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Eine Kathedrale für Rembrandt

amsterdam. Nach zehn Jahren Umbau wird das Amsterdamer Reichsmuseum, die nationale Schatzkammer der Niederlande, am kommenden Samstag wiedereröffnet. Wie bei einem Popkonzert haben bereits 50 000 Menschen für den Anlass eine Karte erworben.

Der grosse Bau des niederländischen Nationalmuseums am Museumplein in Amsterdam beherbergt viele Sammlungen, im Zen­trum steht die Malerei aus dem Goldenen Zeitalter der Niederlande, und natürlich ist der stärkste Magnet des Hauses, das pro Jahr bis gegen eine Million Besucher anzog, Rembrandt. Zehn Jahre lang war das wichtigste Museum der Niederlande eine Baustelle. Es gab eine Kette von Rückschlägen und negativen Schlagzeilen. Der Umbau dauerte sechs Jahre länger als erwartet und kostete mit rund 375 Millionen Euro ein Drittel mehr als geplant.

Das alles wird vergessen sein, wenn Königin Beatrix den Kunsttempel am Samstag eröffnet. Ein langer oranger Teppich wird auf dem Museumsplatz ausgerollt. Und der Museumplein nimmt seine Stellung als kulturelles Zen­trum der Niederlande und Magnet für Touristen aus aller Welt wieder ein. Gross ist die Begeisterung der Amsterdamer darüber, dass das «Rijks», wie sie liebevoll sagen, sich wieder mit den wichtigsten Museen der Welt wie dem Louvre in Paris, dem Prado in Madrid oder dem Metropolitan Museum in New York messen kann und dass die Stadt in Sachen Kunst wieder komplett ist: Das Stedelijk Museum für moderne Kunst wurde nach jahrelanger Bauzeit bereits im September eröffnet. Und der Nachbar, das Van-Gogh-Museum, folgt am 2. Mai. Ein quälendes Jahrzehnt voll Baustellen und ohne tonangebende Museen geht zu Ende.

Neue Wertschätzung

Königin des Platzes ge­gen­über dem weissen, verspielten Concertgebouw ist das Reichsmuseum. Architekt Pierre Cuypers hatte es 1885 als Tor zur Stadt fertiggestellt. Durch die zwei Türme hindurch radelten die Amsterdamer vom 400 Jahre alten Grachtengürtel zu den neueren Stadtvierteln aus dem 20. Jahrhundert. Aber Cuypers errichtete vor allem eine Kathedrale für Rembrandt. Genau das war schon immer das Problem. Das Meisterwerk des katholischen Architekten Cuypers war den calvinistischen Holländern ein Gräuel. Im 20. Jahrhundert wurde es zahllose Male dem sachlichen Geschmack der Zeit und den Bedürfnissen angepasst. Wandmalereien wurden überpinselt, der italienische Terrazzoflur musste Linoleum weichen, und die Innenhöfe wurden mit kleinen Kabinetten vollgebaut. Aus dem Reichsmuseum wurde ein düsteres Labyrinth. «Wir haben das Gebäude gereinigt», sagt der Architekt Antonio Ortiz mit leichter Untertreibung.

Alte Pracht wiederhergestellt

Denn das spanische Architektenduo Cruz y Ortiz stellte nicht nur das Cuypers-Gebäude in voller Schönheit wieder her. Mit Anbauten, einem asiatischen Pavillon und neuesten technischen Installationen baute es ein Museum der modernsten Art. Die Innenhöfe wurden wieder freigelegt und miteinander verbunden. Unter grossen Glasdächern entstand eine elegante, lichtdurchflutete Eingangshalle für die erwarteten bis zu zwei Millionen Besucher im Jahr. Im ersten Stock begegnet man der alten Pracht Cuypers’: Ornamente an den Säulen, hohe Fenster, ein neuer Terrazzoboden, Wandmalereien zu Szenen der niederländischen Geschichte.

Dar­über wölbt sich die reich verzierte Decke wie in einer gotischen Kathedrale. Es ist die Vorhalle zum eigentlichen Heiligtum, der Ehrengalerie in einer majestätischen Halle mit hohen Spitzbögen. Links und rechts strahlen an dunkelgrauen Wänden die weltberühmten Werke der holländischen Meister des 17. Jahrhunderts: Vermeer, Frans Hals, Jan Steen. Und am Ende der Galerie hängt das Werk, für das Cuypers das Museum errichtete: «Die Nachtwache» von Rembrandt.

Es ist das einzige Bild, das an seinen ursprünglichen Platz zurückkehrte. Das Reichsmuseum zeigt in 80 Sälen 8000 Objekte seiner Sammlung, die rund eine Million Stücke umfasst. Sie erzählen 800 Jahre Geschichte der Niederlande. Neu ist auch die Darstellung der Kunst; Gemälde werden oft mit historischen Objekten in Verbindung gebracht. So sind vor einem Gemälde über die Walfischjagd der Niederlande kleine Wollmützen von Arbeitern auf Spitzbergen zu sehen: «Die Besucher sollen das Gefühl von Schönheit umarmen und das Bewusstsein der Zeit erleben.»

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