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Eine Fusion gegen Amazon

zürich. Im Schweizer Buchhandel kommt es zu einer Elefantenhochzeit. Orell Füssli und Thalia legen ihr Schweizer Buchhandels­geschäft zusammen. 40 bis 50 Stellen dürften verloren gehen.

Die Zusammenarbeit zwischen Thalia und Orell Füssli kommt zwar unerwartet. Eine Überraschung ist dieser Schritt jedoch nicht. So meldete Orell Füssli, die Nummer drei im Schweizer Buchhandel, schon seit Jahren sinkende Umsätze und Gewinne im Buchhandel. Thalia, der Nummer zwei, dürfte es nicht besser ergangen sein. Die Zusammenlegung des Buchhandelsgeschäfts ist jetzt die Konsequenz dieser unerfreulichen Entwicklung. Die Gründe für diesen Schritt sind dabei klar. Einerseits leidet der Buchhandel seit Langem unter einem Schwund an Lesern. Laut Orell-Füssli-Chef Michel Kunz sinken die Umsätze des Buchhandels allein aus diesem Grund jährlich um 1 bis 2 Prozent. Anderseits wandern immer mehr Kunden ins Internet ab, wobei vor allem Amazon diese Umwälzung zu nutzen wusste. Laut Kunz dürfte der US-amerikanische Onlinehändler im deutschsprachigen Raum bereits einen Marktanteil von 20 Prozent erreicht haben. Nur noch eine Onlineplattform Die Zusammenarbeit betrifft dar­um auch vor allem das Internet. Denn dort seien die Investitionen erheblich, sagt Kunz. «Nur durch Bündelung können wir genug Substanz erreichen, um der ausländischen Konkurrenz Paroli bieten zu können.» In Zukunft soll es dar­um für Orell Füssli und Thalia nur noch eine einzige Onlineplattform geben. Laut Kunz ist der heutige Stand der Planung, dass buch.ch, das Internetportal von Thalia, weitergeführt wird. Orell Füsslis eigenes Portal, books.ch, dagegen soll höchstens noch für den Verkauf von englischen Büchern genutzt werden. Definitiv entschieden wird jedoch erst, wenn die Wettbewerbskommission die Fusion bewilligt. Kunz erwartet, dass der Entscheid im Herbst fallen wird. Die eigentliche Zusammenführung des Geschäfts soll dann Anfang 2014 erfolgen. Erst im Herbst soll auch entschieden werden, ob es zu einer Bereinigung des Filialnetzes kommt. Die beiden Unternehmen betreiben heute insgesamt 36 Filialen in der Schweiz, wobei es nur in Winterthur, St. Gallen und Basel Filialen von beiden Buchhändlern gibt. Sparpotenzial im Einkauf Mit der Fusion wollen Orell Füssli und Thalia natürlich vor allem eines: die Kosten senken. Laut Kunz sind Syner­gie­n beim Marketing, in der Informatik, in der Logistik und im Einkauf zu erwarten. Die gemeinsame Beschaffung soll dabei jedoch nicht nur zu geringerem Aufwand, sondern auch zu tieferen Einkaufspreisen führen. Dies insbesondere in Deutschland, woher 80 Prozent aller in der Schweiz verkauften Bücher stammen. Thalia Schweiz hat jedoch über den deutschen Mutterkonzern Thalia, Orell Füssli über seinen Grossaktionär, das deutsche Buchhandelsunternehmen Hugendubel, bereits heute ge­gen­über den deutschen Verlagen eine beträchtliche Einkaufsmacht. Laut Kunz sind zum heutigen Zeitpunkt diese Spar- und Syner­gie­effekte noch nicht bezifferbar. Klar ist jedoch, dass die Fusion zu einem Stellenabbau führen wird. In den nächsten eineinhalb Jahren dürften 40 bis 50 Stellen abgebaut werden, sagt Kunz. Heute beschäftigt Orell Füssli im Buchhandel 400 Mitarbeiter, bei Thalia sind es 650. Die Gewerkschaft Syndicom will sich dafür einsetzen, dass die Zahl der Entlassungen so gering wie möglich ausfällt.

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