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Ein Sieg und einige Sorgen

NEUENBURG. Mit dem 4:1 über Ecuador verbleibt die Schweiz in der Weltgruppe des Davis-Cup, Stanislas Wawrinka hat seine Pflicht mehr als erfüllt.

So schnell wie möglich sollte die Entscheidung herbeigeführt werden – und sie fiel auf schnellstmöglichem Weg. Nach den zwei Einzelsiegen sicherten Stanislas Wawrinka und Michael Lammer im Doppel den Klassenerhalt dank einem 6:3, 6:4, 3:6, 6:7 (7:9), 6:4 gegen Emilio Gomez und Roberto Quiroz. Dabei hatten die beiden, die erstmals zusammen angetreten waren, in der Patinoire du Littoral ein dreieinhalb Stunden dauerndes Auf und Ab erlebt. Im Gegensatz zum letzten Davis-Cup-Doppel Anfang Februar gegen Tschechien, das Wawrinka an der Seite von Marco Chiudinelli nach über sieben Stunden Spielzeit verloren hatte, endete die Begegnung diesmal aus Schweizer Sicht allerdings erfreulich.

Der Sieg des Duos Wawrinka/Lammer war erst der zweite Erfolg eines Schweizer Doppels in den letzten zehn Davis-Cup-Begegnungen. Vor allem Lammer zeigte eine gute Leistung und war dem müden Romand auch mental eine starke Unterstützung. Der 31-Jährige aus Dübendorf kam so zu seinem ersten wichtigen Sieg im Teamwettbewerb. Knapp 24 Stunden später doppelte er mit einem 6:3, 2:6, 6:2 gegen Quiroz gleich nach. Die einzige Niederlage kassierte Marco Chiudinelli beim 0:6, 5:7 im abschliessenden Einzel gegen Gonzalo Escobar. Wawrinka wurde am Sonntag erwartungsgemäss nicht mehr eingesetzt.

Erstmals ohne Federer

So setzte sich die Schweiz zum siebten Mal in den letzten neun Jahren in den Auf-/Abstiegsplayoffs um einen Platz in der Weltgruppe durch – und erstmals ohne Federer. Die Schweizer kamen zum ersten Sieg überhaupt in einer Begegnung der Weltgruppe ohne den Baselbieter, seit dieser 1999 in Neuenburg sein Debüt im Davis-Cup gefeiert hatte. In Abwesenheit Federers trugen mit Chiudinelli und Lammer für einmal auch zwei Spieler ihren Anteil zum Sieg bei, denen ansonsten eher die Rolle der Reservisten zugedacht ist. «Sie haben ihre Aufgabe sauber gemeistert», lobte Lüthi die beiden langjährigen Teammitglieder. Ecuador, mit keinem Spieler unter den besten 250 der Weltrangliste, war allerdings auch ein dankbarer Gegner.

Dank dem erneuten Klassenerhalt kann die Schweiz im kommenden Februar einen weiteren Versuch unternehmen, erstmals seit 2004 die Viertelfinals im Davis-Cup zu erreichen. Der kommende Gegner wird ihr am Mittwoch zugelost. Als ungesetztes Team müssen sich die Schweizer auf einen happigen Kontrahenten einstellen. Titelträger Tschechien, Spanien, Serbien, Argentinien, Frankreich, USA, Kanada und Kasachstan stehen zur Auswahl. Ob beim nächsten Schweizer Auftritt Federer, der 2013 auf Einsätze im Davis-Cup verzichtete, wieder dabei sein wird, ist offen.

Trotz dem sportlich erfreulichen Verdikt lief in Neuenburg nicht alles perfekt. Der Ausschluss von Henri Laaksonen sorgte für einigen Wirbel. Der finnisch-schweizerische Doppelbürger hatte mit seiner laschen Einstellung im Training den Zorn von Captain Lüthi und Teamleader Wawrinka auf sich gezogen und mit seiner Suspendierung für ein Novum gesorgt. Dies war einem Schweizer Spieler zuvor noch nie widerfahren.

Als der Klassenerhalt unter Dach und Fach war, waren die Verantwortlichen bemüht, die Wogen im «Fall Laaksonen» zu glätten. «Wir wollen den Ball in dieser Sache flach halten», sagte Erik Keller, Vizepräsident und Davis-Cup-Verantwortlicher von Swiss Tennis. Der Verband wird in dieser Woche die Geschehnisse der letzten Tage aufarbeiten, mit allen Beteiligten das Gespräch suchen und danach über allfällige Sanktionen entscheiden. Im Raum stehen mögliche Leistungskürzungen für den Spieler.

Laaksonen hat wie viele Junge mit dem Verband einen «Payback-Vertrag» abgeschlossen, der den Spieler nur im Erfolgsfall verpflichtet, das erhaltene Geld später wieder zurückzuzahlen. Zudem kann Laaksonen, der als Mitglied des A-Kaders 12 000 Franken im Jahr erhält, auf einen Trainer zählen, der ihn auf der Tour begleitet. Den Spielern von Swiss Tennis steht das nationale Leistungszentrums in Biel kostenlos zur Verfügung, ebenso erhalten sie vom Verband auch Wildcards für nationale und internationale Turniere. Da könnte man bei einer allfälligen «Strafe» also ansetzen.

Aus finanzieller Sicht erwies sich die dreitägige Veranstaltung in Neuenburg als Verlustgeschäft. Die Halle war trotz der jüngsten Erfolge Wawrinkas nicht einmal zur Hälfte gefüllt, was Keller in erster Linie auf den unattraktiven Gegner zurückführte. Insgesamt rechnet der Verband mit einem Verlust von rund 200 000 Franken, womit sich das Defizit in diesem Jahr für die beiden Teamwettbewerbe Fed- und Davis-Cup auf rund 600 000 Franken erhöhen wird. Dabei schlug vor allem die bei misslichen Wetterbedingungen durchgeführte Fed-Cup-Partie im April in Chiasso gegen Australien stark zu Buche. Einmal mehr zeigte sich: Für den Verband lässt sich nur richtig Geld verdienen, wenn Roger Federer bei einem Heimspiel seine Teilnahme ankündigt. (si)

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