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Ein unkonventioneller Manager vom Land

Liebhaberobjekt mit Charme: Etwa so könnte Heinz M. Schwyter, Geschäftsführer der Firma homegate.ch, sein eigenes Haus in Turbenthal auf dem Immobilienportal anpreisen. Protz und Prunk sucht man beim 56-Jährigen zu Hause vergebens. Das Grundstück mit etwas Umschwung misst 250 Quadratmeter. Der bescheidene Altbau, der wohl aus den 40er-Jahren stammt, wird noch mit einem Kachelofen – allerdings in modernerer Ausführung – geheizt. «Ich fühle mich hier immer noch wohl», sagt Schwyter, der wenig von schillernden Fassaden hält. «Am Schluss zählt immer der Inhalt.» Dies spiegelt sich auch in seiner Garderobe wider, die dem Klischee eines Managers nicht entspricht. Schwyter kommt meist in Jeans daher. Allerdings ist sein erfrischend einfacher Auftritt auch der Internetbranche angepasst, die nicht auf Anzug und Krawatte schwört. «Ich musste mir extra eine neue Garderobe zulegen.» Inzwischen fühle er sich aber in beiden Outfits wohl. Vor 19 Jahren ist Schwyter mit Frau und Tochter von Weisslingen ins Tösstal gezogen. Auf das Haus ist er damals noch durch ein Zeitungsinserat gestossen. «Wir waren von den Räumen begeistert, so wie sie waren», sagt Schwyter. Dadurch habe man auch den Zuschlag bekommen. Andere Interessenten dachten bereits laut dar­über nach, Wände herauszuschlagen. Das war nicht im Sinne der Besitzer. Es war vor allem der Wunsch seiner Frau, in einen Altbau zu ziehen. Sie deckelte auch das Budget beim Hauskauf. «Ich bin ihr ewig dankbar dafür, dass wir auf dem Boden geblieben sind», sagt ­Schwyter. Inzwischen gehen die beiden getrennte Wege, verstehen sich aber immer noch sehr gut. Schwyter ist in Müllheim TG aufgewachsen. Sein erstes Geld hat das Kind aus einer Arbeiterfamilie mit Austragen von Zeitungen und dem Verkauf von «Bürli» auf dem Schulpausenplatz verdient. Das meiste wurde gleich in Süsses investiert, das bis heute eine Leidenschaft geblieben ist. Nach der Schule absolvierte er eine kaufmännische Lehre in einer Werkzeugfabrik, in der sein Vater als Hilfsarbeiter tätig war. Ende der 70er-Jahre landete Schwyter bei den damaligen Winterthur-Versicherungen in der Abteilung «Technische Versicherungen» mit Maschinenbruch und Bauwesen. In der Folge wechselte er etwa im Fünf-Jahres-Rhythmus seinen Job innerhalb der Firma. Sein Aufstiegsrezept: «Man muss mit den Sekretärinnen gut auskommen.» In den 90er-Jahren ar­bei­te­te Schwyter an einer revolutionären Autoversicherung mit, die sich dem Fahrverhalten des Lenkers anpasst. Doch das Produkt war seiner Zeit voraus. Auch eine Pannenhilfe-Fahrzeugflotte war geplant. Sie kam aber nie zum Einsatz. «Wir mussten feststellen, dass die Akzeptanz dafür in der Bevölkerung gering war.» Es wäre als Angriff auf die In­sti­tu­tion TCS angeschaut worden. Nach rund 20 Jahren kündigte er bei den Winterthur-Versicherungen und erntete als damals über 40-Jähriger von Kollegen viel Bewunderung für seinen Entscheid. Im April 2001 stiess er dann zum Unternehmen homegate.ch, das kurz zuvor von der Zürcher Kantonalbank gegründet worden war. Im ersten Betriebsjahr wurde der damals führende Schweizer Immobilienmarkt Immopool ins Angebot integriert. Bald übernahm Schwyter mehr Verantwortung. Seit 2010 ist er nun Geschäftsführer der Firma, bei der Tamedia mittlerweile 90 Prozent der Aktien hält. Mit monatlich regelmässig über fünf Millionen Besuchern gehört homegate.ch heute laut eigenen Angaben zu den reichweitenstärksten Schweizer Online-Auftritten. Auf den Lorbeeren ausruhen kann sich die Firma aber nicht. «Wir müssen immer besser sein», sagt Schwyter. Dies ist auch seine Erkenntnis aus einer Studienarbeit, in der er sich mit der Frage beschäftigte, was passiert, wenn Google kommt und das eigene Geschäftsmodell kaputt macht. «Wir kämpfen im Internet mit der Gratismentalität», so Schwyter. Derzeit ist homegate.ch im Umbau begriffen, um sich den Nutzern von mobilen Geräten anzupassen. Über sich selber sagt Schwyter: «Ich bin weder Programmierer noch Analytiker.» Viel lieber entscheidet er aus dem Bauch heraus: «Das gab auch schon Probleme, weil ich eine Sache nicht mit Zahlen oder Statistiken belegen konnte.» Seine Aufgabe versteht er so: «Ich muss vorausschauen und neue Entwicklungen erkennen.» Diese werden dann von den rund 50 Mitarbeitenden umgesetzt. In seiner Freizeit ist ihm Bewegung wichtig. Der Turner ist derzeit Präsident der Turbenthaler Männerriege. Im Dorf ist er auch öfter auf dem Markt anzutreffen. «Der Einkauf und der Schwatz mit den Leuten war immer meine Domäne», sagt Schwyter, der sich auch schon in der Rechnungsprüfungskommission engagiert hat. Aktuell ist er Delegierter im neuen Tösstaler Altersheimzweckverband.

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