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Einer der Meistunterschätzten

Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel droht 2014 nicht nur bei der Titelverteidigung das Scheitern, sondern auch beim Versuch, Infiniti in Europa besser zu verankern. Nissans Nobelmarke hat einen schweren Stand – das gilt auch für die Hybridlimousine Q50 S.

Das exklusive Händlernetz mit nur drei Stützpunkten in St. Gallen, Genf und Lugano ist der Vermarktung von Infiniti in der Schweiz wenig dienlich. Auch das finanziell aufwendige Engagement im Formel-1-Rennstall Red Bull Racing hat den Bekanntheitsgrad der erst mit 20-jähriger Verspätung 2008 nach Europa gekommenen Premiummarke nicht massgeblich erhöht. Während Toyota im letzten Jahr immerhin 658 neue Lexus auf die Schweizer Strassen brachte, musste sich Nis­san trotz eines durchaus vergleichbaren Produktangebots mit 83 Infiniti-Immatrikulationen be­scheiden. Eine Trendwende ist auch jetzt nicht absehbar, obwohl die Verkäufe in den ersten vier Monaten angezogen haben. Mercedes erweist sich für Markenbotschafter Sebastian Vettel in der Formel 1 als ebenso uneinnehmbare Festung wie für Infiniti in der Oberklasse der Serienfahrzeuge, in der als zusätzliches Hindernis auch die anderen deutschen Premiumhersteller und Jaguar bestens verankert sind. Der Name ist einfach zu wenig vertraut und lässt erst noch auf ein dubioses Finanzunternehmen aus dem Nahen Osten schliessen. Dabei hat Infiniti weder bei der Modellpalette, der Technik noch bei der Preisgestaltung Defizite. Ein treffliches Beispiel dafür ist die für exakt 71?033 Franken angebotene Hybrid-Allrad-Topversion der Baureihe Q50. Obwohl die Reiselimousine mit einer maximalen Systemleistung von 364 PS keinen Vergleich mit der deutschen Konkurrenz zu fürchten hat, ist sie hierzulande ebenso selten anzutreffen wie ein ungleich teurerer Rolls-Royce Wraith oder ein Lamborghini Aventador. Die Gesetze des Marktes wollen es so, und das garantiert den stolzen und fast durchwegs zufriedenen Besitzern einen extrem hohen Grad von Exklusivität. Dies kann so weit führen, dass der Nachbar zweimal hinschaut, ehe er sich ratlos nach Herkunftsland und technischen Details erkundigt. Der 4,8 Meter lange Japaner kann von einem 3,5-Liter-V6-Benziner und einem Elektromotor in Kombinationen mit einem Siebengang-Automatikgetriebe äusserst sportlich oder aber betont ökonomisch angetrieben wer­den. Über kürzere Distanzen ist auch eine rein elektrische Fortbewegung möglich. Der Benzinverbrauch ist ganz von der Fahrweise abhängig. Mit einer Tankfüllung von 70 Litern sind im Sparmodus bis 1000 Kilometer zu schaffen. Wird das Potenzial des Hybridsystems voll genutzt, sind es viel weniger. Dann lässt sich der auch optisch gut gelungene Viertürer mit Coupé-Charakter aus dem Stand in 5,4 Sekunden auf 100 Stundenkilometer beschleunigen; er gleitet rasant über Autobahnen und wedelt dank Allradantrieb jederzeit behände durch Kurvenkombinationen. Als Novität werden im Infiniti Q50 S die Lenkbefehle rein elek­tro­nisch übertragen, das mechanische Lenk­ge­stänge tritt nur bei Störungen in Funktion. Damit zielen die Erfinder auf ein individuelles, auf jeden Fahrer zugeschnittenes Fahrgefühl ohne unerwünschte Vibrationen. Es braucht jedoch ein beachtliches Vorstellungsvermögen, um effektive Auswirkungen dieser Innovation zu spüren. Ebenso ungewöhnlich, aber hilfreich sind die beiden in der Mittelkonsole übereinander platzierten Touch­screens der Kommando­zen­trale für das Navigationssystem und die übrigen Informationen. Andere Neuzeitentwicklungen wie Bremsenergierückgewinnung, Stopp-Start-System, Fahrmodus-Wahlschalter, Spurverlassenwarner, Auffahrwarnsystem, Einparkhilfe und erleichterter Einstieg sind teils serienmässig eingebaut oder in Optionspakete ver­packt. Mit Ausnahme der knappen Bein- und Kopffreiheit hinten und dem noch bescheideneren Platzangebot im verwinkelten Kofferraum trüben nur wenige Details den guten Gesamteindruck. Dass die Rücksitzlehnen nicht umgeklappt werden können, die Sicht nach hinten nicht optimal ist und mit den Warnsi­gna­len übertrieben wird, dürfte niemanden daran hindern, einen Infiniti Q50 S zu kaufen. Wenn nicht mehr von seiner sofortigen Verfügbarkeit erfahren, bleibt er aber eines der meistunterschätzten Angebote auf dem Heimmarkt.

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