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Eine Reise ins Innere

Temperamentvolle Musik in klassischer Trio-Besetzung hat einen Namen – Artemis. Ins Moderne übersetzt, steht die griechische Göttin für Frauenpower. Die neue CD begeistert mit Stärken der Musikerinnen auch in einem neuen Feld.

Das Trio Artemis hat die Konzertdramaturgie der seriösen Kollegen auf dem Feld des Klaviertrios frech auf den Kopf gestellt – ein Erfolgsrezept seit bald zwanzig Jahren: Es serviert die musikalischen Torten nicht erst nach dem Essen, lädt zum Tanz, verschenkt Ohrwürmer, macht «Salon» mit Tango, Filmmelodie und Volksmusik, mit Piazolla, Morricone, Theodorakis – und lässt die grosse Literatur für seine Besetzung nicht aus. Die repräsentativen Werke der Klassik und Romantik stehen ebenfalls auf dem Programm. Neu ist die Ausweitung des Repertoires, mit der die frische CD überrascht. Eingespielt haben Katja Hess (Violine), Bettina Macher (Violoncello und Felicitas Strack (Klavier) zwei scheinbar weit auseinanderliegende Werke, das berühmte Dumky-Trio von AntonÍn Dvor?ák und das im Jahr 2000 im Musikkollegium uraufgeführte Werk «The Second Attention» für Violine, Violoncello und Klavier von Alfred Felder – und so viel vorweg: Die vom Trio Artemis gelebte Einheit der Musik im inspirierten, von echter Emotion und grossem Können geprägten Spiel, bewährt sich hier eindrücklich und lässt die Welten zusammenrücken. Das Dumky-Trio ist ohnehin Kernkompetenz, man hört es Takt vor Takt. Die sechs Sätze mit ihrem Pendeln zwischen melancholischer und träumerischer Innigkeit und temperamentvoller Ausgelassenheit, die Verbindung von Volksmusiknähe und höchstem instrumentalem Raffinement sind ein Kon­zen­trat dessen, wofür das Trio Artemis steht. Da sind beispielsweise die Finessen des Portamentos, dem sich das ­unverblümt herzhafte Spiel nicht verschliesst. wunderbar schattierend in den melodischen Zügen von Violine und Cello; pikant mit dem Jauchzer, mit dem die Violine ins erste Allegro springt. Da wirkt nichts gemacht, und welch wunderbarer Schlichtheit sich die Interpretinnen überlassen können, hört man im Poco Adagio des zweiten Satzes: Da herrscht berührende Klangsensibilität in bestem Einvernehmen zwischen den Streichinstrumenten und dem Klavier. Böhmen in uns Das suggestive Moment der Musik zu vermitteln – diese Kunst der drei Musikerinnen bringt auch Alfred Felders Trio «The Second Attention» dem Hörer nahe, nur dass es wohl in noch unbeschreiblichere Zonen führt als zu Dvor?áks Böhmen, das ja auch schon eine innere, nur musikalisch fassbare Landschaft ist. Weiter gehen auch die musikalischen Mittel: Gong, Maracas Schellen zu Beginn, am Ende eine Scha­ma­nentrommel sprengen den instrumentalen Rahmen des Trio-Spiels, und auch dieses selbst nutzt Extreme: komplexe Rhythmen und freie Metren, präparierte Saiten des Klaviers, extreme Ausdrucksbereiche der Streicher mit wisperndem Glissandospiel etwa. Die Musikerinnen imponieren mit der klanglichen und dynamischen Spannweite, mit ziselierender Präzision und der scheinbaren Spontaneität im komplexen Zusammenspiel, mit der Felders Musik zum Sprechen gebracht wird. «Alles ist Ener­gie­­»: Zu diesem Motto beginnt das Trio im marschartigen Rhythmus, dann aber ist die Musik über weite Strecken, ohne Metrum notiert, offen für eruptive und kontemplative Momente, und sie verklingt mit einer schlichten, improvisiert wirkenden Weise der Violine zum kreisenden Geräusch der Trommel. Es ist, wie auch bei Dvor?ák, das Gefühl einer medita­tiven und zugleich lebensvollen Reise, das von der tontechnisch klangschön und kristallklar aufgenommenen neuen CD des Trio Artemis vermittelt wird – ein Gefühl, das Felder mit «Second Attention», dem schamanischer Erfahrungsbegriff, umschreibt. Die CD-Taufe am Freitag gibt Gelegenheit, das Werk von Alfred Felder im eigentlichen Sinn noch näher, nämlich direkt von Instrument zu Ohr, kennen zu lernen, Katja Hess, Bettina Macher und Felicitas Stracke führen es neben einigen Dumky-Sätzen integral auf. Eine Bildprojektion von Marcus Gyger lädt zudem dazu ein, die «Reise» mit suggestiven Landschaftsbildern auch optisch zu erleben. CD-Taufe Trio Artemis,15. November, 19.30 Uhr. Konzertsaal Konser­vatorium, Tössertobelstrasse 1; Eintritt frei. CD:«Trio Artemis – Felder/Dvorák»; Gallo CD-1409

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