Zum Hauptinhalt springen

Eine Bambuskuppel, die auf der ganzen Welt zum Einsatz kommen könnte

Bambus lässt sich nur schwer zusammensetzen. Doch nun hat der ehemalige Brüttemer Hans Egli ein ­System erfunden, mit dem Not- und Wohnunterkünfte in Entwicklungsländern erstellt werden könnten.

In Brütten steht derzeit eine echte Weltneuheit: eine vier Meter hohe Kuppel aus Bambusstangen, die in Drei-, Fünf- und Sechs­ecken angeordnet sind. Das Herzstück der Konstruktion bilden Manschetten aus Metall, die millimetergenau verstellbar sind und die unterschiedlich dicken Bambusstangen zusammenhalten und stabilisieren. Entwickelt hat das Patent der pensionierte Ingenieur Hans Egli. Weil der 79-Jährige an seinem heutigen Wohnort in Eschlikon TG zu wenig Platz hat, ist er auf den Garten seiner Tochter in Brütten ausgewichen, wo er selber früher gelebt hat.

Die Erfindung ist in erster Linie für Entwicklungsländer gedacht, wo Beton zum Bauen rar ist. So könnten einfache Not- und Wohnunterkünfte aus Bambus oder auch Holz erstellt werden. Aber auch eine Nutzung in Höhenlagen bei uns ist denkbar. Neben der Kuppel sind auch andere Konstruktionen möglich: etwa Unterstände oder Gerüste.

Haiti als Auslöser

«In Entwicklungsländern hat es zwar viel Bambus, aber der gute Baustoff lässt sich nicht so einfach zusammensetzen», erklärt Egli. Das Problem: Die Bambusstangen wachsen nicht kerzengerade und weisen diverse Grössen und Wandstärken auf. Einfache Konstruktionen, die mit Seilen oder Schrauben zusammengehalten werden, sind nicht stabil genug. Trotzdem werden sie zum Teil noch immer für den Gerüstbau genutzt. «Über Einsturzopfer spricht einfach niemand.»

Bei anderen Bambuskonstruktionen handelt es sich jeweils um Einzelanfertigungen. Daher hat sich Egli hinter eine Patentlösung geklemmt. Auslöser dafür war das Erdbeben in Haiti, wo Notunterkünfte ein Problem waren. «Dort hätte es auch Bambus, aber man kann ihn nicht richtig nutzen.»

Erste Überlegungen hat Egli bereits vor zwei Jahren angestellt. In diesem April ist seine Patentanmeldung publiziert worden. Ende September sollte das Patent erteilt werden. Recherchen haben ergeben, dass es für Bambusverbindungen tatsächlich nur Einzellösungen gibt. Eglis System lässt sich dagegen auf praktisch alle Bambusstangen anwenden.

20 000 Franken investiert

Für den Prototyp hat der Tüftler kurzerhand selber Hand angelegt. 20 000 Franken hat Egli in das Material investiert. Um die Konstruktion im Boden zu verankern, wären Betonfundamente von Vorteil. «Es funktioniert aber auch mit Holzpfählen oder Steinen», so Egli. Für die Manschette hat er eine automatisierte Produktion entwickelt, damit diese serienmässig hergestellt werden könnte. Die Exemplare für die Testkuppel liess er in einer Pfäffiker Firma produzieren. Womit die Kuppel bedeckt werden soll, überlässt er anderen Tüftlern.

Wie die Hilfsorganisationen auf seine Erfindung reagieren werden, weiss Egli noch nicht. Bisher hat er zwei Anfragen aus Indien erhalten. «Es ist ein grosser Markt.» Trotzdem macht er sich keine allzu grossen Hoffnungen. Ein bisschen graut ihm sowieso vor dem Stabilitätstest bei der Empa. «Das kostet wiederum viel Geld.»

Rund um die Welt im Einsatz

Egli engagiert sich bereits länger für die Entwicklungshilfe. Die Stiftung Swisscontact hat ihn 2000 ins Projekt Senior Expert Corps geholt, das von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) unterstützt wird. Dabei handelt es sich um einen Pool an pensionierten Baufachleuten, die ehrenamtlich Betriebe in Entwicklungsländern unterstützen. Sein nächster Einsatz wird in Kathmandu sein.

Zuvor war Egli, der in Brütten als Bauernsohn aufgewachsen ist, Baustellenmanager bei ABB und Alstom. Er hat für beide Firmen praktisch in der ganzen Welt thermische Kraftwerke gebaut. «Nur in Grönland nicht.» Ursprünglich hat Egli Zimmermann gelernt, später absolvierte er die Polierfachschule und bildete sich am Abendtechnikum im Hochbau weiter.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch