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Ein neues Reich für den «Froschkönig»

Er sieht aus wie ein unscheinbarer Teich, ist aber ein wichtiger Lebensraum für die bedrohte Geburtshelferkröte. Im Kyburger Schlossgraben ist im Rahmen des Projekts Glöggli­frosch ein neues Laichgewässer entstanden.

Bereits im 16. Jahrhundert war er auf dem Schlossareal der Kyburg zu vernehmen. Ein heller und klarer Ruf wie das Bimmeln eines Ziegenglöckchens, der seinem Besitzer im Volksmund auch den Namen «Glögglifrosch» eingebracht hat. Die Geburtshelferkröte, wie die Art korrekt heisst, hat im Schlossgraben einen idealen Lebensraum gefunden: ein lockerer, feuchter Boden, um sich einzugraben, und aufgeschichtete Steine, wo sich das nachtaktive Tier tagsüber verstecken kann. Doch das Habitat der Kröte war in den letzten Jahren zusehends bedroht. Zwar wurde 2001 im Schlossgraben hinter dem Restaurant Hirschen ein kleiner Teich erstellt. Die Kunststofffolie dar­un­ter ist in den letzten Jahren allerdings wasserdurchlässig geworden. «Wir hatten langsam das Gefühl, es werde kritisch», sagt Doris Kelpe, Gemeinderätin und Präsidentin der Naturschutzkommission Kyburg. Die Winterruhe, die die kleine Kröte von Oktober bis März einlegt, schien deshalb die perfekte Gelegenheit für die Aufwertung des Krötenreichs. Ursprünglich bereits auf Januar geplant, konnte die Arbeit wegen des starken Schneefalls allerdings erst in den letzten Tagen in Angriff genommen werden. Mehr Spalten und flache Stellen Der kleine, neue Weiher sollte den Bedürfnissen der Kröte gerecht werden, aber auch dem Wetter standhalten können. Damit er im Sommer nicht austrockne, müsse er mindestens einen halber Meter tief sein, sagt Jürg Hofmann, der das Projekt gärtnerisch betreut. Zwei Gärtner haben mit einem kleinen Bagger, der auf einer Rampe über die steile Treppe hinunter in den Graben geführt wurde, den nassen Schutt herausbefördert. Nach Abpumpen des Wassers wurde die neue Folie in den rund zehn auf zweieineinhalb Meter langen Teich ausgelegt und mit Kies bedeckt. An den schmalen Enden fällt das trübe Gewässer flacher aus. Nebst dem sumpfigen Bereich um den Teich und im leicht höheren Steinmäuerchen haben die Amphibien nun noch mehr Rückzugsgebiet. Der tiefere und länger gewordene Teich soll auch anderen Arten einen Lebensraum bieten, wie den Schwalben, die nach Mücken schnappen, und quakenden Erdkröten. Zusätzliche Gräser oder Sträucher wurden nicht gepflanzt. «Nach unserem Tun wird die Natur den Rest übernehmen», sagt Hofmann. Bald schon ist Einzugstermin Nebst den Biotopen im Gebiet Im Loo und bei der Schützenmauer ist der Teich im Schlossgraben der dritte Lebensraum für die Geburtshelferkröten in Kyburg. Diese drei Plätze seien genug nahe beieinander, um von den Tieren erreicht zu werden, sagt Kelpe. Finanziert wird die Aufwertung durch die 2006 aufgelöste Bürgergemeinde Kyburg. 20?000 Franken des Vermögens wurden dem Naturschutz zugesprochen. 12?000 Franken werden nun – so bewilligte es der Gemeinderat im letzten Oktober – für die Sanierung des Teichs eingesetzt. Für Kelpe war der allmählich versickernde Teich «die Gelegenheit, um das Geld endlich sinnvoll zu investieren». Obwohl die Umbauarbeiten beim Schlossgraben unterhalb der Kyburg seit letztem Donnerstag fertig sind, ist der Klang der Kröten vorerst noch Zukunftsmusik. Doch nicht mehr lange. Ende März kriechen die Tiere üblicherweise aus ihren Verstecken und lassen an den Abenden wieder ihren unverwechselbaren Ruf erklingen.

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