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Ein Schläger – kein Messerstecher

Ein türkischer Barbetreiber soll im Zürcher Club Jade an einer brutalen Massenschlägerei teilgenommen und zwei Gegner niedergestochen haben. Das Gericht stufte die Messerattacken aber als nicht erwiesen ein.

In der Nacht auf den 23. Dezember 2013 kam es im Zürcher Club Jade an der Brandschenkestrasse während einer Balkan-Party zu einer wüsten Massenschlägerei. Dabei setzten die Parteien nicht nur Fäuste, sondern auch Flaschen und Stichwaffen als Kampfmittel ein. Zwei Personen erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Weitere sechs Personen wurden mittelschwer verletzt.

Am Donnerstag musste sich mit einem heute 27-jährigen Türken einer der Beteiligten vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Laut Staatsanwältin Bettina Groth handelte es sich um einen der Haupttäter.

In den Kopf getreten

Gemäss Anklage hatte der Barbetreiber aus Olten bereits im Club aktiv an der Keilerei teilgenommen und einem am Boden liegenden Gegner in den Kopf getreten. Kurz darauf begab er sich nach draussen, wo er – alles laut Anklage – zwei Kontrahenten mit einem Messer niederstach und zwar nicht lebensgefährlich, jedoch erheblich verletzte. Danach suchte er das Weite.

Er wurde im Laufe der Ermittlungen im Februar von der Polizei festgenommen und sitzt seither im Gefängnis. Staatsanwältin Groth lastete ihm nicht nur Raufhandel, sondern auch mehrfach versuchte schwere Körperverletzung an. Der Strafantrag von fünf Jahren Freiheitsentzug fiel dementsprechend happig aus.

Fünf Vorstrafen

Bei der Befragung zur Person kam heraus, dass der Beschuldigte 2006 in die Schweiz eingereist war und sich dank Heirat ab 2010 in Olten niederlassen konnte. Der Barbetreiber handelte sich seither fünf Vorstrafen wegen Verkehrsdelikten, Sachbeschädigung, Ausländerrecht und Drohung ein. Vor Gericht bezeichnete er sich als unschuldig und führte aus, dass er sich nur gewehrt habe. Die eingeklagten Stiche wies er von sich: «Ich bin keine Person, die mit einem Messer herumläuft», erklärte er dem Dolmetscher auf Türkisch. Die belastenden Aussagen der Geschädigten wies er zurück und machte eine Verwechslung geltend.

Für die Staatsanwaltschaft sah es bereits zum Prozessauftakt schlecht aus. So hatten beide Geschädigten ihre Anträge einen Tag vor der Verhandlung überraschend zurückgezogen und erklärt, dass sie heute nicht mehr sicher seien, ob der Beschuldigte tatsächlich der Messerstecher gewesen sei. Der Verteidiger sah sich bestätigt und führte aus, dass die beiden Opfer schon während der Untersuchung widersprüchliche Aussagen gemacht hätten.

Anfangs hätten beide ausgeführt, dass sie wegen Pfefferspray im Auge den Täter gar nicht erkannt hätten. Später gaben sie dagegen an, dass sie den Beschuldigten bis zu 95 Prozent identifizieren könnten. «Der Blinde wurde zum Sehenden», kommentierte der Verteidiger, der auch vom Vorwurf des Raufhandels einen Freispruch verlangte. Zudem forderte er für die zu Unrecht erlittene Haft von 142 Tagen ein Schmerzensgeld von 28?400 Franken.

Aus Mangel an Beweisen

Das Gericht kam zum Schluss zu einem verhältnismässig milden Urteil. So sprach es den Beschuldigten von den versuchten schweren Körperverletzungen mangels Beweisen frei. Die Aussagen der Opfer hätten nicht überzeugt, führte der Gerichtsvorsitzende Jean-Paul Bozzone aus. Sie hätten sich alles möglicherweise eingeredet.

Im Gegensatz dazu sah das Gericht den Raufhandel als erwiesen an. Denn den Fusstritt gegen den Kopf eines Gegners hatte eine Augenzeugin nicht nur genau beobachtet, sondern auch den Beschuldigten als Täter klar identifiziert. Sie hatte ihn aus 256 Fotos von diversen Kurden erkannt.

Sofort aus Haft entlassen

Das Gericht sprach damit von einer aktiven Beteiligung des Beschuldigten und einem nicht mehr leichten Verschulden. Es setzte eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten fest und ordnete die sofortige Haftentlassung des «Jade-Schlägers» an.

Aufgrund des Schuldspruchs lehnte das Gericht die Zusprechung einer Genugtuung allerdings ab. Zudem setzte es eine verlängerte Probezeit von drei Jahren an und widerrief zwei früher bedingte Geldstrafen von 15 und zehn Tagessätzen zu 60 Franken. In den folgenden Monaten wird es zu weiteren Prozessen im Hinblick auf die Massenschlägerei kommen. Attila Szenogrady

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