Zum Hauptinhalt springen

Eine Prise zuckersüsser Zirkuszauber

Rote Nase, weiss geschminktes Gesicht, watschliger Gang: Ja, diese Kombination vermag noch immer zu begeistern. Schon nach der ersten Nummer hat David Larible das Publikum in der Tasche. Er zieht Faxen, mimt den Ungeschickten und führt zum Schluss mit zwei Männern und einer Frau aus dem Publikum eine Oper auf, bei der sich die Zuschauer biegen vor Lachen. Vergessen ist Claudio Zuccolini, der 2013 bei Medien und Publikum durchfiel: Für die Saison 2014 hat der Circus Knie auf einen klassischen Clown gesetzt. Eine gute Entscheidung. Die gestrige Hauptprobe in Rapperswil glückt. Das liegt nicht nur am Clown, sondern auch an der Familie Knie, die mit ihren traditionellen Nummern glänzt: Die Pferdedressuren sorgen für langen Applaus, eine davon ganz besonders. Chanel Marie, die dreijährige Enkelin von Fredy Knie junior, hat ihren ersten Auftritt. Wie sie da in einem weissen Kleidchen auf einem überdimensional gross wirkenden Schimmel in die Manege geritten kommt und Glitzerpartikel auf sie regnen, raunen die Zuschauer gerührt. Zusammen mit dem Grossvater führt sie das Pferd und ein Shetlandpony durch die Manege und verabschiedet sich schliesslich – ganz Profi – mit einem höflichen Knicks. Überhaupt steht der Knie-Nachwuchs so selbstverständlich vor dem Publikum wie seine Eltern. Jeder hat seine Aufgabe: Ivan Frédéric (13) präsentiert seine Nummer auf Rapphengst Evento, und Chris Rui (7) sitzt in der nächsten auf dem Elefanten, als habe er nie etwas anderes gemacht. Der stolze Blick von Vater Franco Knie junior, der die Elefanten vom Boden aus in Schach hält, spricht Bände. Nach den Dressuren haben die folgenden Artisten einen schweren Stand. Und meistern ihre Aufgabe unterschiedlich: Die Chinese Diabolo Girls beweisen in ihren aufwendigen Kostümen zwar, dass mit den Diabolos viel mehr möglich ist, als man es als Kind auf dem Pausenplatz versucht hat. Doch ein paar der Diabolos landen auf dem Boden, und dann hilft nur eines: den Fehler weglächeln. Einen ungemütlichen Moment erlebt auch Akrobat Encho Keryazov, der aussieht wie eine Mischung aus Meister Proper und Bruce Willis. Kopfüber balanciert er mit den Händen auf je sieben aufeinanderliegenden Platten, dar­un­ter zwei Stelzen. Als er sich langsam zum Handstand aufrichtet, wackelt eine der Plattenbeigen bedrohlich und droht in sich zusammenzustürzen. Doch die Nummer gelingt, Keryazov ist die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Dem Publikum auch. Es hat allerdings kaum Zeit, sich zu erholen, denn schon steht das kolumbianische Duo Vanegas mit seinem sogenannten Todesrad in der Manege. Dieses macht seinem Namen glücklicherweise keine Ehre, doch den beiden zuzusehen, wie sie sich auf den zwei drehenden Rädern bewegen, kostet Nerven. Eine letzte Artistin sei noch erwähnt: die Österreicherin Rosi Hochegger. Die wahren Stars sind ihre sechs Hunde, ihre «Dancing Dogs». Sie rasen auf dem Manegenrand umher, springen durch Reifen und verschwinden dann blitzschnell in einem als Kulisse aufgestellten Häuschen. So viel Tempo, so viel Begeisterung von Hund und Frauchen – der Zirkus lehrt eines: Das Herz des Publikums ist auch mit einfachen Mitteln zu gewinnen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch