Rheinau

Eine Kanadagans ganz allein in Rheinau

Artgenossen sind weit und breit keine zu sehen.Bei der Klosterinsel Rheinau lebt seit knapp einem Jahr eine einzelne Kanadagans. Die Jagdverwaltung hat ein Auge auf sie.

Die Kanadagans von Rheinau fällt auf und wird einstweilen auch von offizieller Seite geduldet.

Die Kanadagans von Rheinau fällt auf und wird einstweilen auch von offizieller Seite geduldet. Bild: Markus Brupbacher

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Kürzlich an einem frühen Morgen bei der kleinen Spitzkirche auf der Klosterinsel Rheinau. Keiner ist da, ausser die Kanadagans nahe am Ufer. Mit ihren weissen Wangen und den warmen Erdfarben fällt sie auf.Der «Landbote» berichtete im August das erste Mal über die Gans, die eigentlich in Nordamerika zu Hause ist. Nun, die einzelne Kanadagans ohne Artgenossen ist noch immer in Rheinau. Weiter draussen im Rhein schwimmen ein paar schneeweise Höckerschwäne, die Köpfe abwechslungsweise unters Wasser tauchend. Dann sucht die Gans die Nähe zu einem der Schwäne, der sie kurz anfaucht. Später putzen die beiden nebeneinander ausgiebig ihr Federkleid.

Vielleicht gehört sie jemandem

Über die Online-Plattform www.ornitho.ch seien bei der Schweizerischen Vogelwarte Sempach sieben Meldungen über eine Kanadagans in Rheinau eingegangen, die erste am 14. Januar 2018. Das sagt Michael Schaad, Biologe und Mediensprecher der Vogelwarte. Es handelt sich dabei vermutlich um ein und dasselbe Tier. Dass die Gans einen Ring am Fuss trage und wenig scheu sei, könne ein Hinweis darauf sein, dass sie irgendwo entwichen sei. In der Fachsprache wird hierbei von einem Gefangenschaftsflüchtling gesprochen. In der Schweiz gebe es bislang keine eigentlichen Populationen von Kanadagänsen, sondern bloss vereinzelte Individuen. Auch sind laut Schaad bisher nur wenige Bruten nachgewiesen worden. Doch wie die Rostgans oder die Nilgans ist auch die Kanadagans keine einheimische Vogelart. All diese Gänse sind entweder einst irgendwo als Ziervögel in die freie Wildbahn ausgebüxt oder als Jagdwild absichtlich ausgewildert worden. Und weil diese Gänse einheimische Vögel stark konkurrieren können, etwa bei den Brutplätzen, will der eidgenössische Gesetzgeber diese Tiere nicht in der Natur haben. So ist beispielsweise die Haltung einer Kanadagans bewilligungspflichtig. Für die Um- und Durchsetzung der gesetzlichen Bestimmungen des Bundes sind die Kantone zuständig. Die Vogelwarte begrüsse es, sagt Schaad, dass die einheimische Fauna vor solchen gebietsfremden Tierarten geschützt werde. Im Falle der Rheinauer Kanadagans sieht er den Kanton Zürich in der Verantwortung. «Ideal wäre es, wenn die Gans aufgrund ihres Rings dem Besitzer zurückgegeben werden könnte.» Generell befürwortet die Vogelwarte präventive Massnahmen, bevor ein Problem entsteht – sprich: Die gebietsfremden Tiere sich rasch vermehren. Im Falle einer einzelnen Gans sei das Problem zwar noch gering. Gleichzeitig aber wäre es im Moment auch noch einfach einzugreifen. «Es ist rasch zu spät.» Im Sinne der Prävention ist der Vogelwarte eine weitere Botschaft besonders wichtig: Tierhalter sollen unbedingt dafür sorgen, dass keine Vögel aus ihren Volieren entweichen, «denn hier fängt das Problem an», sagt Schaad. Auch das Aussetzen gebietsfremder Tiere ist eine schlechte Idee. Noch immer würden vereinzelte Leute irrigerweise denken, «dass sie damit die Natur bereichern».

Einst ein Zier- und Jagdvogel

Die kantonale Jagdverwaltung hatte bis im August keine Kenntnis von der Rheinauer Kanadagans. In der Regel würden Neozoen, also nicht-einheimische Tiere, aus der Wildbahn entfernt, hiess es damals auf Anfrage. Da es sich hierbei um ein Einzeltier handle und damit die Gefahr einer Weiterverbreitung eher klein sei, werde man die Situation beobachten. Ein Eingriff dränge sich vorläufig nicht auf.

Die Kanadagans, lateinisch Branta canadensis, ist im 17. Jahrhundert aus Nordamerika als Zier- und Jagdvogel in Europa angesiedelt worden, zuerst in England. Die Nachkommen leben heute vor allem zwischen Grossbritannien und Finnland. In der Schweiz kommt die Gans einzeln oder in kleinen Gruppen vor, meist in der Nähe grosser Seen. Im Jahr 2012 brütete eine Kanadagans zum ersten Mal erfolgreich bei Lausanne am Genfersee. Es ist möglich, dass weitere Bruten am Genfersee unentdeckt blieben. In Deutschland und Frankreich nimmt die Zahl der Kanadagänse stetig zu.

Mit Flugzeug kollidiert

Im Jahr 2009 notwasserte Pilot Chesley «Sully» Sullenberger seinen Airbus auf dem Hudson River, alle 155 Menschen an Bord überlebten. Der Grund für das Unglück waren – Kanadagänse. In etwa 1000 Metern Höhe kollidierte das Flugzeug mit den durchziehenden Gänsen, deren Überreste wurden danach in den Triebwerken gefunden. Später liess die Stadt New York aus Sicherheitsgründen 2000 Kanadagänse an ihren Flughäfen töten. Die Tiere wurden im Umkreis von acht Kilometern um die Flughäfen John F. Kennedy und La Guardia eingefangen und getötet.

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Erstellt: 26.12.2018, 15:22 Uhr

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