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Eine solide Mannschaft und Shaqiri

Mit einem Hattrick Xherdan Shaqiris erreichte die Schweiz ein 3:0 gegen Honduras und damit die Achtelfinals. Dort darf sie am kommenden Dienstag in São Paulo den Turnierfavoriten Argentinien mit seinem Star Lionel Messi fordern.

Die Zweifel waren da gewesen, aber schliesslich wurde dieser letzte Vorrundenmatch für die Schweiz nicht mal zum Zitterspiel. Das verdankte sie einer von Anfang an von Disziplin, Präsenz und mehrheitlich auch spielerischer Qualität geprägten Leistung. Sie beherrschte die Nummer 33 der Welt aus Mittelamerika im Kampf im Regenwald. Ihr Sieg stand nie zur Diskussion. Dar­über hinaus schaffte es Rivale Ecuador nicht, gegen Gruppensieger Frankreich über ein 0:0 hinauszukommen. Natürlich war Shaqiri mit seinen drei Toren der grosse Mann. Es war eines seiner besten Länderspiele und es waren sehr wichtige Tore. Aber es war nicht das erste Mal, dass er in der Nationalmannschaft dreimal traf. Das war ihm schon im Herbst 2011 in der EM-Ausscheidung gegen Bulgarien in Basel gelungen – damals zu einem 3:1 nach einem Rückstand. Die frühe Führung Die Retuschen Ottmar Hitzfelds entsprachen genau den Erwartungen – mit Fabian Schär bei seinem WM-Debüt im Abwehrzentrum und Josip Drmic anstelle Haris Seferovics als Sturmspitze. Und mehr als nur geahnt hatte man auch, dass der Coach diesmal Shaqiri von Beginn weg hinter Drmic würde spielen lassen und Granit Xhaka auf der rechten Flanke. Es war in den ersten beiden Matches, ob gewonnen oder verloren, doch zu offensichtlich gewesen, dass der kleine «Bayer» im Zen­trum besser ins Spiel kam als auf der Flanke. Die Spezialität, als Linksfüsser von rechts nach innen zu ziehen und dann zum gefährlichen Weitschuss ansetzen zu können, lässt sich ja auch aus zentralerer Position darbieten. Das war wunderschön zu sehen nach anderthalb Minuten, als Shaqiri zum kurzen Dribbling nach innen ansetzte und den Ball danach aus 22 Metern in die weitere hohe Ecke drosch. Es war die Szene, welche den Schweizern schon früh im Vergleich mit den Ecuadorianern die Vorteile zuspielte. Aber es war nicht die erste torreife Szene, denn bereits nach gut zwei Minuten hatte Drmic mit einem starken Flügellauf und einem Rückpass auf Shaqiri eigentlich die Vorarbeit zum 1:0 geleistet. Aber dann scheiterte Shaqiri aus wenigen Metern am 37-jährigen Veteranen im honduranischen Tor, Noel Valladares. Es war also nicht nur bald ein Schweizer Vorsprung zu registrieren, sondern auch die beruhigende Erkenntnis, dass sie an diesem Tag nicht nur richtig aufgestellt waren, sondern auch richtig eingestellt, um diese Aufgabe zu lösen. Die Bedingungen waren zwar für Europäer wirklich ungewohnt mit gegen 90 Prozent Luftfeuchtigkeit zu Spielbeginn. Aber die Temperatur hielt sich mit 26 Grad für Amazonas im Rahmen, auch wenn es – zumal für europäische Gemüter – gefühlt ein paar Grad mehr waren. Ein Heimspiel Was die Schweizer aber auch freuen durfte. Die gut 1000 Landsleute auf den Rängen der Arena Amazonien sorgten beinahe für Heimspiel-Atmosphäre. Sie hatten auch Grund, denn die Honduraner waren zwar der erwartet hartnäckige und vor allem auch hart spielende Gegner. Aber die spielerische Überlegenheit der Schweizer reichte zu einem frühen Vorsprung und dessen Bestätigung. Das 2:0 nach einer halben Stunde war der klarste Beweis, dass die Schweizer die fussballerisch bessere Mannschaft waren. Es war ein an Klarheit kaum zu überbietender Angriff über vier Züge, von einem Strafraum zum andern. Auf der Höhe des eigenen Sechzehners gewann Ricardo Rodriguez den Ball, den er klug zu Inler weiterleitete. Der Captain spielte sich mit einer Drehung frei und lancierte dann, mit seinem besten Pass des ganzen Spiels, Drmic. Danach waren Drmic und Shaqiri in Überzahl, was Drmic zu einem Pass im richtigen Moment und Shaqiri zu einem sicheren Abschluss nutzte, von der Strafraumgrenze aus. Nach 30 Minuten und 35 Sekunden hatten die Schweizer also jene zwei Tore auf dem Konto, die sie vor vier Jahren in Bloemfontein so dringend benötigt und die ihnen damals gereicht hätten. Es gab an diesem Tag nur wenige Momente, in denen die Schweizer nicht Herr der Lage ab. Die waren vor allem in den ersten Minuten nach der Pause zu sehen, als vor allem Djourou die eine oder andere Unsicherheit erkennen liessen. Ganz abgesehen davon, dass die Honduraner kämpferisch in keinem Moment nachliessen, obwohl sie nun nicht mal mehr theoretisch erfassbare Chancen auf ein Weiterkommen hatten. Diese «Catrachos» schenken einem Gegner wirklich nichts, auch wenn sie nun drei WM-Endrunden lang in insgesamt neun Spielen sieglos geblieben sind. Zwei, drei heikle Szenen Es häuften sich nun die Eckbälle für die Honduraner, und dreimal wurde es gar heikel. In der 52. Minute hatte Jerry Bengtson Benaglio schon überlaufen und aus spitzem Winkel auch das Tor getroffen, aber da kam Rodriguez gerade noch rechtzeitig, um das Problem zu lösen. Nach einer Stunde brachte sich Djourou mit einem Stellungsfehler in Schwierigkeiten. Es kam zu einem Kontakt mit Jerry Palacios, der stürzte und reklamierte. Aber einen Elfmeter konnte da ein Schiedsrichter nicht geben, der draussen im Feld so viel laufen liess wie der Argentinier Nestor Pitana. Nach 80 Minuten lieferte Benaglio dann noch eine Parade, wie sie ihm gegen die Franzosen nicht gelungen war. Er stoppte den wenige Meter vor ihm zum Schuss gekommenen Bengtson. Zu jenem Zeitpunkt stand es allerdings schon 3:0, denn es war Drmic und Shaqiri doch mal gelungen, eine der nun ziemlich häufigen freien Konterchancen erfolgreich abzuschliessen. Drmic bereitete stark vor, Shaqiri schloss souverän ab. Danach lagen die Schweizer so weit vorne, dass sie – blieben sie ohne Gegentor – nicht mal ein einziger Siegestreffer der Ecuadorianer im fernen Maracana vom Weg in die Achtelfinals hätte abbringen können. Aber es fiel weder ein Tor für die Honduraner noch eines für die Ecuadorianer. Also kamen die Schweizer weiter mit einer sehr soliden Leistung und ihrem höchsten WM-Sieg seit dem glorreichen 4:1 gegen Rumänien 1994 in Detroit. Benaglio war, mit Ausnahme eines Fehlpasses nach wenigen Minuten, der Torhüter seiner guten Tage. Ein gutes Debüt machte Schär; Lichtsteiner und Rodriguez waren als Aussenverteidiger solide; Inler und Valon Behrami erreichten im Mittelfeld gute Zweikampfwerte. Behrami liess diesmal nicht die Spur eines Patzers erkennen wie sie im in den ersten Spiel unterlaufen war, Inler setzte – wie vor dem 2:0 – gar zwei, drei offensive Signale. Xhaka, diesmal bis zu seiner Auswechslung eben auf der Flanke, war ordentlich, Mehmedi auf der andern Seite hätte seine Leistung mit einem Tor erheblich aufwerten können. Die Männer des Tages waren die beiden ganz vorne, Shaqiri natürlich, aber auch Drmic. Shaqiri spielte sich offenbar auch jenen kleinen Frust vom Leib, der sich angestaut hatte, weil er sich medial zu hart angepackt gefühlt hatte. Nach diesem Spiel wird er wieder die Sonnenseiten des medialen Interesses zu spüren bekommen. Nach einer Leistung, die absoilut erstklassig war und die, sind wir ehrlich, die Schweiz in der Offensivre auch braucht, will sie einen WM-Achtelfinal erreichen. Ein Sieger war aber auch Hitzfeld. Er hatte – wieder mal – die Ruhe bewahrt, an Personal festgehalten, das sich aus seiner Sicht über lange Zeit bewährt hatte. Und so schaute dann der Sieg heraus, der erwartet werden durfte, an dem manchenorts aber nach dem verunglückten Auftritt gegen Frankreich gezweifelt worden war. Noch mindestens ein Spiel geht jetzt Hitzfelds Karriere weiter – und das ist auf jeden Fall ein grosses. Hansjörg Schifferli

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