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Eine kleine Hürde übersprungen

Alles andere als ein Sieg des FCW in Wohlen wäre eine grosse Enttäuschung gewesen. Und eigentlich war auch unmöglich, gegen diesen Gegner zu verlieren. Also siegte der FCW 3:0.

Man wagte es gar nicht, sich dieses Szenario aus Winterthurer Perspektive vorzustellen: Der FCW verliert in Wohlen, der FC Schaffhausen gewinnt in Locarno oder der FC Vaduz daheim gegen Lugano – und dann sind die Winterthurer noch Achter der Challenge League, zehn Punkte hinter der Spitze. Nach einem Meisterschaftsviertel hochgerechnet auf die ganze Saison hiesse das: Der FCW macht 40 Punkte weniger als die Besten dieser Liga, von denen er also weit entfernt ist. Die Schaffhauser und die Liechtensteiner siegten dann zwar, aber der «worst case» für den FCW traf doch nicht ein: Er war doch gut genug, das Schlüsselspiel auf den Wohler Niedermatten am Ende sicher zu gewinnen. Er ist danach immerhin Vierter, aber auch sieben Punkte Rückstand sind doch schon ziemlich happig. Vaduz am Sonntag auf der «Schützi» und Wil eine Woche später auswärts wären dann zwei der drei Spitzenklubs, die zurückgebunden werden könnten (und müssten). Zweimal Marco Aratore Entschieden war das Spielchen im Freiamt in der 73. Minute, als sich Remo Freuler im gegnerischen Strafraum entschlossen durchsetzte, den Ball von der Grundlinie zu Marco Aratore zurückspielte und dieser aus sechs Metern nicht minder dezidiert abschloss. Dieses 2:0 zog den Aargauern das letzte «Zähnchen», denn von veritablen Zähnen war bei ihnen ja nicht zu reden. In der Endphase war dann noch das 3:0 zu sehen, als Luca Radice mit einem Pass und Ariel Dakouri mit einem Ball, der wohl eher als Schuss gedacht war, aber in den Füssen seines Kollegen landete, die Vorarbeit für Davide D’Acunto leisteten. Der schloss dann aus der Drehung heraus und im Stil eines Stürmers erfolgreich ab – zu seinem ersten Tor bereits im zweiten Kurzeinsatz als Defensivkraft. Ein 3:0 musste man gegen einen Gegner dieses Zuschnitts als Minimum werten. Aber bis zum zweiten Tor hatten eben auch die Winterthurer nicht überzeugend und – vor allem – ohne Überzeugung gespielt. Sie hatten zwar erkennen lassen, über die besseren Spieler zu verfügen, also im Prinzip die klar bessere Mannschaft zu sein. Aber umgesetzt hatten sie es viel zu wenig. Zwar waren sie defensiv kaum je in Schwierigkeiten geraten. Aber sie hatten sich im Spiel nach vorne so viele Zaghaftigkeiten und Ungenauigkeiten geleistet, dass es bedenklich lange beim 1:0 geblieben war. Und das war – in der 36. Minute – ein Elfmeter gewesen, den Aratore nach einem Foul Mario Bühlers an Radice verwertet hatte. Den Elfmeter zu pfeifen war korrekt, auch wenn keine Grobheit vorlag. Vor und nach all diesen Toren hatte es eine Szene gegeben, in der die Winterthurer in ernsthafte Schwierigkeiten hätten geraten können. In der 19. Minute flog ein Flankenball in den FCW-Strafraum; er flog über Goalie Christian Leite hinweg, der den Ball falsch eingeschätzt hatte. Zu seinem Glück vergab João Paiva mit seinem Kopfball ins Aussennetz die einzige Torchance der Aargauer. Wenig später schied der brasilianische Stürmer verletzt aus. Danach hatten die Freiämter keinen Angreifer mehr, der wenigstens ein gewisses Potenzial erkennen liess. Wohlens bescheidene Qualität Der FC Wohlen spielte wie eine Mannschaft, die von acht Spielen nur eines gewonnen hat, der – bei allem guten Willen – jegliche Sicherheit abgeht und deren individuelle Qualität auch bescheiden ist. Aber auch die Winterthurer liessen lange Zeit die Selbst- und Stilsicherheit vermissen, die eine nominelle Spitzenmannschaft auszeichnen müsste. Es war eben nicht zu übersehen, dass der FCW durch den mässigen Saisonstart und die zu wenig konstanten Resultate gezeichnet ist. Dazu war die Liste der Absenzen ungewohnt lang. Ihre Chancen erhielten deshalb Janko Pacar als Sturmspitze und Antonio Marchesano als Flügelspieler. Pacar war ein weiteres Mal insgesamt zu zögerlich, und er vergab nach 70 Minuten die bis dahin grösste Chance zum 2:0. Nach einem – ausnahmsweise – sehr guten Angriffszug konnte er gleichsam einen «Elfmeter» treten, scheiterte aber am Torhüter. Marchesano hatte einzelne gute Szenen, vor allem zu Beginn der zweiten Halbzeit. Aber eigentlich hätte man gedacht, er sei schon zu etwas mehr Einfluss fähig. Also war am Ende zu sagen, die Abwehr ums defensiv sichere Duo Daniel Sereinig/Nico Zuffi habe ihre Pflicht erfüllt, ohne nennenswerten Patzer. Den einzigen beging – ungestraft – Leite. Im Mittelfeld liess Radice phasenweise seine Qualitäten aufblitzen, als er den Ball energisch aufs gegnerische Tor zutrieb. Aber er verschwand zwischendurch wieder von der Bildfläche. Freuler war konstanter; er machte eigentlich einen soliden Match. Und dann war da noch Aratore, der in diesem ersten Meisterschaftsviertel der eindeutig torgefährlichste Winterthurer ist. Er hat nun schon sechs Treffer und zwei Assists dazu auf seinem Konto; er hat in jedem der vier letzten Spiele getroffen. Trainer Boro Kuzmanovic war hinterher einfach mal zufrieden, dass auch ohne mehrere Teamstützen diese Hürde übersprungen werden konnte. Hoch war sie gewiss nicht, aber irgendwie lud sie zum Stolpern ein ... Wenigstens ist danach der erste Sieg zu registrieren gegen eine Mannschaft, die nicht aus dem Tessin stammt. Dass es dafür sechs Anläufe brauchte, ist allerdings kein gutes Zeichen. Das wären dafür Erfolge gegen Vaduz und Wil in den nächsten Spielen. Derlei braucht der FCW, um auf die Beine zu kommen, um die Fehltritte des ersten Meisterschaftsviertels zu korrigieren.

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