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Eine offene Absage an die Langeweile

Wie derzeit kein zweites Fahrzeug verkörpert der DS5 die viel beschworene französische Extravaganz. In der Version als Diesel-Hybrid gibt das Flaggschiff gleichzeitig die sparsame Familienschüssel.

Was für ein Raumgefühl! Was für bequeme Sitze! Was für ein Durcheinander von Schaltern und Armaturen! Wer im DS5 Platz nimmt, erlebt erst einmal eine gepflegte Reizüberflutung. Gut, das Lenkrad ist da, wo es hingehört. Dann hat es sich aber mit dem Gewohnten. Schon der Wahlhebel der Automatik gibt Rätsel auf: Er ist eigentümlich schmal, mit zwei Fingern zu bedienen, und ein P sucht man vergeblich. Im Kontrast dazu ist die Mittelkonsole umso breiter. Das schafft Platz für ein grosses Ablagefach, für die elektrische Parkbremse, den Drehwahlschalter für die Fahrmodi und vier elektrische Fensterheber, von denen nur mit ganz gespreizten Fingern zwei gleichzeitig bedient werden können. Eine zweite Mittelkonsole findet sich, quasi gespiegelt, im Dachhimmel, ein grosses Knöpfcheninstrument, das den vorderen Teil des quer geteilten Panorama-Glasdachs noch einmal längs durchtrennt. Die Konsequenz: drei Schalter für drei Sonnenblenden. Der Start erfolgt im N, per Knopfdruck. Den Schlüssel lässt man in der Hosentasche – oder besser in einer Umhängetasche, so monströs ist das Ding. Nach dem Start passiert dann erst einmal nichts – ausser, dass das etwas hausbackene Head-up-Display aus dem Armaturenbrett ausfährt. Klaro. Es handelt sich ja auch um ein Hybridfahrzeug. Beim Bedienen des Wahlhebelchens ist Vorsicht geboten. Drückt man zu stark, ist flugs der manuelle Modus eingelegt, dann schaltet sich der Dieselmotor rasch zu und vermeldet lärmend, dass man mit den Schalt-Paddles am Lenkrad besser einen Gang hochschalten sollte. Besser passt es, das Schalten der Automatik zu überlassen. Automatisch erfolgt auch die Steuerung des Hybridsystems. Mit einem Drehwahlschalter kann man das Zusammenwirken bei Bedarf selbst vorkonfigurieren, den DS5 zum Allradler machen oder in den Elektromodus zwingen. Allzu weit kommt der Citroën im reinen E-Modus allerdings nicht. Dafür sind die Batterien zu klein. Also bleibt man auch hier besser im automatischen Modus. Das Zusammenwirken des 163 PS starken Vierzylinder-Dieselmotors, der die Vorderachse antreibt, und des 37 PS starken E-Motors, der auf die Hinterachse wirkt, funktioniert gut, aber nicht ganz so geschmeidig wie bei einigen Mitbewerbern. Das ist auch dar­um so, weil die Rekuperation das Auto, wenn man vom Gas geht, stark entschleunigt, sodass man die Bremse eigentlich fast vergessen kann. Nach einer Angewöhnungszeit lässt sich der DS5 aber ohne Ruckeln fahren und recht zügig dazu. Spätestens dann beginnt die Freundschaft mit dem Franzosen. Das Ambiente mit dem edlen Ledergestühl und dem vielen Licht wird gefühlt zum Wohnzimmer, und was gerade noch umständlich schien, ist plötzlich hochwertig. Etwa der Deckel, der die USB-Buchse vor Staub schützt, aber einen Extragriff beim Anschluss des Handys nötig macht. Mit 4,54 Metern Länge, 460 Litern Kofferraum und einer kindertauglichen Rückbank ist der DS5 auch eine recht praktische Familienkutsche. Und eine sparsame dazu: Der Verbrauch pendelt sich im Test bei knapp über fünf Litern ein. Im Quartier ist der DS5 ein echtes Statement. Ob wirklich so viel Chromzierrat an der Front nötig ist, sei dahingestellt, die avantgardistische Karosserie und das knackige Heck aber zeugen von einem grossen Stilwillen und sind eine offene Absage an die automobile Langeweile. Den extravaganten Hybrid aus Frankreich gibt es ab 49?000 Franken. Die getestete Topversion steht mit nicht unbescheidenen 57?900 Franken in der Preisliste, ist aber nahezu komplett ausgerüstet. Nur Bi-Xenon-Scheinwerfer und feineres Leder lassen sich noch zukaufen. Citroën DS5 Hybrid4 Faubourg Addict+ Extravagante Karosserie+ Sparsamer Hybrid-Diesel-Antrieb+ Ansprechendes Interieur– Teures Antriebskonzept– Schlechte Übersicht– Zu viele Schalter

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