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Ein Ort der Begegnung und Geborgenheit

Mythische Geschichte und heilige Szenen an den Wänden kennzeichnen die Kirche.

Über dem Dorfkern von Wila liegt auf dem sagenumwobenen Hügel das kleine reformierte Kirchlein. Erstmals erwähnt wurde die Kirche im 13. Jahrhundert. Die Sage erzählt vom Geschlecht der Landenberger, die nicht nur im mittleren Tösstal, sondern weit in den heutigen Thurgau eine wichtige Rolle spielten. Im Mittelpunkt stehen zwei Landenberger Brüder, die im Schloss Breitenlandenberg lebten. Der ältere war barbarisch und ungestüm, der jüngere gottesfürchtig und edelmütig. Er konnte das liederliche Gebaren seines Bruders nicht länger billigen und zog aus, um sich im kleinen «Schlösschen» Wila niederzulassen. Auf dem Kirchhügel legte er ein schönes Gärtchen an.

Die Sage berichtet weiter von der grausamen und heimtückischen Rache des Bruders, der den Friedfertigen umbrachte. Der Ermordete fand die letzte Ruhe in seinem Gärtchen. Aus dem Testament entnahmen die Wilemer seinen Wunsch: Auf dem Hügel sollte eine Kirche erbaut werden. Lange wurde über das Alter der Kirche gerätselt. Die erste urkundliche Erwähnung findet man in einem Steuerrodel des Bistums Konstanz von 1275.

Renovation mit Überraschungen

Die grosse Renovation von November 1978 bis April 1979 brachte vollkommen neue Erkenntnisse. Eigentlich wollte man nur die Feuchtigkeit in der Kirche beheben. Das erforderte eine detaillierte Untersuchung des Grund- und Sockelmauerwerks. Archäologische Grabungen bestätigten die Vermutung einer langen Baugeschichte des Gotteshauses. Die Kirche war in ihrer Entstehung aus Holz gebaut und ist auf das 7. Jahrhundert datiert. Damals fanden die Alemannen zum Christentum.

Mit der grossen Restaurierung wurden im 16. Jahrhundert zerstörte Fresken freigelegt und nach damaligem Wissensstand teilweise wiederhergestellt. Im Chor und in der sogenannten Verena-Nische fand man Hinweise auf farbenfrohe Wandbilder. Die ältesten Malereien in der nordwestlichen Ecke befinden sich heute hinter der Orgel. Sie werden in die Zeit um 1200 datiert. Sie zeigen Szenen aus der Kindheit Christi. Anfang des 14. Jahrhunderts erfolgte die gänzliche Ausmalung des Chors. Der Schildbogen der Chornordwand zeigt die Himmelfahrt der Maria und die gut erhaltene Christophorus-Figur an der Ostwand.

Die Evangelistensymbole präsentieren sich im gestelzten Kreuzrippen-Chorgewölbe des nördlichen Chorraumes und bilden die seit dem 4. Jahrhundert üblichen geflügelten Ikonen ab: den Engel des heiligen Matthäus, einen Rest des Löwen des heiligen Markus, den Stier des heiligen Lukas und Spuren des Adlers des heiligen Johannes. Segmente eines Bildes, das wohl die Flucht des heiligen Paulus wiedergibt, stammen aus der Mitte des 14. Jahrhunderts und befinden sich am östlichen Teil der Südwand des Kirchenschiffes.

Fresken wurden abgelöst

Besonders gut erhalten ist die Freske der heiligen Verena am östlichen Gewände der Fensternische der Südwand. Das Fenster war zugemauert und wurde ebenfalls erst 1979 entdeckt. Von der kaum mehr lesbaren gotischen Malerei der Passionsfolge an der Südwand sind die Sandsteinquader-Imitationen und die später dar­über gemalten Draperien erhalten. Teile der Abbildung des Jüngsten Gerichts aus der Empore der Westwand konnten im Zuge der Renovation freigelegt werden.

Als Tafelbild abgelöst hängen sie heute an der Südwand. Der Kirchgänger sitzt mit Blick auf die Kanzel gen Osten, die die beiden Chorräume trennt. Im nördlichen Chorraum finden Abendmahlfeiern und im südlichen Taufen statt. Jeder Kirchgänger, ob zu Gottesdiensten, festlichen Anlässen oder zu kulturellem Besuch, erfreut sich an den wundervollen Fresken und Wandbildern.

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