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Ein Ständchen von der Tribüne

Manchmal ist der Stadtverbesserer auch ganz zufrieden, wenn es mal nichts zu verbessern gibt, weil das, was es in Winterthur hat, schon gut genug ist. Oder einfach besser als in Zürich. Er gibt zu, ein bisschen schmunzeln musste er, als die Stadtzürcher mit ihren Plänen für ein neues Fussballstadion am Wochenende zum zweiten Mal auf die Nase gefallen sind. Schadenfreude ist ja sonst nicht seine Sache, aber im Fussballjargon geht die Geschichte so: Wenn der grosse Rivale erst den Titel in der Meisterschaft als Ziel ausgibt (30 000er-Stadion für die Fussball-EM) und am Schluss das Podest verpasst, weil er in der 89. Minute einen Elfmeter verschiesst (Nein zum verkleinerten Projekt am Sonntag), so wird auf der Tribüne schon mal ein spöttisches Ständchen intoniert. Was sich die Winterthurer Fussballfans auf ein T-Shirt haben drucken lassen, gilt weiterhin: «Ein Kanton. Ein Fussballstadion.» Flanken und Tacklings aus nächster Nähe, das gibt es auf Zürcher Boden in einem Stadion nur auf der Schützenwiese zu sehen. Hier sind die Spieler Auge in Auge mit den Zuschauern, wenn sie zum Eckball antreten. Wer hingegen in Zürich einen Fussballer aus der Nähe sehen will, hat in den In-Bars bessere Chancen als im Letzigrund. Da spielt es dem Stadtverbesserer auch keine Rolle, dass auf der Schützenwiese weniger Zuschauer reinpassen und die VIP-Logen fehlen. Im Gegenteil: Charme geht über Champagner. Ins Abseits geriet das Stadion-Grossprojekt in Zürich im Übrigen wegen taktischer Fehler: So ging etwa die Idee, viele Läden einzubauen, nicht auf. Dafür kommt es in Zürich jetzt andernorts zu einer Mantelnutzung. Der Pfauen, das architektonische Schmuckstück, in dem das Schauspielhaus zu Hause ist, wird bald von einer McDonald’s-Filiale flankiert. Macbeth und Big Mac als neues Zürcher Sturmduo. Womit wir zurück beim Fussball sind: Falls jemand in Zürich doch noch ein Stadion aufbauen möchte: Die «Schützi» gibts als Bastelbogen.

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