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Ein Wunder, dass niemand verletzt wurde

Ein Autohändler soll seine Wohnung aus Rache in die Luft gejagt haben. Ein Versehen, sagt sein Verteidiger.

Ein knapp 40-jähriger Autohändler aus Libyen stand gestern wegen schwerer Brandstiftung vor dem Bezirksgericht Zürich und wies die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück. Unbestritten war, dass seine frühere Mietwohnung in Wiedikon in der Nacht auf den 30. September 2012 in die Luft geflogen war. Die Druckwelle und der Nachfolgebrand richteten enorme Schäden an. Das Feuer beschädigte den Dachstuhl und zog gleich fünf Wohnungen in Mitleidenschaft. Zahlreiche Trümmerteile fielen auf die Strasse und beschädigten mehrere Personenwagen. Ein Teil der Bewohner musste evakuiert werden. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Der Sachschaden bezifferte sich auf weit über 700 000 Franken. Die Untersuchungsbehörden gingen schnell von einer vorsätzlichen Brandstiftung aus. Der Verdacht fiel dabei auf den Mieter der explodierten Wohnung. Dieser hatte unmittelbar nach dem Knall die Liegenschaft verlassen und sich nach Italien abgesetzt. Er wurde schliesslich in Genua von der Polizei festgenommen und an die Schweizer Behörden ausgeliefert. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich überzeugt, dass der vor der Kündigung stehende Mieter die Wohnung aus Rache in die Luft gejagt hatte. An fünf verschiedenen Stellen in der Wohnung war Benzin verschüttet worden. Zudem waren die Herdplatte und der Dampfabzug eingeschaltet, was dazu führte, dass sich die benzingeschwängerte Luft entzündete. Unfall geltend gemacht «Ich war damals im Stress», wehrte sich der Beschuldigte vor Gericht. Einerseits hätte er infolge schleppender Zahlungen bereits am 1. Oktober aus der Wohnung ausziehen sollen. Andererseits sei er unter Druck gestanden, ein Auto von Italien nach Nordafrika zu exportieren. Von der Explosion habe er erst in Genua erfahren. Der Beschuldigte gab eine fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst zu und machte einen Unfall geltend. Staatsanwältin Claudia Kasper sprach von einer Vorsatztat und verlangte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Sie verwies auf das eindeutige Spurenbild am Tatort. Als Tatmotiv benannte sie Wut über die Wohnungskündigung. Verteidiger Lorenz Baumann hingegen zeigte sich überzeugt, dass kein Zweifel an einem Unfall bestehe. Weshalb sollte der Autohändler seine Wohnung samt Geldbeträgen zerstören, wollte er wissen. Eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 30 Franken sei angemessen. Der Entscheid des Gerichts soll am kommenden Montag eröffnet werden.

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