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Ein trübes Kapitel

Der FCW ist eine Halbzeit lang nicht präsent, verliert gegen Vaduz 1:3 und muss nach zehn Runden fest­stellen: Er hat mit der Spitze der Challenge League nichts zu tun.

Die zweite Halbzeit mag ja in Ordnung gewesen sein. Man konnte sich gar eine Konstellation vorstellen, dass den nun wesentlich engagierteren und offensiveren Winterthurern nach dem 1:2 gar noch der Ausgleich gelingen könnte. Begraben waren diese Hoffnungen erst zu Beginn der Nachspielzeit, als Philipp Muntwiler das 3:1 für die Liechtensteiner erzielte. Die blieben mit diesem «Dreier» Leader der Liga, nun zwei Längen vor dem FC Schaffhausen, der gegen Wohlen patzte, und vier vor dem FC Wil, der gegen Chiasso stolperte. Aber in Erinnerung bleiben wird von diesem Match am ersten kühlen Herbstsonntag des Jahres vor allem dies: dass der FCW auch das zweite Duell gegen Vaduz (nach dem 0:4 im «Ländle») verlor, weil er in den Zweikämpfen physisch unterlegen war, weil er sich nach Abwehrfehlern schnell förmlich ins Abseits stellen liess. Oder weil es war, wie es später selbst ihr Trainer Boro Kuzmanovic drastisch formulierte: «So wie in der ersten Halbzeit können wir einfach nicht Fussball spielen.» Leites früher erster Patzer In dieser Halbzeit dauerte es gefühlt nahezu zehn Minuten, bis die Winterthurer überhaupt mal am Ball waren. In dieser Zeit hätten sie noch deutlicher in Rückstand geraten können als mit dem 0:2, wie es schon nach 20 Minuten feststand. Das erste Gegentor in der 8. Minute passte zum Auftritt des FCW im Allgemeinen und zur aktuellen Verfassung des Torhüters Christian Leite im Speziellen: Von Daniel Sereinig mit einem Rückpass angespielt, fand Leite keinen andern Ausweg, als den Ball dem Vaduzer Markus Neumayr in die Füsse zu spielen – und der nutzte die Chance mit einem trockenen Flachschuss via Pfosten aus rund 20 Metern. Dann verwerteten die Liechtensteiner einen ihrer stets gefährlichen Corner zum 0:2. Die Abwehr war zu kurz, der Winterthurer Ramon Cecchini drosch den Ball aus dem Hinterhalt ins Tor. Eine verunsicherte Winterthurer Mannschaft mit einem völlig verunsicherten Torhüter schleppte sich bis zur Pause – ohne weiteren Schaden. Das war schon erfreulich, denn die Vaduzer gewannen mit ihrem Aufgebot an harten Zweikämpfern doch die meisten Duelle. «Wir kamen besser ins Spiel», durfte ihr Trainer Giorgio Contini später sagen – im zurückhaltenden Stil eines Mannes, der wusste, dass seine Pläne aufgegangen waren. Zur Pause wechselte Kuzmanovic doppelt aus: Es kam der 18-jährige Debütant Simon Mesonero als Sturmspitze für Janko Pacar; es kam der geschwinde Tessiner Läufer Antonio Marchesano für Simon Grether, an dessen Stelle Captain Stefan Iten zum Rechtsverteidiger wurde. Nun entwickelten die Winterthurer doch jenen Stolz, den sie vorher hatten vermissen lassen. So einfach wollten sie es den Vaduzern dann doch nicht machen. Und wie sie nun nach vorne spielten und vor allem auch kämpften, das liess sich sehen. Anderseits: Es war nicht mehr von Belang für die Punkteverteilung. Es war mehr eine kosmetische Retusche, zumal sich ihr Torhüter bei Muntwilers Treffer einen weiteren Patzer erlaubte, als er völlig zur Unzeit aus dem Tor lief. Die Wahrheit der Tabelle Der FCW hat in den zweiten 45 Minuten seine treuen Zuschauer wenigstens besser unterhalten als vorher. Er hat wenigstens etwas für seine Reputation getan. Aber das ändert nichts an der Feststellung: Nach vier Niederlagen in den vier Spielen gegen die drei Tabellenersten aus Vaduz, Schaffhausen (1:2) und Wil (1:2) ist er folgerichtig nicht nur hinter diesem Trio klassiert. Er ist es auch mit einem Abstand von sechs bis zehn Punkten, was die wahre Einstufung ist: Der FCW ist in diesem Herbst nicht annähernd, was er zu werden versprach, nämlich eine Spitzenmannschaft. Vaduz mit seinem stabilen, harten, in den Zweikämpfen klar präsenteren Team hat ihm die Grenzen wieder unmissverständlich gezeigt. Natürlich fehlten wieder Stammspieler wie der gesperrte Patrick Bengondo oder der verletzte Kris Kuzmanovic. Es sass auch der eigentlich als Abwehrstütze geholte Patrik Baumann nur auf der Bank. Doch das durfte nie und nimmer reichen, dass die Mannschaft eine Halbzeit lang dermassen grandios durchfiel. Aber dann waren auch gravierende individuelle Defizite zu sehen. Der FCW hat zurzeit ein Torhüterproblem. Leite, vor anderthalb Jahren noch der beste Goalie der Liga, findet sich überhaupt nicht zurecht, seit er wegen einer Verletzung die ersten fünf Spiele verpasste. In den letzten vier Spielen verschuldete er gegen Wil (das 1:2 eine Viertelstunde vor Schluss), gegen Servette (das 1:1 in letzter Minute) und nun gegen Vaduz (das 0:1 und das 1:3) wichtige Gegentore. Der FCW kann aber auch Bengondo nicht ersetzen – wenigstens nicht durch Pacar, der seine Chance erneut nicht nutzte. Es muss sich der Trainer fragen lassen, war­um er Marchesano nicht von Anfang an einsetzte, war­um er nochmals Pacar vertraute. Es wirkte aber auch Sereinig diesmal nicht annähernd so dezidiert wie gewünscht; es zog Grether einen schwachen Tag ein; und es überzeugte Captain Iten zwar mit sehr viel Kampfgeist, aber nicht mit der Fitness, wie sie für einen zentralen Mittelfeldspieler hilfreich gewesen wäre. Das Tor des Debütanten Was zu erreichen ist nur schon mit Lauffreude und Mut, gepaart mit Talent, zeigte dann ja Mesonero. Er hatte am Samstag noch 75 Minuten mit der U21 gespielt, bis ihn Beobachter Kuzmanovic auswechseln liess, weil er in ihm eine Hilfe für den Sonntag sah. Mesonero, dessen Vater als Konditionstrainer beim FCW vorgesehen ist, setzte die Vaduzer gleich mehr unter Druck, unterstützt auch von Marchesano, besser unterstützt von andern, die erwacht waren. Nach 18 Minuten seines ersten Profispiels schoss er auch sein erstes Tor, mit dem Kopf nach einer Freistossflanke Radices. Positiv war auch, wie ein anderer aus der U21 verteidigte, Nico Zuffi in seinem dritten Spiel in Folge. Ein dritter aus dem eigenen Fundus, Patrik Schuler, wehrte sich immerhin früher als andere gegen das Ungemach. Das sei erwähnt. Dass ein trübes Kapitel geschrieben wurde, verhinderte es nicht. Und auch nicht die Feststellung, dass der FCW immer weiter davon entfernt ist, den zu Saisonbeginn formulierten Zielsetzungen ihres Trainers gerecht zu werden. (hjs)

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