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Ein Tank ist ein Tank

Rolf Güttinger, der Sohn des Mörsburg-Bauern Ernst Güttinger, stand erstmals vor Gericht. Wie in der Familie üblich, verteidigte er sich selbst.

Ist ein Behälter, der für die Aufbewahrung von Treibstoff angefertigt worden und mit dem Wort «Tank» angeschrieben ist, ein Tank? Rolf Güttinger versuchte am Freitag, das Bezirksgericht vom Gegenteil zu überzeugen: «Es handelt sich um ein Reparaturbetreibungsbehältnis.» Denn der 400 Liter fassende Metallbehälter werde nicht etwa zum Betanken von Fahrzeugen verwendet, sondern bei Reparaturen direkt an Maschinen angeschlossen. War­um hatte sich das Gericht überhaupt mit dieser Frage zu beschäftigen? Rolf Güttinger, der 27-jährige Sohn des Mörsburg-Bauern Ernst Güttinger, war im Oktober 2011 in Wiesendangen auf der Alten Frauenfelderstrasse unterwegs. Den besagten «Nicht-Tank» hatte er auf die Ladefläche eines alten VW-Lieferwagens gestellt. Er wollte 200 Liter Diesel holen, um einen Traktormotor während einer Reparatur einem Testlauf zu unterziehen. Noch auf der Hinfahrt wurde er von der Polizei gestoppt: Die Ladung sei nicht festgezurrt und dar­um ungenügend gesichert. Zudem müsse der Tank als Gefahrengütertransport mit orangefarbenen Tafeln gekennzeichnet sein. Güttinger wollte den folgenden Strafbefehl über insgesamt 780 Franken nicht akzeptieren und erhob Einsprache. Da es sich nicht um einen Tank handle, sei er als Mechaniker von der Bezettelungspflicht freigestellt. Zudem sei die Ladung alleine durch das Eigengewicht genügend gesichert gewesen. Die Kantonspolizei erstellte ein Gutachten, das zum Schluss kam: Tank ist Tank, die Sicherung war ungenügend. Eigenes Gutachten angefertigt Am Freitag stand Güttinger vor Gericht. Er war ohne Anwalt erschienen, es war seine Premiere als Verteidiger. Dabei erklärte er ausführlich und detailgenau das Prinzip der «Formschliessung» einer Ladung und legte dar, wie sich die Füsse seines Stahlbehälters durch «Mikroverzahnung» in der Aluminiumladefläche seines Lasters festgesetzt haben. Güttinger hatte sogar selbst ein Gegengutachten angefertigt. Der Angeklagte hatte auch das 1500 Seiten umfassende Europäische Übereinkommen über die Beförderung gefährlicher Güter auf der Strasse dabei, aus dem er Abschnitte zitierte. Die Richterin hörte mit Engelsgeduld zu. Das Protokoll der Anhörung umfasste schliesslich 16 Seiten. Zu 650 Franken Busse verurteilt Nach zweijährigem Verfahren und vier Stunden Verhandlung entschied das Gericht: Tank ist Tank. Güttinger hätte ihn als Gefahrengütertransport beschriften müssen. Allerdings gab es einen Teilfreispruch: Um die Sicherung der Ladung genau zu beurteilen, wäre ein aufwendigeres Gutachten nötig. Die Busse wurde auf 650 Franken festgesetzt. Güttinger muss zudem vier Fünftel der über 1000 Franken Gerichtsgebühren übernehmen. Rolf Güttinger begründete seinen Einspruch so: «Ich wurde ungerecht behandelt, da muss man doch etwas tun.» Er überlege sich nun, den Fall weiterzuziehen. Nicht nur bei dieser Frage tönte er ganz ähnlich wie sein Vater Ernst, der mit dem Kanton seit Jahrzehnten um den denkmalgeschützten Hof bei der Mörsburg prozessiert. Man könnte sagen: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. (bä)

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