Zum Hauptinhalt springen

Eine Steigerung, doch keine Punkte

Die Leistung des FC Basel gegen Real Madrid war in der zweiten Halbzeit gut bis sehr gut, aber ein Tor gelang nicht. Real steht mit dem 1:0 als Gruppensieger fest, die Basler kommen am 9. Dezember zu einem «Final» um Platz 2 in Liverpool.

Weil die Liverpooler in Sofia gegen Ludogorets Rasgrad beim 2:2 einen Punkt abgaben, gehen die Basler in den entscheidenden Match gar mit zwei Punkten Vorsprung. Wenn der Abend also normal verläuft (und Real gegen Rasgrad nicht patzt), dann reicht dem FCB ein Remis in England.

Der FC Basel musste sich erstmals in diesem Europacup-Jahr daheim geschlagen geben. Bis zuletzt zeigten die Basler, dass sie mehr wollten als eine ehrenvolle Niederlage. Vor 36 000 Zuschauern im ausverkauften St.-Jakob-Park suchten sie das 1:1, das gegen dieses siegesgewohnte Real Ma- drid einem Exploit gleichgekommen wäre. In der letzten halben Stunde kamen die Basler zu einigen Torchancen, am nächsten kam Breel Embolo dem 1:1. Der Teenager scheiterte in der 66. Minute aus spitzem Winkel an Goalie Keylor Navas. Und Sekunden vor dem Ende war es der eingewechselte Ahmed Hamoudi, der den Ball nur knapp am Tor vorbeizirkelte.

Die Anstrengungen und die Risikofreude der Basler blieben punktemässig unbelohnt, weil sich einmal ein spanischer Star entscheidend durchsetzen konnte. In der 35. Minute lief Karim Benzema Fabian Schär auf der rechten Seite davon und fand mit seiner Hereingabe Cristiano Ronaldo, der seinen 71. Champions-League-Treffer erzielte.

Der FC Basel hatte die letzten vier Duelle in der eigenen Arena gegen ganz grosse Teams im Europacup gewonnen, gegen Manchester United, Bayern München, Chelsea und Liverpool. Das durch die Exploits gesammelte Selbstvertrauen war spürbar. Der FC Basel trat an wie eine Mannschaft, die weiss, was es braucht, um auf diesem Niveau zu bestehen. In einer packenden Atmosphäre hatten sie den so prominent besetzten Gegner oft gut im Griff.

Was die Basler taten, hatte Hand und Fuss. Mit grossem Kraftaufwand störten sie ihre Gegner früh und liessen so nur selten spanisches Kombinationsspiel zu. Sie erstarrten nie in Ehrfurcht, sie verteidigten hoch und waren mutig genug, die eroberten Bälle konstruktiv einzusetzen. Mit geschickten Passfolgen konnten sie mehrmals rasch von Defensive auf Offensive umschalten. Noch vor dem 0:1 gab es die eine oder andere vielversprechende Kontermöglichkeit für den Schweizer Meister.

In der Nähe des Madrider Strafraums agierte die Basler Offensive aber lange Zeit überhastet, der letzte Pass kam nicht an oder der Abschluss fiel schwach aus, wie etwa jene von Mohamed Elneny (29.) oder Luca Zuffi (34.). Die Durchschlagskraft fehlte in der ersten Halbzeit, um die starke Verteidigung der Spanier in Verlegenheit zu bringen und Navas, den costa-ricanischen Keeper bei Real, ernsthaft zu testen.

Chancen nach der Pause

Die verstärkten Basler Offensivbemühungen nach dem Seitenwechsel führten zu mehr Präsenz in der spanischen Platzhälfte und zu diversen Druckphasen der ohne Unterbruch während über 90 Minuten frenetisch gefeierten Basler Spieler. In der 56. Minute missriet Shkelzen Gashi nach einer starken Aktion von Frei der Schuss aus guter Position. Gashi hatte nach einer guten Stunde erneut eine Chance und hätte in der 67. Minute um ein Haar per Kopf einen Traumtreffer erzielt. Embolo, der die Flanke geschlagen hatte, verpasste das 1:1 Sekunden später aus spitzem Winkel gegen Navas.

Basel tat sein Möglichstes, um den Fans die magische Nacht zu schenken, die Trainer Paulo Sousa sich am Vortag gewünscht hatte. Doch auf der Gegenseite stand ein Real Madrid, das nicht bloss eine Ansammlung von Stars ist, sondern wie eine Mannschaft auftritt, solidarisch und kämpferisch. Zu keinem Zeitpunkt wirkten Ronaldo, Benzema, Kroos und Co. pomadig oder überheblich. Nicht umsonst stellte der zehnfache Meistercup- und Champions-League-Sieger gestern mit dem 15. Sieg in Folge einen Klubrekord ein. Mit Kontern war Real Madrid in der zweiten Halbzeit immer gefährlich: Gareth Bale (75.) und Ronaldo (77.) trafen jeweils die Torumrandung.

Dass Real Madrid, das in den letzten 14 Partien 56 Tore erzielte hatte, gegen Basel nur einmal traf, spricht für die Leistung des Super-League-Vertreters. Zumal der Treffer vom – je nach Sichtweise – besten oder zweitbesten Fussballer der Gegenwart geschossen wurde. Ronaldo steht nun bei 71 Champions-League-Toren, nur Lionel Messi (74) hat mehr geschossen. Einen Ronaldo hat Basel nicht in seinen Reihen, aber ohne Zweifel genug Qualität, um sich in zwei Wochen den Vorstoss in die Achtelfinals zu sichern.

Ronaldos Hoch

Ronaldos Anteil an den bereits monatelangen Madrider Festspielen ist imposant. An der fabelhaften Klubrekord-Serie von 15 Siegen ist er hauptbeteiligt – nur in zwei Partien traf er nicht. In der Liga entrückte das Offensivphänomen mit 20 Treffern in elf Spielen allen – selbst Lionel Messi, der andere Gigant der Primera Divison, kann mit der sagenhaften Performance des CL-Siegers nicht mehr mithalten.

Auf gegen 80 Millionen Dollar schätzt das US-Wirtschaftsmagazin «Forbes» das Jahresgehalt des Dauertorschützen. Bis 2018 soll er im Unterhaltungsprogramm der Madrilenen die Hauptrolle spielen und Reals Gegenentwurf zum Barça-Protagonisten Messi sein. Im St.-Jakob-Park genügte ihm eine Szene zu einer nächsten magischen Marke: Mit dem 71. Tor in der europäischen Elite-Liga ist er nun auch in dieser Kategorie auf Augenhöhe mit der königlichen Klublegende Raul.

Um CR7 dreht sich immer alles – vor, während und nach einer Partie. Seine Popularität ist ortsunabhängig. In Basel belagerten Hunderte Anhänger das Hotel des Superstars. Während des Einlaufens mussten die Sicherheitskräfte die global teuerste Nummer 7 vor der unliebsamen Konfrontation mit zwei ungezogene Fan-Stalkern im Teenageralter schützen. Auf dem Rasen wurde er einmal von Fabian Schär sehr hart angegangen. si

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch