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Ein Tisch, ein Topf, ein Weitschussbogen

Nur ein wenig basteln oder ernsthaft und mit Anspruch handwerken: Beides ist in den städtischen Werkstätten an der Palmstrasse möglich. Sie sind komplett eingerichtet, und Fachleute leiten die Laien an.

«Das ist immer ein Akt von roher Gewalt», stöhnt Lukas Keller und zieht mit aller Kraft an dem Stück gebogenem Holz, das auf der Werkbank eingespannt ist. Wir befinden uns in der Holzwerkstatt der Quartierentwicklung an der Palmstrasse. Keller bringt gerade den Wurfarm eines Weitschussbogens in Form. Genauer: eines von ihm gebauten Osmanischen Reiterbogens. Das Gerät besteht aus mehreren Schichten Ahornholz und einem Hornüberzug. Damit das Schussgerät seine Krümmung bekommt, muss es gebogen werden. Das passiert mit Hilfe von Dampf. Dafür gibt es aber nicht etwa eine spezielle Maschine, der Bogenbauer weiss sich viel pragmatischer zu helfen: «Zwei elektrische Herdplatten, zwei Pfannen und Wasser reichen aus.» Vorwissen nicht zwingend In den beiden Werkstatträumen stehen die unterschiedlichsten Holzbearbeitungsmaschinen: Bandsäge, Tischfräse, Hobelmaschine, und neben dem Eingang steht sogar noch eine Drechselbank. «Die wird nach wie vor genutzt», sagt Werkstattleiter Willi Frauenfelder. «Kürzlich kam jemand vorbei, der die Staketen für ein neues Treppengeländer gedrechselt hat.» An der Kreissäge arbeitet an diesem Abend Walter Bachmann, der sonst als Tankrevisor tätig ist; und der Maler Daniel Stockmann baut eine Besteckschublade für seine Küche. Auch der Reiterbogenbauer Keller hat eigentlich keinen beruflichen Bezug zu Holz, sondern arbeitet tagsüber in einem Büro. Seit geraumer Zeit nutzt er die Holzwerkstatt aber regelmässig. «Mittlerweile habe ich mir sogar einen festen Abstellplatz für meine Werkstücke ergattert», sagt er und grinst. «Die meisten nutzen unser Angebot, um kleinere und grössere Möbelstücke wie Sideboards oder Kommoden zu bauen. Viele kommen auch, um defekte Stücke zu reparieren», sagt Frauenfelder. Jeden Dienstag- und Donnerstagabend von 18 bis 22 Uhr sind die Türen für alle offen, die sich handwerklich betätigen möchten. Ihnen steht die gesamte Infrastruktur zur Verfügung: 20 Franken pro Abend zahlen jene, die nur sporadisch vom städtischen Angebot Gebrauch machen. Eine vorgängige Anmeldung ist nicht erforderlich. Kurse ziehen neue Kunden an Für jene, die sich doch für einen regelmässigen Besuch entscheiden, gibt es Monats- oder Jahrespauschalen. Rund 15 Personen nutzen die Jahrespauschale, die ihnen den uneingeschränkten Zutritt zur Werkstatt erlauben. Im Preis inklusive: eine Einführung in die Handhabung der Werkzeuge. «Es ist wichtig, dass die Teilnehmenden wissen, wie sie die Maschinen bedienen müssen», betont der Werkstattleiter. Daneben bietet er spezifische Weiterbildungen an. Sehr gefragt seien etwa die Kurse für Holzoberflächenbehandlung und der Maschinenkurs im letzten Herbst gewesen. Die Mehrheit der Teilnehmenden waren Leute, welche die Werkstatt bis zu diesem Zeitpunkt noch nie genutzt hatten. Zwei Räume weiter berät Fränzi Iff eine Kursteilnehmerin bei der Auswahl einer passenden Glasur für ihr Tongefäss, dem sie gerade den letzten Schliff verleiht. Anschliessend hilft ihr die gelernte Töpferin, den Brennofen zu bedienen. Die komplett eingerichtete Keramikwerkstatt mit Töpferscheiben und Brennöfen gehört ebenso zum Angebot, das die Stadt an der Palmstrasse zur Verfügung stellt. Im Kellergeschoss befinden sich zudem ein Fotolabor sowie Räumlichkeiten für Siebdruck und Kunststoffbearbeitung. Während Holzwerkstattleiter Willi Frauenfelder in einem 60-Prozent-Pensum bei der Quartierentwicklung der Stadt angestellt ist und sich nebenbei auch noch um den Spielverleih kümmert, arbeiten die selbstständigen Fachpersonen der anderen Werkstätten unabhängig; jedoch mit einer entsprechenden Leistungsvereinbarung, die definiert, was angeboten wird. Entsprechend haben die Werkstätten unterschiedliche Öffnungszeiten. www.stadtentwicklung.winterthur.ch

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