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Ein Statement für die Zeitlosigkeit

WINTERTHUR. Irene Schütz hat sich der Schnörkellosigkeit verschrieben. Sie näht, seit sie sich erinnern kann. Heute stellt sie in kleinem Rahmen Kleider und Taschen für Frauen her, die das Formale lieben. Einen Laden möchte sie im Moment nicht eröffnen. Den hatte sie bereits.

Oben weit, unten schmal: Die Hosen von Irene Schütz fallen weich. Der Schritt ist tief gehalten und verleiht ihnen damit einen orientalischen Touch. Überhaupt glaubt man sich in eine andere Welt versetzt, wenn man die Kleider der Architektin ETH betrachtet. So als würde man zwischen den Zeiten schweben. Da sind zum Beispiel der schmale, schwarze Jupe und die weite, weisse Bluse, die Irene Schütz mit einer engen Kappe kombiniert. Das Outfit erinnert im Entfernten an eine Tracht – und ist doch ganz anders. Die Kleider strahlen eine Strenge aus, die durch raffinierte Linienführungen wieder aufgelöst wird. Das zeigt sich an der Kappe besonders gut: In der Grundform orientiert sie sich an einer alten Fliegermütze. Durch die Streifen, aus denen sie zusammengenäht ist, wirkt sie trotzdem überraschend feminin. Wobei die Kleider der Designerin keineswegs verspielt wirken. «Meine Kleider zeichnen sich durch klare Linien und strenge Formen aus.» Ihre Kleider sind Statements für die Zeitlosigkeit. Mit der Schnelllebigkeit der Mode, mit welcher wir uns im Allgemeinen konfrontiert sehen, haben sie nichts zu tun. Gesamterscheinung im Blick Das erreicht die Architektin einerseits mit einer klaren Schnittführung, andererseits, indem sie sich bei den Farben auf Schwarz und Weiss beschränkt – was die Kleider betrifft zumindest. Denn: Die Ledershopper, ihre neusten Produkte, sind gold- oder silberfarben. Das mag auf den ersten Blick überraschen. Doch die Designerin denkt in Bildern und Looks. Zusammen mit den in der Silhouette reduzierten Kleidern wirken die Taschen in Gold und Silber durchaus zurückhaltend und schlicht. Zurückhaltend und schlicht: Das sind auch Worte, die Irene Schütz gut beschreiben, wenn sie vor einem sitzt. Sie spricht ruhig, wenn sie ihre Kreationen erläutert, und ist ganz bei der Sache. Gleichzeitig wird ihre Liebe für das Schöne und das Detail sichtbar. Die Designerin trägt ihre Kleider selber und strahlt dabei Selbstverständlichkeit aus. Mit dem Nähen hatte sie schon als Kind begonnen. «Ich bekam eine Nähmaschine und benutzte sie oft.» Auch während ihres Architekturstudiums nähte sie viel, meistens für sich selber. Als sie dann 2003 – nach Abschluss ihres Studiums – an der Neustadtgasse in Winterthur ein leer stehendes Ladenlokal entdeckte, war es um sie geschehen. «Ich wusste, das ist der ideale Laden, um meine eigene Kleider- und Accessoires-Linie zu verkaufen.» Sie gründete ihr eigenes Label «Schütz» und begann, Kleider und Stofftaschen zu nähen. Mittels spezieller Drucktechniken entwickelte sie ihre eigenen Stoffe und bot eine kleine Kollektion an Jupes, Oberteilen und Kopftüchern an. 2006 konnte sie am Walk of Fashion teilnehmen und erhielt den zweiten Preis, der mit einem Förderprogramm belohnt wurde. Sie konnte für Rieter und Bernina Kollektionen entwickeln. Doch die Mode ist ein schwieriges Business. Das Angebot an günstigen Kleidern ist gross. Die Desi­gnerin musste trotz der Aufnahme ins Förderprogramm einsehen, dass ihr Laden an der Neustadtgasse keine Zukunft hat. Sie schloss ihn im Jahr 2008 und suchte sich einen Job in ihrem angestammten Beruf. Heute arbeitet sie in einem 60-Prozent-Pensum als Architektin beim Kanton. Obwohl sie ihren Laden geschlossen hatte, gab sie das Nähen nie ganz auf. Sie fertigte noch alle ihre Kleider selber an und begann mit Leder zu arbeiten. Weil es zum Nähen von Leder andere Techniken braucht, besuchte sie Kurse und bildete sich weiter. Bis sie Lust bekam, mit ihren Ledertaschen an die Öffentlichkeit zu treten. Letztes Jahr meldete sie sich damit für die Designmesse in Winterthur an. Zwar hatte sie bereits an der ersten Designgut im Jahr 2010 teilgenommen. An der Designgut 2013 zeigte sie jedoch ihre erste kleine Taschenkollektion. Dazu entwickelte sie eine neue Kleiderkollektion. Kleider kommen gut an Die Kleider stiessen bei den Besucherinnen auf eine grössere Resonanz als die Taschen. Vielleicht liegt es daran, dass sie ihre Kleider so anfertigt, dass sie auch noch passen, wenn sich der Körper etwas verändert und man ein Kilo zu- oder abgenommen hat? Ihre Wickelblusen schmiegen sich problemlos der Figur an und die eingangs erwähnten Hosen mit tiefem Schritt lassen ebenfalls genügend Spielraum für das eine oder andere Pölsterchen. Die Kleider von Irene Schütz gibt es deshalb auch nur in drei Grössen: S, M und L. Schliesslich verarbeitet sie nur hochwertige Stoffe, dar­un­ter feste Baumwolljerseys und Blusenstoffe aus Biobaumwolle. «Ich verwende nur Jerseystoffe, die auch nach dem Waschen in Form bleiben.» Bis auf den schlichten Mantel aus einem Hightech-Softshell-Material von Schoeller Textil in Sevelen setzt sie ausschliesslich Naturmaterialien ein. Für Softshell entschied sie sich, weil Regen daran abperlt. Und was ist ihr nächstes Ziel? Ihre Antwort ist einfach: «Die Tasche umzusetzen, die ich im Kopf habe.» Die Idee sei da, jetzt gelte es nur noch den Schnitt zu entwickeln. Einen eigenen Laden hat sie im Moment nicht im Visier. Diese Erfahrung hat sie bereits gemacht. Lieber verkauft sie ihre Mode über ihren Internetshop und nimmt an der kommenden Designgut teil. Umzug mit dem Atelier Zurzeit arbeitet sie noch in ihrer Wohnung im Tössfeld-Quartier. im Juli bezieht sie ein Atelier auf dem Lagerplatzareal. Die weisse Bluse mit Wasserfallausschnitt kostet Fr. 180.–, die Schlupfhose aus Baumwolljersey Fr. 120.–. Den silber- oder goldfarbenen Shopper aus Kalbsleder gibt es für Fr. 280.–. Und das, obwohl alle Produkte von Irene Schütz in Handarbeit hergestellt werden. www.kostbarkeiten.ch

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