Winterthur

Ein Sommergewitter im Schiesskeller

An den Feriensportkursen können Schulkinder neue Sportarten ausprobieren. Das Luftpistolenschiessen entpuppt sich als Konzentrationsübung, die Spass macht.

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Draussen ist schönstes Sommerferienwetter. Unter Tage, im ersten Untergeschoss der Schiessanlage Ohrbühl, ist es kühl. Wer die Anlage betritt, dem springt sofort ein rotes Stopp-Schild ins Auge: Ohne Ohrschutz darf man nicht ins Untergeschoss, denn dort wird geschossen. Unten ist vom leichten Sommertag nichts mehr wahrzunehmen, die Anlage strahlt eine gewisse Ernsthaftigkeit aus.

Zehn Jungen und ein Mädchen zwischen 8 und 13 Jahren hüpfen die Treppe herunter, schütteln Kursleiter Richard Käser die Hand und setzen sich still auf ihre Plätze. Es ist Mittwoch und der dritte Tag des Feriensportkurses «Luftpistolenschiessen». «Ich hoffe, ihr habt gut geschlafen», begrüsst Käser die Kinder. Eines ruft: «Ich habe gar nicht geschlafen.» Nach zwei Tagen Schulung in Sicherheit, Sensibilisierung im Umgang mit Waffen und der richtigen Schiesstechnik, gilt es heute ernst.

Konzentration und zittrige Hände

Die Kinder werden zwei Wettkämpfe bestreiten, einerseits den goldenen Züri-Treffer, andererseits den besten Winterthurer Nachwuchsschütze. Als erstes zeigt Käser den Kindern die Resultate der Kinder Kurs, der am frühen Morgen stattfand. Man müsse sich sehr konzentrieren und um jeden Punkt kämpfen, ermahnt Käser die Kinder. «Das heisst aber nicht, dass ihr verkrampft und verknorzt schiessen müsst.» Bevor die Kinder die Türe zur Schiessanlage betreten, gibt Käser den letzten Tipp: «Probiert nicht, es zu gut machen zu wollen.»

«Probiert nicht, es zu gut machen zu wollen.»

Die Kinder gehen still an ihre Plätze, richten die Böcke ein und legen die Kügelchen bereit. Die Ohrschützer werden montiert, eine Augenklappe mit der Inschrift «Champion» vervollständigt das Outfit eines Luftpistolenschützen. Die Pistolen heben sich und mit einem dumpfen Klacken lösen sich die Schüsse. Fünf Schuss für jedes Kind, dann gilt es zum ersten Mal ernst. Die Zielscheiben werden nach vorne gefahren, in den Blicken zeigt sich der Stolz. Dreimal ins Schwarze! Runde zwei steht an, es geht um die Qualifikation für den goldenen Züri-Treffer. Wer genügend Punkte holt, darf im Dezember gegen mehrere Hundert Kinder aus dem ganzen Kanton antreten.

Die Pistolen heissen hier «Sportgeräte»

Die Kügelchen liegen bereit. Die Pistolen – sie werden im Fachjargon Sportgeräte genannt – liegen auf den Böcken, sie zittern leicht in den Händen. Ein Auge ist zugekniffen, das andere auf die Zielscheibe gerichtet. Das dumpfe Klacken durch den Gehörschutz tönt wie ein fernes Donnergrollen. Ein Sommergewitter, das aus dem nichts kommt und sich schnell wieder verzieht.

Ich habe ins Schwarze getroffen!Noah (8)

Fünf Schuss später, der Jubel von Noah: «Ich habe ins Schwarze getroffen!» Käser lacht: «Super, aber es hatte noch vier weitere Kugeln, die auch nach hinten geflogen sind. Wo sind diese?» – «Irgendwo», sagt Noah, und beide lachen. Dass beim Luftpistolenschiessen zwar mit Pistolen hantiert wird, verleiht dem Sport eine gewisse Ernsthaftigkeit. Dennoch wird klar, dass es sich dabei um einen Sport handelt, der eine ruhige Hand und eine hohe Konzentrationsfähigkeit erfordert.

Sonst ist es ein Sport wie jeder andere: Es geht um Wettkampf, Teamgeist und um das Jagen nach Punkten. Weitere fünf Schuss stehen an. Klack, Klack, Klack. Der Wettkampf um den goldenen Züri-Treffer ist vorbei. «Zwei hani id Wand ie gjagt», kommentiert Loris. Käser nimmt die Zielscheiben mit, um sie auszuwerten. Die Kinder können sich kurz entspannen, bevor der zweite Wettkampf in Angriff genommen wird.

Die meisten sind zum ersten Mal hier. Warum sie den Kurs gewählt haben? Das Mädchen Yoa folgte dem Beispiel ihres Bruders, der bereits letztes Jahr Teilnehmer war. «Anfangs war es etwas komisch so als einziges Mädchen. Aber es war die richtige Entscheidung», sagt sie.

Nachholen, was man amAlbanifest nicht durfte

Noah erklärt, er liebe die Schiessstände am Albanifest, aber dürfe dort nicht schiessen. «Wenn ich schiesse, will mein kleiner Bruder auch. Das führt dann zu Problemen», erklärt der 8-Jährige. Nach dem zweiten Wettkampf werden die Sportgeräte entladen und versorgt. Im Theorieraum verliest Käser die Rangliste.

Am meisten Punkte holte Leo mit acht Schwarztreffern. Das reicht jedoch knapp nicht für die Qualifikation des goldenen Züri-Treffers. Die Kinder sind mit ihren Resultaten zufrieden, stolz halten sie die Auszeichnungen und die durchlöcherten Scheiben in den Händen. Das Kursziel, die Scheibe auf zehn Meter zu treffen, haben alle erreicht. Die Kinder verabschieden sich von Käser und springen die Treppe wieder hoch, zurück in die Sommerferien. (Der Landbote)

Erstellt: 28.07.2017, 12:22 Uhr

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