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Ein Rösler steht im Emmental

Der frühere deutsche Spitzenpolitiker Philipp Rösler hat sich in der Schweiz gleich doppelt neu erfunden – leibhaftig und aus Nussholz.

Philipp Rösler war bis Dezember 2013 Vizekanzler von Angela Merkel in der letzten schwarz-gelben Regierung in Deutschland. Er war Vorsitzender der FDP, deutscher Gesundheits- und später Wirtschaftsminister. 1973 in Vietnam geboren, wurde er als Waisenkind von einem deutschen Paar adoptiert. In den Medien wurde er deswegen lange zum Vorzeigepolitiker mit Migrationshintergrund stilisiert. Rösler war ein Politstar. Inzwischen sind die Liberalen klinisch tot, und Rösler ist weg vom Fenster. Jedenfalls in Deutschland. Ein lebensgrosser Philipp Rösler steht dafür im Foyer des Hotels Schloss Hünigen im emmentalischen Konolfingen – einer aus Holz. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) findet diesen Hauch von nordkoreanischem Personenkult derart abstrus-exotisch, dass sie in den letzten Wochen gleich zweimal prominent darüber berichtete. «In Nussholz verewigt» hiess der erste Text: «Wer Philipp Rösler sehen möchte, sollte in die Schweiz fahren.» Das stimmt, denn auch der reale Rösler versucht nach der Bruchlandung bei den Wahlen vom Herbst 2013 in der Schweiz den Neustart. Er lebt seit fast einem Jahr mit seiner Frau und den beiden Töchtern in Genf. Dort-hin geholt hat ihn Klaus Schwab, der Präsident des World Economic Forum (WEF), das jetzt in Davos sein hochkarätig besetztes 45.Jahrestreffen durchführt. Rösler ist Managing Director und beim WEF zuständig für Regierungskontakte und regionale Aktivitäten. Er ist fürs WEF zum globalen Türöffner geworden. «Eine wahre Geschichte», heisst die zweite grosse Story in der FAZ: «Ein Strassenkehrer aus dem Berner Oberland findet Philipp Rösler gut.» Denn hinter der Rösler-Skulptur in Konolfingen steckt ein Fan aus Interlaken. Idee und Auftrag für die Skulptur stammen von Bruno Stegmann, gemacht hat sie der Brienzer Holzbildhauer Beat Stähli. Der 61-jährige Stegmann hat dafür 90000 Franken bezahlt. In Interlaken ist er bekannt wie ein bunter Hund, nicht nur wegen seines orangen Arbeitsoutfits und seiner eigenen Brillenkreationen. Bruno Stegmann war einst in der SVP und Mitglied des Gemeindeparlaments von Interlaken. Als «Gast» des Zürcher SVP-Nationalrats Hans Fehr figuriert er seit Jahren auf der Liste der Berechtigten für den Zutritt zum Parlamentsgebäude in Bern. «Aber das Herz des Schweizers Stegmann schlägt für die Liberalen. Nur nicht für jene in der Schweiz, sondern für die FDP in Deutschland», schreibt die FAZ. Stegmann hat seinem Idol Rösler und anderen FDP- und CDU-Politikern seit Jahren viele Briefe geschrieben und die Liberalen als Gönner finanziell unterstützt. Er nahm an Fundraising-Dinners der FDP in Deutschland teil, Philipp Rösler ist ihm dabei auch persönlich erschienen. Heute habe er keine Kontakte mehr zu Rösler und der Partei, präzisiert Stegmann gegenüber der «Jungfrau-Zeitung»: «Ich bereue keinen Rappen und keine Minute, die ich der FDP damals gegeben hatte. Die FDP hat mich menschlich reich beschenkt.» Einst wollte Stegmann nach Hannover auswandern, um in der Nähe von Rösler zu sein. Es kam umgekehrt: Rösler ist jetzt in der Schweiz. Deutschland und die FDP sind für ihn vorderhand abgeschlossene Kapitel. In Davos ist der 41-Jährige die rechte Hand von Klaus Schwab. Eines aber hat er seinem Chef, dem im Rampenlicht stehenden WEF-Gründer, voraus: Der Rösler ist aus echtem Holz.

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