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Eine ausserordentliche Verbindung

«Pellegno» nennen Iris Dressler und Kristin Kohler ihre Kreation – Handtaschen aus Leder und Holz. Die Drechslerin und die Taschenmacherin sind gefordert.

Handtaschen haben aus Leder oder Stoff zu sein, so die gängige Erwartung. Und beim Drechslerhandwerk denkt man für gewöhnlich an Pfeffermühlen oder Tischbeine. Aussergewöhnlich sind daher die gemeinsamen Kreationen der Marthaler Drechslerin Iris Dressler und der Winterthurer Taschenmacherin Kristin Kohler. Die Frau vom Land und die Frau aus der Stadt haben sich zusammengetan, um Handtaschen aus Holz und Leder anzufertigen. Die beiden Materialien liessen sie in der italienischen Wortschöpfung «Pellegno» miteinander verschmelzen – la pelle (Leder), il legno (Holz). Dressler und Kohler lernten sich vor fünf Jahren an einem Geburtstagsfest einer gemeinsamen Freundin kennen. Bald darauf nahmen sie sich vor, einmal zusammen etwas zu kreieren, Schmuck zum Beispiel. Jede hoffte auf die andere Dann, vor rund eineinhalb Jahren, wurde Dressler von jemandem gefragt, ob sie eine Holzhandtasche drechseln könne. «Sicher nicht!», gab sie ungläubig und überrumpelt zur Antwort. Doch schon kurze Zeit später packte sie der Ehrgeiz. In der Nacht drehten sich ihre Gedanken um eine Handtasche aus Holz, und am anderen Morgen hatte sie eine Idee, wie es funktionieren könnte – und vor allem, mit wem: Kristin Kohler. Auch die Winterthurerin war anfangs skeptisch. «Ich dachte, Taschen aus Holz würden zu rustikal», erzählt Kohler. Und Dresslers gedrechselte Schalen fand sie zwar schön, «doch wie verbinde ich hartes Holz und weiches Leder zu einer Tasche?», fragte sie sich. Das Verbinden der zwei Materialien war die sinnbildliche Schnittstelle zwischen den beiden Frauen, die normalerweise getrennt arbeiten. Der Weg von der Idee zum Prototyp war harzig, es stellten sich viele technische Probleme, etliche Versuche waren nötig. «Jede hoffte, die andere löse das Problem», erzählt Dressler schmunzelnd. Welche gemeinsamen Lösungsmöglichkeiten sie hatten, mussten sie zuerst herausfinden. Sie hatten auch Taschen-Ideen, die dann aber an der Umsetzung scheiterten. Eine Gratwanderung «Zwischen einem Gebrauchsgegenstand und einem Kunstobjekt», so charakterisiert Kohler die Taschen. «Wenn die Zierde auch Funktion ist», so umschreibt Dressler den schmalen Grat, auf dem sich die beiden Handwerkerinnen ständig bewegten. Als Beispiel nennt sie die gedrechselten Holzkügelchen samt Stift. Beim trommelförmigen Modell verbinden sie über eine Nut in der Schale einerseits Leder und Holz miteinander, andererseits sind sie ein Blickfang (siehe Bild). «Ein Mauerblümchen kauft eine solche Tasche wohl nicht», sagt Kohler mit einem Lachen. Für die verschieden grossen Versionen verwendete Dressler vier Holzarten: Ahorn, Kirsche, Nussbaum und Birne. Die abnehmbaren Taschenhenkel gibt es in einer kurzen und langen Ausführung. Für ihre erste Ausstellung und darüber hinaus fertigen die beiden Frauen weitere Modelle an. Schale und Innenleben Ein geplantes Modell ähnelt einer Muschel – zwei gewölbte Holzschalen von Dressler, das Innenleben aus Leder von Kohler. Gemeinsam stellen sie sich die Verbindung von beidem so vor: Oben werden die Schalen mit einem Magneten zusammengehalten, unten mit einem Scharnier aus dem Holz der beiden Schalen. Zugleich soll die Tasche auf dem Holzscharnier stehen – ob es gelingt, das werden sie noch herausfinden.

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