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Einen Punkt verschenkt

BELLINZONA. Der EHCW verprasst in Bellinzona einen 3:0-Vorsprung, gewinnt aber in der Verlängerung dank einem Powerplaytor Thomas Mettlers 4:3 (1:0, 2:1, 0:2, 1:0).

Wenn eine Mannschaft bei Spielhälfte 3:0 führt, dann dürfte sie eigentlich nicht mehr in Schwierigkeiten geraten. Zumal nicht als Tabellenführer gegen den Tabellenletzten. Aber genau das passierte dem EHCW in Bellinzona. Er gab den komfortablen Vorsprung preis und musste 47 Sekunden vor Schluss der regulären Spielzeit gar Torhüter Remo Oehninger danken, dass er mit einer (weiteren) Grosstat gegen Davide Bianchi das 3:4 verhinderte. Beinahe also hätten die Winterthurer ganz ohne Punkte nach Hause fahren müssen. So waren sie mit zweien sehr gut bedient, auch wenn sie von Frauenfeld wieder als Leader abgelöst wurden.

Für den Siegestreffer sorgte Thomas Mettler. Nach 124 Sekunden der Verlängerung hatte Damiano Cerinotti Bellinzona mit seiner dritten Strafe an diesem Abend in Schwierigkeiten gebracht. 19 Sekunden später sorgte Mettler mit einem Schuss von der blauen Linie für die Entscheidung. Für den ehemaligen Klotener Junior war die Bilanz damit ausgeglichen: Denn in der 32. Minute hatte er die Aufholjagd der Tessiner mit einem unglücklichen Eigentor eingeleitet.

Powerplay als Spiegelbild

Dass Mettler in Überzahl traf, polierte die diesmal bescheidene Powerplay-Ausbeute der Winterthurer ein wenig auf. Sonst war in diesen Si­tua­tio­nen nicht viel passiert. «Das Powerplay ist eben oft ein Spiegelbild einer Mannschaft», sagte EHCW-Trainer Markus Studer. Es war von Anfang an nicht gut gewesen, «wie wir auch bis zum 3:0 nicht sonderlich gut gespielt haben», ergänzte Studer. «Wir waren nicht konsequent genug und haben zu viele Konter zugelassen.»

Immerhin wurden die Konter Bellinzonas lange kontrolliert. 30 Minuten lang machten die Winterthurer den eigenen Slot zu. Auch in der gegnerischen Zone begannen sie gut, setzten das Heimteam, wann immer es ging, unter Druck und waren auch in den Zweikämpfen meist siegreich. Eric Geiser, der nach einer Sperre von sieben Spielen erstmals wieder mittun durfte, brachte sein Team in der 8. Minute in Unterzahl 1:0 in Führung. Zu Beginn des Mitteldrittels schien der Match voll- ends zugunsten des EHCW zu laufen: Lukas Homberger und Martin Wichser erhöhten mit starken Aktionen auf 3:0.

Respekt verloren

Damit aber konnten einige nicht richtig umgehen und begannen allzu unbedacht nach vorne zu spielen oder zu laufen. Es schien, als sei der nötige Respekt vor dem Gegner verloren gegangen. Zeugnis davon war eine viel zu riskante Einzelaktion Michel Grolimunds vor dem eigenen Tor. Oehninger verhinderte zwar noch grösseren Schaden, musste sich in der 31. Minute von Mettler bezwingen lassen, nachdem er einen weiteren Konter gestoppt zu haben schien. Mit diesem Tor waren die Tessiner wieder im Spiel. Der EHCW aber hatte die Kontrolle abgegeben.

Eine Spitzenmannschaft müsste freilich in der Lage sein, eine 3:1-Führung zu verwalten, selbst wenn der Gegner Lunte gerochen hat. Dazu aber waren die Winterthurer nicht konsequent genug: Beim 2:3 in der 44. Minute konnte Karim Gianella im Slot abschliessen, und dem Ausgleichstor Pietro Juris zehn Minuten vor Schluss war ein haarsträubender Querpass Pascal Riesers in der eigenen Zone vorangegangen.

Zwar fingen sich die Winterthurer in den letzten zehn Minuten wieder und sie kamen zu guten Chancen, etwa durch Homberger oder Rafael Geiser, aber ein Sieg nach 60 Minuten wäre dann doch des Guten zu viel gewesen für einen derart durchzogenen Auftritt. «Ich habe es schon mehrmals gesagt: Wir können nicht jedes Mal ungeschoren drei Gegentore kassieren», sagte Studer noch. «Nach einem 3:0 darf das nicht passieren. Das war sicher keine gute Leistung von uns heute.»

Im Gegensatz zu gestern hatten die Winterthurer vor einem Jahr in Bellinzona nach einem lange guten Auftritt noch 3:4 verloren. Dass sie sich diesmal trotz eines Sieges über einen verschenkten Punkt ärgern, zeigt, welch hohe Ansprüche sie an sich selber stellen. Das ist immerhin ein gutes Zeichen. Am nächsten Samstag können sie im Heimspiel gegen Biasca zeigen, dass sie ihre Lektion gelernt haben.

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