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Ein Stück Musikgeschichte

Seit 80 Jahren singt der Gemischte Chor Hünikon mit viel Liebe und Hingabe für die Musik. Gebührend gefeiert wurde dies letztes Wochenende mit zwei erfolgreichen Konzerten.

Wenn die vielen Besucher schon freiwillig auf die Sonne verzichten, bringen wir die Sonne einfach musikalisch zu ihnen. Das dachte sich wohl der Gemischte Chor Hünikon bei der Gestaltung seines Jubiläumsprogramms und nannte dieses treffenderweise «Singen mit Charme & Schalk». Die traditionellen Lieder fanden in der voll besetzten Kirche grossen Anklang. Als Dirigent Martin Wildhaber und die Tenöre und Bässe sich allesamt Hüte aufsetzten, kam der schon angekündigte Schalk zum Zug. Der Chor interpretierte einen Auszug aus Dieter Bäumles Galgenliedern, die dieser in den 1970er-Jahren nach Gedichten von Christian Morgenstern komponiert hatte. Da die Texte als Gedichte konzipiert waren und nicht als Lieder, unterliegen sie einem anderen sprachlichen Rhythmus, enthalten zum Teil schnellen Sprechgesang und stellen somit eine Herausforderung für jede Stimme dar. Doch die 30 Sängerinnen und Sänger glänzten nicht nur visuell in ihren ­roten Roben, sondern auch in diesem schwierigen, dichten Gesangspart. Wäh­rend beim «grossen Lalula» der einstimmige Chor über einer treibenden Klavierbegleitung schwang, prasselten beim «Walfafisch» lautmalerisch die Wasserfluten. Der Witz und die Ironie dieser Lieder sorgte für viele Lacher im Publikum. Sowieso war dieses bestens aufgelegt und lobte auch das Klavierquintett, welches den Chor begleitete: «Die Jungen spielen gut.» Gemeint waren damit die fünf Musikerinnen und Musiker der Zürcher Musikhochschule, die sich eigens für diesen Anlass zusammengefunden hatten. Sie spielten, immer als Einlage zwischen den Chorstimmen, das «Forellenquintett» von Franz Schubert. Vielseitig engagiert Mit einem Lied aus dem Wallis, standesgemäss natürlich auf Walliserdeutsch, schloss das abwechslungsreiche Programm. «Ich versuche immer, auch Lieder in anderen Dialekten mit den Sängerinnen und Sängern einzuüben», erklärte Martin Wildhaber dazu. Der junge Dirigent bringt damit Dynamik in einen Chor, dessen traditionsreiche Geschichte lange zurückreicht. «Bereits 1925 wurde in Hünikon der Töchterchor gegründet. Das Eintrittsgeld in den Chor betrug damals 1 Franken und 50 Rappen, der Austritt kostete das Mitglied 3 Franken. Bei Verehelichung musste eine Sängerin austreten oder übertreten zu den Passiven», weiss Theres Waldvogel, Aktuarin des Gemischten Chors Hünikon. Doch schon 1928 wollten die Töchter nicht mehr alleine singen und probten gemeinsam mit dem Männerchor, der bereits seit 1919 bestand, für Konzerte und Theaterstücke. Eine Zusammenlegung lag nahe und so wurde 1934 der Gemischte Chor gegründet. «Anfangs war man sich nicht sicher, ob sich die Mitglieder beider Vereine überhaupt vertragen würden. Offenbar hat das ganz gut geklappt», so die Aktuarin schmunzelnd. Heute beteiligt sich der Gemischte Chor Hünikon an vielen Veranstaltungen der reformierten Kirche und macht mit an der alle drei Jahre stattfindenden Dorfet in Neftenbach. Zudem führt der Chor jedes Jahr im Juli ein Schopf-Fest in Hünikon durch und veranstaltete im letzten Jahr ein Adventssingen. «Der Chor ist wichtig für das kulturelle Leben in Neftenbach», re­sümierte Theres Waldvogel, was man auch am Applaus dieser beiden Konzerte messen konnte.

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