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Ein Schweizerkönner

Schweiz-Bashing ist wieder mal Mode. Aber Europa kann vieles von der Schweiz lernen, sagt der deutsche Journalist Wolfgang Koydl in seinem neuen Buch «Die Besserkönner».

Bewunderung und Beschimpfung. Zwischen diesen Polen pendelt die Reaktion der Aussenwelt immer wieder auf das jeweilige Geschehen in der Schweiz. Wenige Wochen nach der knappen Annahme der Volksin­itia­ti­ve «Gegen Masseneinwanderung» der SVP kommt nun ein Buch des deutschen Journalisten Wolfgang Koydl auf den Markt, das geeignet ist, manchen notorischen Kritikern der Schweiz Zornesröte ins Gesicht zu treiben.Allein schon beim Anblick des Covers: Da reisst sich jemand wie Superman das Hemd auf, um dar­un­ter die Schweizer Flagge mit dem weissen Kreuz auf rotem Grund vorzuzeigen. Titel: «Die Besserkönner». Auf gut 200 Seiten schreibt Koydl – seit 2011 Schweiz-Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung» und vorher in vielen anderen Teilen der Welt im Reportereinsatz – gegen das nur allzu oft von Sachkenntnis unberührte Schweiz-Bashing europäischer Politiker an.Das Buch ist ein hochaktuelles, anschaulich geschriebenes und oft amüsantes Lehrstück über den Schweizer Nationalcharakter, die Wirtschaftsmacht und das politische System des Alpenlandes. Koydl (Jahrgang 1952) macht kein Hehl aus seiner Bewunderung für das «Schweizer Modell». Das tut gut. Und es kommt zur rechten Zeit.

Innovativ, wettbewerbsfähig

Denn bei aller, oft berechtigten Kritik der letzten Jahre – von der (inzwischen eingestellten) Beihilfe von Schweizer Banken für ausländische Steuerbetrüger bis zur «Rosinenpickerei» in den Beziehungen zu den EU-Nachbarn – wird zu oft übersehen, dass die Schweiz ein urdemokratisches, freiheitliches, innovatives und enorm wettbewerbsfähiges Land ist. Ein modernes Land in der Mitte Europas, von dessen jahrhundertealter direkter Demokratie sich der Rest des Kontinents mehr als nur eine Scheibe abschneiden kann und sollte.Koydls Fazit aus dem Vergleich der Schweizer Demokratie mit dem Brüsseler Politikmodell gerät zu einer Breitseite: «Das Schweizer System läuft diametral dem europäischen System zuwider, wie es sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Dort wird immer mehr Macht in immer weniger Händen konzentriert. Dort hat sich eine Kaste von Berufspolitikern etabliert, die vom Alltag ihrer Wähler Lichtjahre entfernt ist. Und dort rafft die europäische Bürokratie immer mehr Vollmachten an sich, die sie letzten Endes gar nichts angehen.» Die Schweiz, sagt Koydl, müsse durchaus nicht europäischer werden. Vielmehr täte es Europa gut, helvetischer zu werden.

Kritik und Zustimmung

Die beiden Nachworte haben Schweizer Persönlichkeiten geschrieben, die gleichsam die politischen Gegenpole aller Debatten über den Weg der Eidgenossenschaft repräsentieren: Christoph Blocher, der Milliardär und Ziehvater der Schweizer Volkspartei, lobt das Buch als ein «klug analysiertes Stück Lebenswirklichkeit». Der linke Denker Jean Ziegler bemängelt, ihm fehle eine «Auseinandersetzung mit der pathologischen, nachtdunklen Seite der Schweiz». Doch Ziegler schreibt auch: «‹Die Besserkönner› ist ein genau recherchiertes, blitzgescheites Buch.» Es könne helfen, dem «schon fast konstitutiven Nicht-Wissen über die Schweiz» Abhilfe zu schaffen.Wolfgang Koydl: Die Besserkönner, Was die Schweiz so besonders macht, Orell Füssli, Zürich 2014, 224 S., Fr. 19.90.

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