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Eine Passage mit Läden und Takeaways

SBB und Stadt machen vorwärts mit der Querung Nord. Velos und Fussgänger teilen sich dereinst einen neuen, verbreiterten Durchgang. Einzig der Zugang zum Untergrund bleibt ein Nadelöhr.

86 Jahre alt ist die Personenunterführung zwischen Milchrampe und Rudolfstrasse. Täglich schieben sich Tausende Pendler und Bahnhofquerer durch das Betonquader. Diese «Unterführung Nord» entspreche nicht mehr den Anforderungen an einen modernen Bahnhof, finden Stadt Winterthur und SBB. Sie stellten gestern die detaillierten Pläne für den Umbau vor. Demnach soll die Fussgängerunterführung stark verbreitert werden: Von heute 4,5 Meter auf 17,5 Meter auf der ganzen Länge. Der Durchgang soll zudem endlich behindertengerecht werden, fünf neue Lifte auf die Perrons sind geplant. Parallel zur Fussgängerunterführung entsteht dereinst eine Veloquerung, die sich in einem lang gezogenen S von der Rudolf- bis in die Turnerstrasse erstreckt (siehe Artikel unten rechts). 219 Quadratmeter sind für Ladenflächen reserviert. «Für den schnellen Einkauf», wie SBB-Gesamtprojektleiter Christian Furrer gestern betonte. «Der Personenfluss soll nicht unnötig behindert werden.» Furrer ist sich sicher: «Die Unterführung wird attraktiv und modern, und mit der Verbreiterung erhöht sich auch die soziale Sicherheit.» Unannehmlichkeiten für die Pendler Der Bau der neuen Fussgängerunterführung und Veloquerung Nord wird sich lange hinziehen. Geplanter Baustart ist im Januar 2017. Im Dezember 2018 wird der erste Teil der Unterführung eingeweiht, der Abschluss ist jedoch erst auf Ende 2020 terminiert. Trotz der langen Bauarbeiten und dem hohen Personenaufkommen: Drastische Engpässe befürchtet man bei Stadt und SBB offenbar nicht. Die Unterführung Nord werde etappenweise gebaut. Dennoch wird es für die Pendler wohl zu erheblichen Unannehmlichkeiten kommen. Denn für die Verbreiterung müssen massive Abstützungsvorrichtungen gebaut werden. Diese kommen teilweise auch im bestehenden, engen Durchgang zu liegen. Lärm und Staub werden wohl ein weiteres Problem sein. Im Rahmen der Perronverbreiterungen kommt es zudem zu Fahrplan- und Gleisanpassungen. Hier setzen die SBB sogenannte Kundenlenker ein. Ein Problem, das die SBB nicht lösen konnten, ist die Breite des Treppenaufstiegs Richtung Milchrampe. Diese wird von heute 4,5 auf neu 6 Meter nur unwesentlich vergrössert. Eingeklemmt zwischen Velostation, Liften und einer Trafostation reicht es da auch nicht für den Einbau einer Rolltreppe. Steuerzahler werden fast nicht zur Kasse gebeten Das Projekt geniesst im Rahmen des vom Stimmvolk abgesegneten «Masterplan Bahnhof» eine Sonderrolle. Denn wie Bauvorsteher Josef Lisibach (SVP) gestern erfreut anmerken konnte, entstehen dem hiesigen Steuerzahler keine neuen Kosten für den Umbau. Die nötigen 85 Millionen würden grösstenteils von Bund und Kanton getragen. Der Gemeinderat muss noch über eine städtische Beteiligung von circa sechs Millionen befinden. Diese wird jedoch dem bestehenden Masterplan-Kredit entnommen. Wie man die Platznot am HB durchbrechen kann, ist auch sonst Thema. So sind verschiedene Perronverbreiterungen und der Neubau von 380 Metern Perrondach geplant. Denn durch die immer längeren Zugkompositionen stehen ein- und aussteigende Passagiere heute öfters mal im Regen. Die Ausfahrt Richtung Zürich gilt bei den SBB zudem als Nadelöhr. Dort soll ein neuer Gleisabschnitt auf Höhe Kesselhaus Abhilfe schaffen. Weiter werden im ganzen Bahnhofgebiet 1700 Meter Gleis und ebenso viele Meter Fahrleitungen ersetzt und insgesamt 40 neue Weichen gebaut. Total kommen diese Arbeiten zusammen mit der Unterführung Nord auf Kosten von 195 Millionen Franken. Für die SBB sind die Arbeiten ein Mammutprojekt. Mit einer Kadenz von rund 500 Zügen pro Tag komme man nicht um Arbeiten während des laufenden Betriebs herum. Diese seien auch dringend notwendig – der Hauptbahnhof gilt als viertgrösster Bahnhof der Schweiz. Der Verkehr auf der Rudolfstrasse rollt weiter Bis in einem Jahr sollen alle nötigen Genehmigungen, auch jene vom Gemeinderat, stehen. Dann wird der Hauptbahnhof von zwei Grossbaustellen flankiert. Am anderen Ende der Perrons laufen bereits seit Mai die Bauarbeiten an der «Querung Stadtmitte». Diese soll im Jahr 2016 abgeschlossen sein, dann wird auch der neue «Stadtplatz» auf Seite Kesselhaus eingeweiht. Noch kein Termin steht für die Verkehrsbefreiung der Rudolfstrasse. Josef Lisibach wollte sich gestern nicht auf Schätzungen einlassen. «Da passiert politisch noch einiges in nächster Zeit.» Auch das veraltete Parkdeck bleibt (noch), wie es ist. Lisibach sagte aber: Hätte die Stadt Geld, würde sie sich dar­um kümmern, und fügte scherzhaft an: «Wenn wir irgendwo noch Glencore-Millionen finden, machen wir das Dach neu.»

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