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Ein Team mit klaren Konturen

SPLIT. So weit auf Testspiele abgestellt werden kann, darf Fussball-Nationalcoach Ottmar Hitzfeld die WM-Ausscheidung guten Gewissens angehen.

Seit der Enttäuschung im vergangenen Oktober, mit der 0:2-Niederlage in Wales auf dem Weg an die EM in Polen und der Ukraine gescheitert zu sein, trat die Schweiz zu sechs Testspielen an, vier davon waren gegen Teams aus den Top 10 der Weltrangliste. Und alle vier fielen vernünftig (wie beim 1:3 nach zwei späten Gegentoren gegen Argentinien), gut (wie beim 0:0 in Holland) oder gar sehr gut (beim 5:3 gegen Deutschland und nun beim 4:2 in Kroatien) aus.

Auch wenn die Schweiz ein paar Tage nach dem Auftritt in Holland aus Luxemburg mit einem kümmerlichen 1:0 heimkehrte und gleich nach dem Triumph gegen die Deutschen gegen Rumänien 0:1 verlor, so ist die Bilanz dieser neun Aufbaumonate doch gut. So weit man Testspiele bewerten kann, darf man sagen, Hitzfeld habe eine Mannschaft gefunden, die den Umbruch nach gewichtigen Rücktritten wie jenen der Basler Benjamin Huggel, Alex Frei und Marco Streller sowie Stéphane Grichtings vielversprechend geschafft hat.

Viel Potenzial dank Basler Duo

Natürlich leidet die Schweiz weiterhin darunter, dass immer wieder wichtige Spieler im Verein nicht erste Wahl sind oder – wie der designierte Abwehrchef Philippe Senderos – immer wieder verletzt. Aber was Hitzfeld in diesen Spielen und nun vor allem bei der Hauptprobe in Split sehen konnte, war doch dies: eine Mannschaft mit klaren Konturen, mit spielerischen Fähigkeiten, wie sie hierzulande überhaupt nicht selbstverständlich sind.

Es mag sein, dass die Abwehrkraft zurzeit nicht von der Qualität defensiv bester Tage ist, dafür ist das offensive Po­ten­zial zumal im Mittelfeld weit über dem für Schweizer Verhältnisse normalen Masse. Hauptverantwortlich dafür ist das Basler Duo von Ausnahmetalenten, Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. Ottmar Hitzfeld hat sein Kader in den vergangenen Monaten aber auch so zielgerichtet geführt, dass er noch in Split sagen konnte: «Eigentlich ist klar, wie wir in Slowenien spielen werden.»

Heute in drei Wochen spielt die Schweiz in Ljubljana um die ersten Reisepunkte an die WM in Brasilien. Das müsste die Startelf sein: Benaglio; Lichtsteiner, Djourou, von Bergen und – trotz mässiger Tagesform in Split – Rodriguez; Shaqiri, Behrami, Inler und Barnetta; davor Xhaka und Derdiyok. Mit Mario Gavranovic hat sich am Mittwoch einer an den Winterthurern Admir Mehmedi und Innocent Eme-ghara vorbeigeschoben und sich mit zwei Toren zur Alternative Nummer 1 als Sturmspitze gemacht.

Aber die drei Wochen können auch eine lange Zeit sein. Da kann am einen oder andern, wie Johan Djourou oder Steve von Bergen, schon wieder nagen, dass er im Klub kaum spielt; es kann einer verletzt ausfallen wie Senderos sicher oder wie am Mittwoch Eren Derdiyok. Aber geht man vom aktuellen Stand aus, dann weiss Hitzfeld genau, woran er ist. Garantien gibt es im Fussball nie, aber die Basis ist – wenn auch nicht so breit wie bei grossen Ländern – doch gut.

Gut genug jedenfalls dünkt einen für eine sehr reelle Chance in einer Gruppe mit – der Reihe nach – Slowenien, Albanien, Norwegen, Island und Zypern. Zähe Gegner allesamt, gegen die spielerische Qualitäten aber besonders wichtig sein werden. (hjs)

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