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Eine herzerwärmende Reise

Die Luzernerin Andra Borlo vertrieb am Samstag das nass­kalte Wetter und entführte das Publikum auf eine musikalische Reise durch Lateinamerika.

Eine Luzerner Sängerin, ein spanischer Flötist, ein Schlagzeuger aus dem Senegal und ein argentinischer Gitarrist: Multinationaler könnte das Quartett nicht sein, das am Samstag in der vollen Dimensione-Bar aufspielte. Die Kombination machte Sinn, denn es wurde Musik aus Süd- und Mittelamerika gespielt, die ursprünglich aus Spanien und Afrika den Weg in die Neue Welt gefunden hatte.

Ein Hauch von südamerikanischer Lebensart hatte sich schon Stunden vor Konzertbeginn im Lokal festgesetzt: Passend zum Konzert von Andra Borlo und Sonidos del Sur wurde ein südamerikanisches Essen serviert. Nach der Kalorienzufuhr wäre eigentlich ein Tanzabend angesagt gewesen, die Musik hätte dies auch problemlos zugelassen. Bloss: Der Platz dazu fehlte. Die vordere Reihe sass praktisch auf der Höhe der Sängerin, was Bewegungsfreiheit nahezu verunmöglichte. Immerhin: Mitklatschen im Rhythmus war noch möglich, was das Publikum auch im nicht ganz einfachen Offbeat beherrschte.

Wer die Karriere von Andra Borlo in den letzten Jahren mitverfolgt hatte, war über die musikalische Bandbreite wenig überrascht. Mitgebracht hatten die Luzernerin, Querflötist und Bassist Juan Manuel Gomez, Perkussionist Omar Djadji Seydi und Carlos Ramirez an der akustischen Gitarre eine breite Palette lateinamerikanischer Musik: Tango aus Ramirez’ Heimat Argentinien, dazu kubanischen Bolero, ein Candombe aus Uruguay, Mariachi-Musik aus Mexiko oder einen brasilianischen Samba.

Mit einer Blume im Haar

Die studierte Politologin Borlo lebte früher in Bern und New York. Von der Zeit im «Big Apple» war auch ihre erste CD geprägt, ein Mix aus Pop, Blues, Soul und Rock. Für das zweite Album reiste Borlo nach Buenos Aires, wo sie ihren heutigen Lebenspartner Carlos Ramirez traf. Die angloamerikanischen Lieder und Texte wichen zunehmend spanischer und lateinamerikanischer Musik. Bis auf zwei Stücke, dar­un­ter die Interpretation eines Etta-James-Klassikers als letzte Zugabe, sang Borlo vornehmlich auf Spanisch. Dass eine Schweizerin am Mikrofon stand, hörte man nur den zahlreichen Ansagen in Luzerner Mundart an, die sich mit den Canziones und ihren Inhalten auseinandersetzten. Ansonsten versprühte die Frontfrau im roten Rock und mit einer weissen Blume im Haar Authentizität und südamerikanisches Flair mit akzentfreiem Spanisch, wie man es von einer Schweizerin wohl nur selten zu hören bekommt.

Auch Carlos Ramirez durfte einige Lieder singen, was eine perfekte Ergänzung darstellte. Zu seinem persönlichen Höhepunkt geriet das mexikanische Traditional «Mariachi», das in der Melodieführung der Strophe frappant Mani Matters «Alpeflug» ähnelte. Verblüffend war weniger diese Verwandtschaft, sondern das harmonische Zusammenspiel eines Quartetts, das sich vor nicht allzu langer Zeit bei einer Jamsession an einem Geburtstagsfest kennen gelernt hatte. Wie Blockflöte und akustische Gitarre miteinander kommunizierten und dem Schlagzeug trotzdem Freiheit zur Improvisation zugestanden, war atemberaubend. Der Sound liess über weite Strecken die Texte in den Vordergrund treten, die immer wieder von gebrochener Liebe handelten. Sehr traurig, aber immer sehr schön. Das Publikum hätte den Sonidos del Sur gerne noch lange zugehört, es musste aber nach vielen Zugaben mit der südamerikanischen Sonne im Herzen den Heimweg durch den Nieselregen antreten.

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