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Ein nächstes Zeichen setzen

Im Heimspiel gegen den FC Chiasso kann der FCW ein weiteres Signal für einen guten Start senden. Die Tessiner sind allerdings noch ungeschlagen.

Das 4:0 gegen Wil war eine in nahezu jeder Beziehung erfreuliche Vorstellung des FCW. Es folgte das 1:2 in Lugano, in einem Spiel, das nach dem Platzverweis für Gianluca D’Angelo schon nach einer halben Stunde für weitere Schlussfolgerungen ungeeignet war. Der Match heute gegen Chiasso ist also die Gelegenheit, mehr übers wahre Leistungsvermögen des FCW unter seinem neuen Trainer zu erfahren. Mit dem Ziel natürlich, sich nach einer Bestätigung der Leistung gegen Wil auf gutem Weg fühlen zu dürfen.

Jürgen Seeberger muss seine Mannschaft umstellen, weil D’Angelo gesperrt ist. Er stellt sie dar­über hinaus freiwillig um, weil er den Captain Stefan Iten mittlerweile wieder für einen Start für geeignet hält.

Itens Rückkehr, Ciceks Chance

Im zentralen Mittelfeld werden wieder Patrik Schuler und Antonio Marchesano beginnen – wie beim 4:0 gegen Wil, als D’Angelo ja auch schon gesperrt war. Auf der linken Flanke erhält Tunahan Cicek seine Chance, weil Kris Kuzmanovic ja nicht mehr da ist und Marchesano in der Mitte aushilft. Cicek steht zum dritten Mal in der Startelf, die zwei Auftritte im Frühjahr waren jeweils nach rund einer Stunde zu Ende.

Stefan Iten wiederum kehrt nicht im Mittelfeld, wo er zuletzt seine Teileinsätze absolvierte, ins Team zurück, sondern im Abwehrzentrum. Er übernimmt den Posten des Nachwuchsmanns Manuel Akanji, der nach dem starken Match gegen Wil in Lugano eine schwache Startphase hinlegte. Dann fand er nach rund einer halben Stunde zwar wieder gut ins Spiel, aber er war zu Beginn der Woche auch krank.

Der Neue aus Osttirol

Neun Mann stehen also im dritten Match zum dritten Mal in der Startelf. Das gilt auch für den Torhüter Matthias Minder. Einen Neuen gibts dafür auf der Bank, denn dort sitzt erstmals der Österreicher Marco Köfler (Bild). Der knapp 24-jährige Linksfuss, der in seiner Heimat vorwiegend Verteidiger spielte, für Seeberger aber auch für die offensivere Rolle auf der linken Flanke in Frage kommt, stammt aus Matrei in Osttirol. Mit 15 schon ging er nach Niederösterreich in eine Fussballschule und spielte dann bald einmal für Waidhofen an der Ybbs in der (drittklassigen) Regionalliga Ost.

Der Tiroler Traditionsklub Wacker Innsbruck war dann erste Profistation. Dort spielte Köfler zuerst im «Zwei» in der Regionalliga West, im Frühjahr 2011 debütierte er in der Bundesliga und schoss schon nach wenigen Minuten das Tor zum 1:1 gegen Ried. Aber in den folgenden zwei Saisons brachte er es nur auf 13 Einsätze in der Bundesliga. «Acht- oder neunmal spielte ich von Anfang an», sagt er, «aber immer wieder war ich nach zwei, drei Spielen verletzt.» Zwischendurch fiel er mal gar sechs Monate aus. Also gelang der Durchbruch bei Innsbruck nicht. Im Sommer 2013 wurde der Vertrag aufgelöst, Köfler ging zum Kapfenberger SV in die 1. Liga, die zweithöchste Klasse. Innsbruck zahlte allerdings weiterhin die Hälfte des Gehalts, denn die Kapfenberger spielten zwar bis vor zwei Jahren in der Bundesliga, haben seither aber immer weniger Geld zur Verfügung.

Zu den besseren Teams der «Challenge League Österreichs» gehörten die Kapfenberger aber doch, mit Köfler als absoluter Stammkraft. Sein Vertrag lief aus. Er begann zwar die Vorbereitung auf die neue Saison bei den Steirern, musste bei den Verhandlungen dann aber feststellen, dass deren Sparkurs keine Einigung zuliess. Über «zwei, drei Ecken», wie er sagt, kam der Kontakt zum FCW zustande. Und nach drei Trainingstagen in der vergangenen Woche erhielt er den Vertrag über ein Jahr mit der Option auf ein weiteres.

Er habe, gibt er zu, wenig gewusst über den Schweizer Fussball oder den FCW. Aber er gehe davon aus – und damit hat er sicher recht –, dass das Niveau der zweithöchsten Ligen in Österreich und der Schweiz sehr vergleichbar sei. Also wird das Niveau des Kapfenberger SV etwa jenes des FCW sein. Diesen Eindruck bestätigten Köfler die Trainings, was also auch heisst: Der ehemalige Kapfenberger Stammspieler wird nicht zu schlecht sein für den FCW. Für mehr als einen Teileinsatz reicht es allerdings allein schon wegen des Trainingsrückstands nicht: «In der Verfassung für 90 Minuten bin ich nicht, dafür brauche ich noch ein bisschen Zeit.»

Ein zweiter Neuer auf der FCW-Bank ist heute Manuel Klökler (40), der gestern seinen Dienst als Assistenztrainer antrat. Er ist Konstanzer wie sein Chef Seeberger, hat aber sehr wohl Erfahrung mit dem Schweizer Fussball. Er war beim FC Schaffhausen zuerst Assistent seines Landsmanns Fabian Müller und danach auf der Breite und in Aarau zwei Jahre Partner René Weilers.

Regazzonis Penaltys

Den Gegner aus Chiasso hat Seeberger schon spielen gesehen, am vergangenen Sonntag in Biel, als er dank eines Elfmetertores Alberto Regazzonis 1:0 siegte. Einem Penalty Regazzonis verdankten die Tessiner zuvor schon das 1:1 gegen Le Mont. Der Aufsteiger führte in Chiasso bis zur 96. Minute, dann beging sein Torhüter ein Foul im Strafraum. Regazzoni hatte die Nerven, jenen Elfmeter gleich zweimal zu verwerten. Denn sein – geglückter – erster Versuch wurde nicht anerkannt, weil Teamkollegen zu früh in den Strafraum gestartet waren.

Der mittlerweile 31-jährige Regazzoni gehört als Mann auf der linken Flanke zu jener Hälfte in der bisherigen Stammbesetzung des Trainers Gianluca Zambrotta, die schon im Frühjahr in Chiasso spielte. Die andere Hälfte ist neu, stammt aus dem St. Galler Nachwuchs wie Nicolas Lüchinger und Marco Franin oder vom Absteiger Locarno wie Mariano Hassell und Michele Monighetti. Mittlerweile qualifiziert ist auch der Stürmer Zoran Baldovaliev (31), ein mazedonischer Altinternationaler, der auch einen bulgarischen Pass hat. Und für den die Schweiz schon das neunte (oder gar zehnte?) Land ist, in dem er Fussball spielt. Zuletzt stieg er mit Kerkyra (Korfu) in Griechenlands 1. Division auf.

In Chiasso denken sie, ein Kader zu haben, das gut genug ist für einen sicheren Platz in der Challenge League – das also nicht so lange um den Klassenerhalt zittern muss wie im Frühjahr. Zambrotta, als italienischer Weltmeister 2006 nicht nur im Tessin ein prominenter Mann, ist gegen den FCW übrigens noch ungeschlagen: Mit einem Sieg und zwei Unentschieden seit vergangenem Dezember. hjs

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