethnisch homogenes Land bewahren wollen.

Erik Killmonger (Michael B. Jordan) hat Pläne für Wakanda.

Der zweite politische Aspekt ist auf der Metaebene. Black Panther ist der erste schwarze Superheld mit seinem eigenen Film. Der Regisseur ist schwarz, der Cast ist grösstenteils schwarz. Ein Teil der Musik wurde von Kendrick Lamar geschrieben und produziert. Zu Recht wird das als Meilenstein gefeiert: Repräsentation ist wichtig. Insbesondere auch in den 1960er Jahren, als Black Panther zum ersten Mal in den Comics auftrat. Es war die Zeit der Bürgerrechtsbewegung. Zudem erinnert der Name an die militante Black Panther Party, die damals aktiv war. Ein solcher Film ist aber auch heute von grosser Relevanz, denn afro-amerikanische Personen sind in der amerikanischen Medienlandschaft immer noch unterrepräsentiert.

Doch sollte nicht vergessen gehen, dass es in diesem amerikanischen Film eben auf der Ebene des Plots nicht um Amerika und seinen Umgang mit dem schwarzen Teil seiner Bevölkerung geht. Es ist wie gesagt die Fantasie eines unberührten Landes, das sich nicht mit den Erfahrungen von Sklaverei und Kolonialismus herumschlagen muss: Ein Land, das bei niemandem Schuldgefühle auslösen muss. Daher ist der Film nicht wirklich eine Auseinandersetzung Amerikas mit sich selbst, die Zelebration schwarzer Kultur wird ausgelagert. Aber dennoch ist «Black Panther» ein Schritt in die richtige Richtung, der hoffen lässt, dass bald ein schwarzer amerikanischer Superheld seinen grossen Auftritt hat.

Erstellt: 17.02.2018, 18:33 Uhr

Artikel zum Thema

Der Spoiler: Spielverderber oder Motivator?

The Take The Take-Bloggerin Olivia Tjon-A-Meeuw hasst es wenn Filme oder Serien im Netz gespoilert werden. Onlinechef Martin Steinegger sieht das anders. Ein Pro und Kontra. Mehr...

Ein beinahe aussergewöhnlicher Western

The Take Die Westernserie «Godless» überzeugt mit atemberaubenden Aufnahmen. Mit ein wenig Mut wäre sie ein herausragendes Fernseherlebnis geworden. Mehr...

Harry, Sally und Silvester

The Take Die Silvesternacht ist voller Emotionen und Spannung. Nirgends sieht man dies besser als im Film «When Harry Met Sally», der mit der besten aller Silvesterszenen punktet. Mehr...

ZSZ-Redaktorin Olivia Tjon-A-Meeuw liebt Kinosäle, steht zu ihrer Netflix-Sucht und hasst nichts so sehr wie Spoiler. An dieser Stelle bloggt sie über ihre Leinwand- und Streaming-Erlebnisse und bewertet Filme und Serien.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.

Kommentare